Sammelkalender September

Sammelkalender September

Welche Wildkräuter, Heilpflanzen, Samen, Früchte und Wurzeln Du jetzt sammeln kannst

Im September verändert sich das Sammeln spürbar. Der Sommer ist noch nicht ganz verschwunden, aber morgens liegt vielerorts bereits Feuchtigkeit auf den Wiesen, die Tage werden kürzer und die ersten Blätter verfärben sich. Zwischen verblühenden Sommerkräutern hängen reife Beeren, Samenstände rascheln im Wind und unter der Erde beginnt eine neue interessante Sammelzeit.

Denn der September ist ein Übergangsmonat.

Während wir im Juli und August vor allem Blüten, aromatische Kräuter und Samen gesammelt haben, verschiebt sich der Schwerpunkt jetzt zunehmend auf Früchte, Samen und erste Wurzeln. Gleichzeitig gibt es noch erstaunlich viele frische Wildkräuter – insbesondere dann, wenn Regen nach trockenen Sommerwochen für neuen Austrieb sorgt.

Der September ist deshalb kein Ende der Sammelsaison. Er eröffnet vielmehr ein neues Kapitel.

Jetzt beginnt die große Zeit der Wildfrüchte

Kaum ein Monat bietet eine solche Vielfalt an heimischen Früchten wie der September.

Hagebutten färben sich rot, Holunderbeeren hängen dunkel an den Dolden, Weißdorn leuchtet an Hecken und vielerorts lassen sich noch Brombeeren finden. Je nach Standort und Witterung kommen weitere Früchte hinzu.

Gerade bei Wildfrüchten lohnt es sich allerdings, nicht ausschließlich nach dem Kalender zu gehen. Ein sonniger Standort kann deutlich früher reife Früchte hervorbringen als eine schattige Lage. Höhenlage, Niederschlag und Temperatur beeinflussen den Reifezeitpunkt zusätzlich.

Entscheidend ist deshalb immer der tatsächliche Zustand der Früchte.

Hagebutten – jetzt beginnt ihre Saison

Die Früchte verschiedener Wildrosen gehören zu den charakteristischen Herbstfrüchten. Im September beginnen viele Hagebutten kräftig rot zu werden.

Hagebutten enthalten unter anderem Vitamin C, Carotinoide, Flavonoide und weitere Pflanzenstoffe. Je nach gewünschter Verarbeitung können sie zu unterschiedlichen Reifestadien gesammelt werden.

Feste, vollständig ausgefärbte Früchte eignen sich beispielsweise gut zum Trocknen und für verschiedene Vorratszubereitungen. Mit zunehmender Reife werden die Früchte weicher.

Wer Hagebutten verarbeitet, kennt außerdem die kleinen Härchen rund um die Nüsschen im Inneren. Sie können Haut und Schleimhäute mechanisch reizen und sollten bei entsprechenden Zubereitungen sorgfältig entfernt beziehungsweise herausgefiltert werden.

Holunderbeeren – nur reif und erhitzt

Auch der Schwarze Holunder gehört jetzt vielerorts zu den wichtigsten Sammelpflanzen.

Gesammelt werden vollständig ausgereifte, schwarzviolette Früchte. Grüne und unreife Beeren werden aussortiert, ebenso Blätter und möglichst viele Stielanteile.

Wichtig bleibt: Rohe Holunderbeeren sind keine Naschfrüchte.

Die Früchte des Schwarzen Holunders enthalten cyanogene Glykoside. Für Saft, Gelee, Suppe oder andere Zubereitungen werden sie deshalb ausreichend erhitzt.

Beim Roten Holunder ist besondere Vorsicht angebracht. Seine Samen enthalten problematische Inhaltsstoffe, weshalb wir ihn für die Verarbeitung in der privaten Küche nicht empfehlen.

Weißdorn – rote Früchte an den Hecken

Im September färben sich auch die Früchte des Weißdorns zunehmend rot.

Weißdorn gehört zu den bekanntesten traditionellen Herz-Kreislauf-Pflanzen. In der Phytotherapie werden allerdings nicht einfach beliebige selbst gesammelte Früchte therapeutisch eingesetzt, sondern definierte Zubereitungen mit festgelegter Zusammensetzung und Dosierung.

Die Früchte lassen sich dennoch sammeln und beispielsweise kulinarisch verarbeiten. Dabei sollte man sie sicher von anderen roten Heckenfrüchten unterscheiden können.

Brombeeren – die letzten süßen Sommerschätze

Je nach Region und Standort reicht die Brombeersaison bis weit in den September hinein.

Während sonnige Bestände möglicherweise bereits abgeerntet sind, können an schattigeren Standorten noch zahlreiche Früchte reifen.

Interessant sind außerdem weiterhin die Blätter. Für Tee werden bevorzugt jüngere, gesunde Blätter gesammelt. Sehr alte Blätter sind häufig deutlich derber.

Damit ist die Brombeere eine der Pflanzen, bei denen sich im September gleichzeitig unterschiedliche Pflanzenteile nutzen lassen.

Schlehen – anschauen, beobachten und noch etwas warten?

Im September hängen vielerorts bereits die dunkelblauen Früchte der Schlehe an den Zweigen.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie schon ihren angenehmsten Geschmack erreicht haben. Frühe Schlehen enthalten reichlich Gerbstoffe und schmecken entsprechend herb und zusammenziehend.

Traditionell werden Schlehen häufig erst nach den ersten Frösten gesammelt. Für viele Verarbeitungsarten ist Frost allerdings keine zwingende Voraussetzung. Vollreife Früchte können auch vorher geerntet werden; Einfrieren verändert anschließend ebenfalls ihre Struktur.

Der September ist deshalb vor allem eine gute Zeit, interessante Schlehenbestände für die kommenden Wochen im Blick zu behalten.

Sanddorn – orangefarbene Vitamin-C-Quelle

Wo Sanddorn wächst, beginnt im Spätsommer und Frühherbst ebenfalls die Erntezeit.

Die intensiv orangefarbenen Früchte enthalten unter anderem Vitamin C, Carotinoide, Flavonoide und verschiedene Fettsäuren.

Das Sammeln ist allerdings nicht unbedingt angenehm: Die Sträucher tragen kräftige Dornen und die reifen Früchte platzen leicht.

Bei Wildbeständen sollte zudem besonders zurückhaltend gesammelt werden. Sanddorn ist regional selten beziehungsweise geschützt, und seine Früchte sind eine wertvolle Nahrungsquelle für Tiere.

Eberesche – jetzt leuchten die Vogelbeeren

Auch die Früchte der Eberesche prägen vielerorts bereits das Landschaftsbild.

Vogelbeeren enthalten unter anderem Sorbit, organische Säuren, Gerbstoffe und Carotinoide. Roh können größere Mengen aufgrund der enthaltenen Parasorbinsäure zu Magen-Darm-Beschwerden führen.

Durch Erhitzen wird Parasorbinsäure weitgehend in besser verträgliche Sorbinsäure umgewandelt. Deshalb gehören Vogelbeeren eher in Marmelade, Gelee oder andere verarbeitete Zubereitungen als direkt vom Baum in den Mund.

Brennnesselsamen – noch immer Sammelzeit

Wer im August noch keine Brennnesselsamen gesammelt hat, bekommt im September vielerorts eine weitere Gelegenheit.

Die Samenstände der weiblichen Brennnesseln hängen häufig dicht an den Pflanzen. Gesammelt werden reife, gesunde Samenstände an unbelasteten Standorten.

Brennnesselsamen werden traditionell als Nahrungsmittel genutzt und können beispielsweise über Speisen gestreut oder getrocknet werden.

Wilde Möhre und andere Samenstände

Auch zahlreiche andere Pflanzen haben ihre Energie inzwischen vollständig in ihre Samen gesteckt.

Die Wilde Möhre bildet ihre charakteristischen, nestartig zusammengezogenen Fruchtstände. Ihre Samen sind aromatisch.

Bei Doldenblütlern ist allerdings besondere Vorsicht notwendig. In dieser Pflanzenfamilie befinden sich mehrere stark giftige Arten. Wer Wilde Möhre und ähnliche Arten nicht zweifelsfrei anhand mehrerer Merkmale bestimmen kann, sollte sie nicht sammeln.

Auch Spitzwegerich liefert weiterhin Samen, während Knoblauchsrauke regional noch trockene Samenstände trägt.

Goldrute – ein typischer Anblick im September

Goldruten gehören zu den auffälligsten Pflanzen des Spätsommers und frühen Herbstes.

Neben der heimischen Echten Goldrute begegnen uns häufig Kanadische und Späte Goldrute. Letztere stammen ursprünglich aus Nordamerika und haben sich in Europa stark ausgebreitet.

Goldrutenkraut wird traditionell und phytotherapeutisch insbesondere im Zusammenhang mit den ableitenden Harnwegen verwendet. Wer selbst sammelt, sollte allerdings genau bestimmen, welche Goldrutenart vor ihm steht.

Wasserdost – der Spätsommerblüher an feuchten Standorten

Auch den Wasserdost sollten wir im September nicht vergessen.

An feuchten Waldsäumen, Gräben, Bachufern und ähnlichen Standorten können seine rosa bis rötlichen Blütenstände noch auffallen.

Historisch wurde Wasserdost vielfältig verwendet. Für die innerliche Selbstmedikation ist die Pflanze jedoch problematisch: Wasserdost kann Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Diese Stoffe können die Leber schädigen.

Traditionelle Verwendung bedeutet deshalb auch hier nicht automatisch, dass eine Pflanze für selbst hergestellte Tees oder andere innerliche Anwendungen empfehlenswert ist.

Schafgarbe, Dost und andere späte Blüten

Einige unserer Sommerkräuter verabschieden sich im September noch längst nicht.

Schafgarbe kann weiterhin blühen. Auch Dost findet sich an geeigneten Standorten noch in Blüte, ebenso verschiedene Minzen.

Ringelblumen im Garten produzieren häufig unermüdlich neue Blüten, solange regelmäßig geerntet wird und die Witterung mitspielt.

Wegwarte, Rotklee, Malven und andere Sommerblüher können ebenfalls noch vorhanden sein.

Hier zeigt sich besonders deutlich, warum Sammelkalender immer nur eine Orientierung sein können. Im September können wenige Kilometer Entfernung oder ein unterschiedlicher Standort darüber entscheiden, ob eine Art bereits vollständig verblüht ist oder noch einmal kräftig blüht.

Nach dem Regen kommen junge Blätter zurück

Der September kann noch eine kleine Überraschung bereithalten.

Nach sommerlicher Trockenheit sorgen kühlere Temperaturen und Regen häufig für frischen Austrieb. Plötzlich erscheinen wieder junge Blätter von Pflanzen, die einige Wochen zuvor trocken, hart und wenig appetitlich wirkten.

Dazu können beispielsweise gehören:

Gerade für die Wildkräuterküche kann dieser zweite Austrieb interessant sein.

Statt große, zähe Sommerblätter zu sammeln, lohnt sich jetzt wieder die Suche nach frischem Grün.

Und unter der Erde beginnt die Wurzelsaison

Mit dem Ende der Vegetationsperiode verlagern mehrjährige Pflanzen zunehmend Reservestoffe in ihre unterirdischen Organe.

Deshalb beginnt im Herbst traditionell die Zeit, in der bestimmte Wurzeln gesammelt werden.

Zu den bekannten Beispielen gehört die Löwenzahnwurzel. Auch die Wurzeln anderer traditionell genutzter Pflanzen werden im Herbst geerntet.

Dabei gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied zum Sammeln von Blättern oder Früchten: Wer eine Wurzel ausgräbt, tötet in vielen Fällen die gesamte Pflanze.

Wurzeln sollten deshalb besonders zurückhaltend gesammelt werden. Seltene oder geschützte Pflanzen sind selbstverständlich tabu. Auch bei häufigen Arten sollte niemals ein ganzer Bestand abgeerntet werden.

Der September ist ein hervorragender Vorratsmonat

Jetzt treffen mehrere Sammelwelten aufeinander.

Noch vorhandene Blüten können getrocknet werden. Samen lassen sich für Küche und Vorrat sammeln. Wildfrüchte werden zu Mus, Gelee, Saft, Sirup oder Oxymel verarbeitet. Erste Wurzeln können gereinigt, geschnitten und getrocknet werden.

Damit beginnt langsam die Zeit, in der sich das Kräuterregal für den Winter füllt.

Und gerade jetzt lohnt sich ein Blick auf die Vorräte vom vergangenen Jahr: Was wurde tatsächlich verwendet? Was steht noch immer unangetastet im Glas?

Nachhaltiges Sammeln bedeutet auch, nicht automatisch jedes Jahr dieselben Mengen mitzunehmen.

Jetzt besonders wichtig: Wildtiere sammeln ebenfalls Vorräte

Hagebutten, Weißdorn, Holunder, Brombeeren und andere Wildfrüchte sind nicht nur für uns interessant.

Für zahlreiche Vögel und andere Tiere sind sie Nahrung.

Ein Strauch voller Früchte ist deshalb keine Einladung, den Behälter bis zum Rand zu füllen. Wir nehmen nur einen Teil und lassen reichlich am Standort zurück.

Das gilt besonders für kleine Bestände.

Sicher sammeln im September

Mit der großen Vielfalt an Früchten und Samen steigt auch die Gefahr von Verwechslungen.

Gerade rote und schwarze Wildfrüchte sollten niemals allein anhand ihrer Farbe bestimmt werden. Auch bei Doldenblütlern ist besondere Vorsicht erforderlich.

Gesammelt wird nur, was zweifelsfrei bestimmt wurde.

Außerdem meiden wir Straßenränder, intensiv bewirtschaftete Flächen, Hundestrecken und offensichtlich belastete Standorte. Geschützte Arten werden nicht gesammelt und regionale Schutzbestimmungen müssen berücksichtigt werden.

Und selbstverständlich gilt weiterhin: Wir ernten nur so viel, wie wir tatsächlich benötigen.

Der September verändert den Blick beim Sammeln

Im Frühling schauen wir nach unten auf junge Blätter. Im Hochsommer wandert der Blick zu Blüten. Im September verändert sich die Perspektive erneut.

Jetzt lohnt es sich, Hecken genauer anzusehen, Samenstände zwischen den Fingern zu betrachten und zu beobachten, welche Pflanzen nach dem ersten Regen wieder austreiben.

Und langsam wird auch interessant, was sich unter der Erde befindet.

Genau diese Übergangszeit macht den September so abwechslungsreich: Sommer und Herbst begegnen sich – und mit ihnen Blüten, Kräuter, Samen, Früchte und Wurzeln.

Sammelkalender September

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