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Wie Löslichkeiten entscheiden, welche Wirkung wirklich ankommt
Stell Dir vor, Du hast ein Kraut in der Hand, das nachweislich entzündungshemmend wirkt, die Schleimhäute beruhigt oder das Nervensystem unterstützt. Du bereitest es liebevoll als Tee zu, trinkst brav Deine Tasse – und es passiert… erstaunlich wenig. Dann erzählt Dir jemand, er nutzt dieselbe Pflanze als Tinktur oder als Ölauszug und schwört auf die Wirkung. Klingt erstmal nach „ja ja, bei mir wirkt sowas halt nicht“. In Wahrheit ist es oft viel simpler: Du hast die falschen Inhaltsstoffe extrahiert.
Heilpflanzen sind keine „Ein-Wirkstoff-Medikamente“. Sie sind kleine Labore: Schleimstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, Alkaloide, ätherische Öle, Harze, Carotinoide… und diese Stoffe unterscheiden sich darin, worin sie sich lösen. Genau daran hängt, ob eine Anwendung für Gesundheit und Wohlbefinden sinnvoll ist – oder eher ein schönes Ritual ohne viel Effekt.
Wir gehen jetzt tiefer rein: Was bedeutet Löslichkeit chemisch? Welche Zubereitung holt welche Stoffgruppen? Und vor allem: an welchen Pflanzen erkennt man es sofort. Du bekommst außerdem bei jeder Löslichkeits-Welt eine Liste der wichtigsten Pflanzen, sehr konkrete Anwendungsideen, Dosierungshinweise und die Stellen, an denen Vorsicht sinnvoll ist.
Das Grundprinzip der Löslichkeit
Der wichtigste Satz lautet: „Gleiches löst sich in Gleichem.“
- Wasser löst besonders gut polare Stoffe (wasserliebend).
- Fett/Öl löst besonders gut unpolare/lipophile Stoffe (fettliebend).
- Alkohol (Ethanol) ist ein genialer Vermittler: je nach Konzentration kann er beide Seiten bedienen.
- Glycerin (meist mit Wasser gemischt) sitzt irgendwo zwischen Wasser und Alkohol: alkoholfrei, mild, für manche Stoffe erstaunlich gut.
Wenn wir also über „Tee vs. Tinktur vs. Öl“ reden, reden wir eigentlich über eine sehr handfeste Frage: Welche Wirkstoffe möchtest Du überhaupt im Extrakt haben?
Merksatz
Nicht das Kraut entscheidet allein über die Wirkung – sondern Kraut + Lösungsmittel + Zeit + Temperatur + Zerkleinerung.
Stellschrauben, die viele unterschätzen: Schnittgrad, Zeit, Temperatur, Verhältnis
Bevor wir in die Zubereitungen gehen, kurz die vier „Wirkungsverstärker“, die in fast jedem Kräuterhaushalt liegen bleiben:
Schnittgrad
Feiner zerkleinert = größere Oberfläche = schnellere Extraktion. Wurzeln grob im Ganzen? Da kann der Tee noch so heiß sein – Du extrahierst weniger.
Zeit
Viele Stoffe brauchen Zeit: Gerbstoffe, Bitterstoffe, manche Flavonoide. „Kurz gezogen“ ist manchmal genau richtig (z. B. bei sehr bitteren Drogen), manchmal aber schlicht zu wenig.
Temperatur
Hitze kann helfen (Dekokt), aber auch schaden (Schleimstoffe, empfindliche Aromastoffe). Temperatur ist nicht nur „heiße Suppe“, sondern ein Wirkfaktor.
Droge-Lösungsmittel-Verhältnis
Eine Tinktur 1:5 (1 Teil Droge, 5 Teile Auszugsmittel) ist deutlich konzentrierter als 1:10. Bei Tees ist die Spanne ebenfalls groß.
1. Wasserlöslich: Tee, Abkochung, Kaltauszug – die Welt der Schleimstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe
Wasser ist der Klassiker – und wissenschaftlich gesehen häufig genau dann perfekt, wenn Du lokal wirken möchtest: Schleimhäute, Magen, Darm, Rachen. Auch systemische Effekte sind möglich, aber Wasser ist besonders stark bei Stoffgruppen, die „gern im Wässrigen leben“.
Die wichtigsten wasserlöslichen Inhaltsstoff-Gruppen
Schleimstoffe (Mucilaginosa)
Sie legen sich wie ein Schutzfilm auf Schleimhäute, binden Wasser, beruhigen Reizungen. Das ist keine Magie, sondern eine physikalisch-chemische Schutzschicht.
Konkrete Pflanzen-Beispiele (wichtigste wasserlösliche Schleimstoff-Pflanzen):
Eibisch (Althaea officinalis), Malve (Malva sylvestris), Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Isländisch Moos (Cetraria islandica), Leinsamen (Linum usitatissimum), Huflattich (Tussilago farfara – mit Vorsicht wegen Pyrrolizidinalkaloiden, je nach Produktqualität/Regelung)
Zubereitungs-Extra, das viele nicht kennen:
Bei Eibisch ist ein Kaltauszug oft sinnvoller als heißer Tee. In den EMA-Unterlagen wird die Verwendung als Macerat (Mazerat) ausdrücklich geführt, also als „kalt angesetzte“ Zubereitung.
Praxis-Anwendung:
- Reizhusten, trockener Hals, gereizte Magenschleimhaut: Kaltauszug aus Eibisch oder Malve
- bei Spitzwegerich: je nach Ziel auch heiß möglich, aber für „Schleimhaut beruhigen“ funktioniert die kalte Variante sehr elegant.
Kaltauszug in 2 Minuten erklärt
1–2 TL geschnittene Droge mit kaltem Wasser ansetzen, 1–3 Stunden ziehen lassen (je nach Pflanze), abseihen. Bei Bedarf leicht anwärmen, nicht kochen.
Gerbstoffe (Tannine)
Gerbstoffe sind „zusammenziehend“: Sie verdichten oberflächlich Gewebe, reduzieren Sekretion, wirken antimikrobiell und entzündungsmodulierend. Ideal bei „zu viel“: zu viel Sekret, zu viel Nässen, zu viel Reizung.
Wichtigste gerbstoffreiche Pflanzen (klar wasserlöslich):
Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Blutwurz (Potentilla erecta), Eichenrinde (Quercus robur/petraea), Hamamelis (Hamamelis virginiana), Odermennig (Agrimonia eupatoria), Brombeerblätter (Rubus fruticosus)
Praxis-Anwendung:
- akuter Durchfall: Gerbstofftee (z. B. Blutwurz in sehr zurückhaltender Dosierung, kurze Zeit)
- entzündete Schleimhäute im Mund/Rachen: Gurgeln mit Odermennig oder Salbei-Tee (Salbei hat zusätzlich ätherische Öle, dazu gleich mehr)
Wichtiger Hinweis:
Gerbstoffe können die Aufnahme mancher Medikamente und Mineralstoffe beeinträchtigen (Bindung). Wenn Du regelmäßig Medikamente nimmst: zeitlicher Abstand ist klug.
Bitterstoffe (Amara)
Bitterstoffe sind die Verdauungs-Dirigenten: Sie stimulieren über Bitterrezeptoren Speichelfluss, Magensaftsekretion, Gallenfluss und wirken oft „verdauungsordnend“. Das ist ein biologischer Reflexbogen, kein Placebo-Trick.
Wichtigste Bitterstoff-Pflanzen für Wasserzubereitungen:
Löwenzahn (Taraxacum officinale), Schafgarbe (Achillea millefolium), Wermut (Artemisia absinthium – sehr bitter, Vorsicht), Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), Enzianwurzel (Gentiana lutea), Artischockenblatt (Cynara scolymus)
Zubereitungs-Tipp:
Bei Bitterstoffen macht die Ziehzeit einen Unterschied: zu kurz = zu wenig Wirkung, zu lang = manchmal kaum trinkbar. Hier darf Tee „funktional“ sein.
Welche Wasser-Zubereitung wann?
Aufguss (Infus)
Blätter, Blüten, zarte Pflanzenteile: heiß übergießen, ziehen lassen.
Abkochung (Dekokt)
Wurzeln, Rinden, harte Samen: kurz aufkochen, dann ziehen lassen.
Gut für: Eichenrinde (äußerlich), Wurzeln wie Angelikawurzel etc.
Kaltauszug (Mazerat)
Ideal für Schleimstoffe (Eibisch, Malve). EMA-Dokumente zu Eibisch führen explizit die Macerat-Nutzung.
Wasserlöslich – auf einen Blick
Schleimstoffe: Eibisch, Malve, Spitzwegerich, Isländisch Moos, Leinsamen
Gerbstoffe: Frauenmantel, Blutwurz, Eichenrinde, Hamamelis, Odermennig
Bitterstoffe: Löwenzahn, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Enzian, Artischocke
2. Alkohol-löslich: Tinkturen – wenn Du Tiefe, Stabilität und breitere Stoffprofile willst
Alkohol ist das Werkzeug, wenn Du nicht nur „wässrige“ Stoffe willst, sondern auch Harze, Alkaloide, bestimmte lipophile Bestandteile – und wenn Du eine stabile, gut dosierbare Zubereitung brauchst.
Warum „Alkohol“ nicht gleich Alkohol ist: die % entscheiden
Ganz grob:
- 20–30 %: eher wasserbetont, gut für viele Bitterstoffe/phenolische Stoffe, mild
- 40–60 %: „Allrounder“, viele Klassiker-Tinkturen
- 70 % und mehr: stärker lipophil, gut für Harze, bestimmte Inhaltsstoffe – kann aber Aromastoffe und empfindliche Komponenten auch „hart“ extrahieren
Je nach Pflanze kann das entscheidend sein.
Konkrete Pflanzen-Beispiele – und warum Tinktur hier Sinn macht
Baldrian (Echter Baldrian, Valeriana officinalis)
Baldrian ist ein Paradebeispiel für „Zubereitung entscheidet“. Bestimmte Baldrian-Inhaltsstoffe wirken über das GABA-System bzw. GABA-A-Rezeptoren; valerenische Säuren werden in diesem Zusammenhang intensiv diskutiert.
Ethanolische Extrakte können andere Stoffprofile liefern als wässrige Tees. Zusätzlich zeigen Extraktionsstudien, dass ethanolische Bedingungen hohe Gehalte bioaktiver Komponenten liefern können.
Anwendung: Unruhe, Einschlafprobleme, nervöse Anspannung (klassische Kräuter-Anwendung, individuell unterschiedlich)
Sicherheit: Müdigkeit, nicht mit Alkohol/beruhigenden Mitteln kombinieren ohne Sachkenntnis.
Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Johanniskraut ist eine Pflanze, die Dir das Thema Löslichkeit direkt ins Gesicht hält – freundlich, aber bestimmt.
- innerlich werden häufig hydroalkoholische Extrakte genutzt (standardisierte Präparate).
- äußerlich ist der Ölauszug („Rotöl“) traditionell stark – und die Pflanze wird in Reviews breit pharmakologisch diskutiert.
Wichtig: Johanniskraut hat relevante Wechselwirkungen (Enzyme/Transporter), das ist kein „Küchenkräuterchen“. Wenn Du Medikamente nimmst (z. B. Antidepressiva, Immunsuppressiva, hormonelle Verhütung u. a.), braucht es echte Vorsicht und fachliche Abklärung. (Die Interaktionslage ist gut belegt und klinisch relevant; deshalb hier bewusst nicht „locker wegmoderiert“.)
Weißdorn (Crataegus)
Weißdorn enthält viele phenolische Stoffe/Flavonoide, die sowohl in Wasser als auch in Alkohol extrahierbar sind – aber alkoholische Auszüge können konzentrierter und stabiler sein, was bei langfristiger Anwendung praktisch ist.
Echinacea (Sonnenhut)
Echinacea-Tinkturen sind ein Klassiker, weil alkoholische Zubereitungen bestimmte Inhaltsstoffe gut lösen, während Tees je nach Droge/Qualität unterschiedlich stark sind.
Passionsblume (Passiflora incarnata), Hopfen (Humulus lupulus), Melisse (Melissa officinalis)
Hier ist die Logik oft: Tee ist wunderbar, aber Tinktur kann in der Anwendung (Dosierung, Mitnahme, Stabilität) überlegen sein – und bei Melisse spielt zusätzlich das ätherische Ölprofil eine Rolle.
Alkohollöslich – wichtigste Pflanzen
Baldrian, Passionsblume, Hopfen, Johanniskraut, Echinacea, Weißdorn, Wermut (dosiert), Mutterkraut, Angelikawurzel
Tinktur-Praxis: Dosierung, Anwendung, Gegenanzeigen
Typische Hausgebrauchs-Dosierungen liegen (je nach Pflanze und Konzentration) oft bei 10–30 Tropfen 1–3× täglich. Bei bitteren oder sehr aktiven Pflanzen deutlich weniger.
Gegenanzeigen/Vorsicht allgemein:
Schwangerschaft/Stillzeit (pflanzenabhängig), Lebererkrankungen, Alkoholunverträglichkeit, Interaktionen (Johanniskraut!), sedierende Pflanzen nicht vor dem Autofahren.
3. Fettlöslich: Ölauszüge – wenn es um Haut, Nerven, Gelenke und „wirklich rein in das Gewebe“ geht
Öl ist nicht nur „Träger“. Es ist ein Lösungsmittel für Stoffe, die im Wasser baden gehen würden, ohne sich zu lösen.
Was Öl besonders gut extrahiert
- ätherische Ölbestandteile und Terpene
- Carotinoide
- lipophile Flavonoide
- bestimmte Harz- und Farbstoffe
Und: Öl hilft bei der Penetration in die Hautbarriere – das ist einer der Gründe, warum Ölauszüge bei äußerlicher Anwendung oft so überzeugend sind.
Die wichtigsten Ölauszug-Pflanzen – und wofür sie typisch sind
Johanniskraut-Öl (Hypericum perforatum, „Rotöl“)
Traditionell bei Nerventhemen äußerlich (z. B. „nervige“ Schmerzen, empfindliche Hautstellen). Johanniskraut wird in Reviews umfassend pharmakologisch diskutiert. (Bei Sonne/UV: je nach Konzentration und Hauttyp vorsichtig sein.)
Ringelblume (Calendula officinalis)
Klassiker für Haut, Regeneration, irritierte Stellen, Pflege nach Belastung. Ein Ringelblumen-Ölauszug ist ein wunderbares „Basisöl“ für die Hausapotheke.
Arnika (Arnica montana)
Sehr beliebt äußerlich bei Prellungen/Muskeln – nicht innerlich. Hautreaktionen möglich.
Beinwell (Symphytum officinale)
Äußerlich traditionell für Muskeln/Gelenke. Innerlich nicht (Pyrrolizidinalkaloide – abhängig von Produkt/Regelung). Bei Fertigpräparaten gibt es standardisierte, PA-arme Optionen – im DIY-Kontext gilt: äußerlich, zeitlich begrenzt, achtsam.
Schafgarbe, Kamille, Wiesen-Salbei
Hier wird’s spannend: Diese Pflanzen enthalten sowohl wasserlösliche als auch lipophile Komponenten. Tee kann für Schleimhäute und Verdauung passen – Ölauszug ist oft für Haut/Einreibungen überraschend gut.
Fettlöslich – wichtigste Pflanzen
Johanniskraut, Ringelblume, Arnika, Beinwell, Kamille, Schafgarbe, Wiesen-Salbei, Lavendel (auch ätherisch), Rosmarin (Einreibungen)
Ölauszug-Praxis: so wird er stabil und wirksam
Der größte Fehler ist Ungeduld. Ein gutes Öl braucht Zeit.
- Pflanze gut trocken (Schimmelrisiko bei frischer, feuchter Droge)
- hochwertiges Trägeröl (Olive, Jojoba, Sonnenblume high oleic)
- warm, aber lichtgeschützt ziehen lassen (mehrere Wochen)
- sauber arbeiten, Wasser vermeiden
Haltbarkeit: dunkel/kühl lagern, ranziger Geruch = aussortieren.
Innere Anwendung: möglich, aber nur bei geeigneten Pflanzen und in sehr kleinen Mengen – und das ist nichts für „pi mal Daumen“. In der Hauspraxis sind Ölauszüge primär äußerliche Werkzeuge.
4. Glycerin-Auszüge (Glycerite): alkoholfrei, mild – und gar nicht so langweilig
Glycerin ist besonders dann interessant, wenn Du:
- alkoholfrei arbeiten möchtest (Kinder, empfindliche Personen)
- dennoch mehr als nur „Wasserprofil“ willst
- ein gut haltbares, süßliches Extrakt suchst
In der Extraktionsforschung wird Glycerin (oft als Co-Lösungsmittel in Wasser-Glycerin-Mischungen) als effektives Medium für phenolische Stoffe diskutiert.
Wichtig: Glycerite sind nicht automatisch „so stark wie Tinkturen“. Sie sind eine eigene Kategorie: oft milder, dafür sehr gut alltagstauglich.
Glycerit – wichtige Pflanzen
Melisse, Passionsblume (mild), Holunderbeere (Sirup-Logik, nicht 1:1), Spitzwegerich (kinderfreundlicher), Kamille (je nach Ziel)
(Bei stark ätherisch öligen Pflanzen bleibt Öl oder alkoholische Zubereitung oft wirkstärker.)
5. Konkrete Entscheidungshilfe: Welche Zubereitung (Löslichkeit) bringt die Wirkung dahin, wo Du sie brauchst?
Stell Dir drei Fragen:
1) Wo soll es wirken?
Schleimhaut/Magen-Darm: Wasser.
Nerven/„System“/langfristig: oft Alkohol oder standardisierte Extrakte.
Haut/Gelenke/Nervenbahnen äußerlich: Öl.
2) Welche Stoffgruppe ist wahrscheinlich „die Hauptmusik“?
Schleimstoffe → Kaltauszug.
Bitterstoffe → Tee oder Tinktur, je nach Intensität.
Ätherische Öle/Terpene → Öl oder alkoholisch, Tee nur eingeschränkt.
3) Wie sensibel ist die Situation?
Kinder, sehr empfindliche Menschen → Tee/Kaltauszug/Glycerit.
Interaktionen/Medikamente → besonders vorsichtig, ggf. keine Selbstexperimente.
Typische Denkfehler über Löslichkeit, die Wirkung kosten
Der häufigste Fehler ist: „Ich nehme die Pflanze, dann wird das schon passen.“
Die Realität ist eher: „Ich nehme die Pflanze – und entscheide mit der Zubereitung, welchen Teil der Pflanze ich überhaupt nutze.“
Weitere Klassiker:
- Wurzeln wie Blätter behandeln (zu kurz gezogen)
- Schleimstoffpflanzen kochen (Wirkung weggekocht)
- Ölauszüge aus feuchten Frischpflanzen (Schimmelrisiko)
- Johanniskraut innerlich „einfach mal so“ trotz Medikamenten
DIY-Ideen, die wirklich etwas über die Löslichkeiten zeigen (und nicht nur hübsch aussehen)
1) Schleimstoff-Test mit Eibisch
Mach einen Kaltauszug und einen heißen Aufguss – und vergleiche Viskosität und Mundgefühl. Du merkst sofort, warum die Zubereitung zählt.
2) Salbei doppelt
Einmal Tee zum Gurgeln. Einmal Salbei-Ölauszug als Einreibung (z. B. in Nacken/Schulter). Du erlebst zwei völlig unterschiedliche „Anwendungswelten“ derselben Pflanze.
3) Kamille in drei Formen
Tee (Schleimhaut/innerlich), Dampf (Aromakomponenten), Öl (Haut). Gleiche Pflanze, drei Profile.
Sicherheit: kurz, aber ernst
Pflanzen sind wirksam. Das ist ja der Punkt. Und deshalb gehören Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen dazu – ohne Drama, aber ohne Weglächeln.
- Gerbstoffe: können Aufnahme anderer Stoffe beeinflussen → Abstand zu Medikamenten
- Johanniskraut: relevante Wechselwirkungen, sehr ernst nehmen.
- Arnika: äußerlich, mögliche Hautreaktionen
- Beinwell/Huflattich: PA-Thema (je nach Produkt/DIY), innerlich kritisch
Übersicht: Heilpflanzen, ihre Hauptinhaltsstoffe und die sinnvollste Zubereitungsform
| Pflanze (deutscher Name) | Botanischer Name | Hauptinhaltsstoffe | Beste Zubereitungsform | Typische Wirkung & Anwendung | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|---|---|
| Eibisch | Althaea officinalis | Schleimstoffe | Kaltauszug (Tee) | Reizhusten, Magenschleimhaut, trockene Schleimhäute | nicht kochen, Wirkung hitzeempfindlich |
| Malve | Malva sylvestris | Schleimstoffe, Flavonoide | Kaltauszug oder milder Tee | reizlindernd bei Hals und Magen | sehr sanft, gut für Kinder |
| Spitzwegerich | Plantago lanceolata | Schleimstoffe, Iridoide | Tee oder Glycerit | Husten, Schleimhäute, milde Entzündungen | alkoholisch möglich, aber nicht nötig |
| Frauenmantel | Alchemilla vulgaris | Gerbstoffe, Flavonoide | Tee | Schleimhäute, Zyklusbegleitung, Durchfall | Gerbstoffe nicht dauerhaft hoch dosieren |
| Blutwurz | Potentilla erecta | Gerbstoffe | Abkochung (kurzzeitig) | akuter Durchfall, Schleimhautentzündung | nur kurzzeitig anwenden |
| Löwenzahn | Taraxacum officinale | Bitterstoffe | Tee oder Tinktur | Verdauung, Leber, Stoffwechsel | bei Gallenproblemen vorsichtig |
| Tausendgüldenkraut | Centaurium erythraea | Bitterstoffe | Tee oder Tinktur | Appetit, Verdauung, Leber | sehr bitter, niedrig dosieren |
| Enzian | Gentiana lutea | Bitterstoffe (hochpotent) | Tinktur oder kurzer Tee | starke Verdauungsanregung | nicht bei Magengeschwüren |
| Schafgarbe | Achillea millefolium | Bitterstoffe, ätherische Öle, Flavonoide | Tee und Ölauszug | Verdauung, Haut, Zyklus | vielseitig, Kombination sinnvoll |
| Kamille | Matricaria chamomilla | ätherische Öle, Flavonoide | Tee, Dampf, Öl | Schleimhäute, Haut, Entzündung | Allergien bei Korbblütlern beachten |
| Wiesen-Salbei | Salvia pratensis | ätherische Öle, Gerbstoffe | Tee (Gurgeln), Öl | Mund, Rachen, Haut | nicht dauerhaft innerlich hoch dosieren |
| Baldrian | Valeriana officinalis | Valerensäuren, ätherische Öle | Tinktur (bevorzugt) | Nervosität, Einschlafprobleme | Müdigkeit möglich |
| Passionsblume | Passiflora incarnata | Flavonoide, Alkaloide | Tinktur oder Glycerit | Unruhe, nervöse Spannung | mild, gut kombinierbar |
| Hopfen | Humulus lupulus | Bitterstoffe, Harze | Tinktur | Schlaf, Unruhe | nicht tagsüber hoch dosieren |
| Melisse | Melissa officinalis | ätherische Öle, Polyphenole | Tee, Glycerit, Tinktur | Nerven, Magen, Herzunruhe | Tee sehr mild |
| Johanniskraut | Hypericum perforatum | Hypericine, Hyperforin | Tinktur (innerlich), Öl (äußerlich) | Stimmung, Nerven, Haut | starke Wechselwirkungen |
| Ringelblume | Calendula officinalis | Triterpensaponine, Carotinoide | Ölauszug | Haut, Wundpflege | sehr gut verträglich |
| Arnika | Arnica montana | Sesquiterpenlactone | Ölauszug | Prellungen, Muskeln | nur äußerlich |
| Beinwell | Symphytum officinale | Allantoin, Schleimstoffe | Ölauszug (äußerlich) | Gelenke, Muskeln | nicht innerlich |
| Lavendel | Lavandula angustifolia | ätherische Öle | Öl oder Tinktur | Nerven, Haut | Duftstoffsensibilität beachten |
| Rosmarin | Rosmarinus officinalis | ätherische Öle, Diterpene | Ölauszug, Tinktur | Durchblutung, Muskeln | anregend, nicht abends |
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