Johanniskraut – Das Sonnenkraut mit erstaunlicher Wirkung auf Psyche, Nerven und Haut

Johanniskraut – Das Sonnenkraut mit erstaunlicher Wirkung auf Psyche, Nerven und Haut

Johanniskraut Wirkung, Anwendung, Rotöl und wichtige Wechselwirkungen einfach erklärt

Wenn Ende Juni die Wiesen und Wegränder in leuchtendem Gelb erstrahlen, beginnt für viele Kräuterbegeisterte die schönste Zeit des Jahres. Zwischen Gräsern, Margeriten und Glockenblumen wächst dann eine Pflanze, die seit Jahrhunderten gleichermaßen Heilpflanze, Kultpflanze und Forschungsobjekt ist: Johanniskraut. Kaum ein anderes heimisches Kraut verbindet alte Traditionen, moderne Medizin, Naturbeobachtung und spannende Wissenschaft so eindrucksvoll miteinander.

Früher glaubte man, Johanniskraut könne böse Geister vertreiben, Häuser schützen und Licht in dunkle Zeiten bringen. Heute wissen wir, dass die Pflanze tatsächlich Einfluss auf unsere Stimmung, unser Nervensystem und unsere Gesundheit haben kann. Die Erklärung dafür liegt allerdings nicht in Magie oder „gespeicherter Sonne“, sondern in einer bemerkenswerten Mischung biologisch aktiver Pflanzenstoffe, die Forschende bis heute beschäftigen.

Besonders faszinierend ist, dass Johanniskraut zu den wenigen Heilpflanzen gehört, deren Wirkung bei bestimmten Beschwerden durch zahlreiche klinische Studien untersucht wurde. Gleichzeitig ranken sich viele Missverständnisse um die Pflanze. Manche betrachten sie als harmlosen Kräutertee, andere als pflanzlichen Ersatz für jedes Antidepressivum. Beides wird dem Johanniskraut nicht gerecht. Tatsächlich handelt es sich um eine der wirksamsten, aber auch eine der anspruchsvollsten Heilpflanzen Europas.

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Johanniskraut in Blüte

Wie erkennt man Johanniskraut?

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) wächst bevorzugt an sonnigen Standorten. Man findet es auf Wiesen, an Wegrändern, Böschungen, Feldwegen und lichten Waldrändern. Die Pflanze wird meist zwischen 30 und 100 Zentimeter hoch und trägt von Juni bis August zahlreiche goldgelbe Blüten.

Wer ein Blatt gegen das Licht hält, entdeckt viele kleine durchscheinende Punkte. Diese wirken wie winzige Löcher und gaben der Pflanze ihren wissenschaftlichen Namen „perforatum“. Tatsächlich handelt es sich um Öldrüsen, die wertvolle Inhaltsstoffe speichern.

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Im Gegenlicht sieht man die Öldrüsen im Blatt des echten Johanniskraut

Noch spannender wird es, wenn man eine Blüte oder Blütenknospe zwischen den Fingern zerreibt. Die Finger färben sich dabei dunkelrot. Früher sprach man vom „Blut des Johannis“. Verantwortlich dafür ist vor allem der Pflanzenstoff Hypericin. Diese einfache Beobachtung ist eine der schönsten Möglichkeiten, Johanniskraut in der Natur kennenzulernen und sicher zu erkennen.

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Echte Johanniskrautblüten färben die Finger beim Zerreiben dunkelrot

Echtes Johanniskraut oder Getüpfeltes Johanniskraut?

Wer sich intensiver mit Johanniskraut beschäftigt, wird früher oder später auf eine zweite Art stoßen: das Getüpfelte Johanniskraut (Hypericum maculatum). Auf den ersten Blick sehen sich beide Pflanzen erstaunlich ähnlich. Beide tragen leuchtend gelbe Blüten, wachsen an sonnigen Standorten und blühen häufig zur gleichen Zeit.

Tatsächlich gehören beide Arten zur gleichen Gattung und wurden in der Volksheilkunde teilweise ähnlich genutzt. Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Pflanzen.

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) besitzt einen deutlich zweikantigen Stängel. Fährt man mit den Fingern über den Stängel, lassen sich die beiden hervortretenden Kanten gut ertasten. Die Blätter zeigen beim Gegenlicht zahlreiche durchscheinende Öldrüsen, die wie winzige Löcher wirken und der Pflanze ihren wissenschaftlichen Namen „perforatum“ eingebracht haben.

Das Getüpfelte Johanniskraut besitzt dagegen einen vierkantigen Stängel. Die charakteristischen durchscheinenden „Löcher“ der Blätter fehlen oder sind deutlich weniger ausgeprägt. Stattdessen finden sich häufig dunkle Punkte und Flecken an Blüten und Blättern, die der Art ihren Namen gegeben haben.

Auch der Standort kann Hinweise liefern. Während das Echte Johanniskraut trockene, sonnige und eher nährstoffarme Standorte bevorzugt, findet man das Getüpfelte Johanniskraut häufig auf feuchteren Wiesen, an Waldrändern oder in Gebirgslagen.

Für die Herstellung von Arzneimitteln und standardisierten Johanniskrautpräparaten wird nahezu ausschließlich das Echte Johanniskraut verwendet. Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen beziehen sich ebenfalls auf Hypericum perforatum.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Getüpfelte Johanniskraut wertlos wäre. Analysen zeigen, dass auch Hypericum maculatum viele ähnliche Inhaltsstoffe enthält, darunter Hypericine, Flavonoide und verschiedene phenolische Verbindungen. Allerdings liegen deutlich weniger Untersuchungen zur Zusammensetzung, Wirksamkeit und Dosierung vor.

Für die Hausapotheke gilt deshalb eine einfache Regel: Wer Johanniskraut gezielt für Tee, Tinkturen oder Rotöl sammeln möchte, sollte möglichst das Echte Johanniskraut verwenden, da sich die vorhandene Studienlage und die traditionelle Anwendung überwiegend auf diese Art beziehen. Wer beim Sammeln einmal ein Getüpfeltes Johanniskraut entdeckt, hat dennoch eine spannende Gelegenheit, die Vielfalt unserer heimischen Heilpflanzen näher kennenzulernen.

Wird Johanniskraut rund um den Johannistag gesammelt?

Der Name der Pflanze verweist auf den Johannistag am 24. Juni. In vielen Kräuterbüchern wird deshalb behauptet, Johanniskraut müsse genau an diesem Tag gesammelt werden. Das klingt romantisch, ist botanisch aber nicht ganz korrekt.

Die Natur kennt weder Kalender noch christliche Feiertage. Entscheidend für die Entwicklung einer Pflanze sind Wetter, Sonneneinstrahlung, Höhenlage und regionale Klimabedingungen. Während Johanniskraut in warmen Tieflagen Süddeutschlands oft bereits Mitte Juni in voller Blüte steht, kann sich die Hauptblüte in höheren Lagen oder weiter nördlich deutlich nach hinten verschieben.

Der Johannistag war ursprünglich vielmehr eine praktische Orientierungshilfe. In vielen Regionen Mitteleuropas fällt die Zeit um den 24. Juni tatsächlich häufig in die Hauptblüte des Johanniskrauts. Deshalb entwickelte sich über Jahrhunderte die Tradition, die Pflanze rund um diesen Termin zu sammeln.

Für die Qualität der Ernte ist jedoch nicht das Datum entscheidend, sondern die Pflanze selbst. Der beste Sammelzeitpunkt ist erreicht, wenn Johanniskraut reich blüht und zahlreiche frische Blüten und Knospen trägt. Dann sind die charakteristischen roten Farbstoffe und viele weitere Inhaltsstoffe besonders gut ausgeprägt.

Wer Johanniskraut sammeln möchte, sollte daher weniger auf den Kalender schauen und stattdessen die Pflanzen beobachten. Sie verraten selbst am zuverlässigsten, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

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Johanniskraut sammeln

Die Inhaltsstoffe – ein komplexes Zusammenspiel

Johanniskraut verdankt seine Wirkung nicht einem einzelnen Stoff, sondern dem Zusammenspiel zahlreicher Inhaltsstoffe.

Zu den wichtigsten gehören Hyperforin, Hypericin, Pseudohypericin, Flavonoide, Procyanidine, Gerbstoffe und ätherische Öle.

Besonders interessant ist Hyperforin. Viele Forschende gehen heute davon aus, dass dieser Stoff maßgeblich an den stimmungsaufhellenden Eigenschaften beteiligt ist. Hyperforin beeinflusst verschiedene Botenstoffsysteme des Gehirns gleichzeitig.

Hypericin hingegen ist vor allem für die charakteristische Rotfärbung verantwortlich. Lange Zeit galt es als Hauptwirkstoff der Pflanze. Heute wird seine Rolle differenzierter betrachtet. Dennoch spielt es eine wichtige Rolle bei der Lichtempfindlichkeit und dient oft als Marker zur Qualitätskontrolle von Johanniskrautpräparaten.

Flavonoide und Procyanidine besitzen antioxidative Eigenschaften und könnten dazu beitragen, Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Gerade dieses Zusammenspiel verschiedener Wirkstoffe macht Johanniskraut so interessant. Es wirkt nicht wie ein einzelner chemischer Stoff, sondern eher wie ein fein abgestimmtes Pflanzenorchester.

Johanniskraut und die Psyche – was die Forschung heute weiß

Die bekannteste Anwendung betrifft leichte bis mittelschwere depressive Verstimmungen. Hier gehört Johanniskraut zu den am besten untersuchten Heilpflanzen überhaupt.

Moderne Forschende konnten zeigen, dass Johanniskrautextrakte verschiedene Botenstoffe im Gehirn beeinflussen. Dazu gehören Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, GABA und Glutamat. Diese Stoffe spielen eine zentrale Rolle für Stimmung, Motivation, Antrieb und emotionale Stabilität.

Man kann sich das Gehirn wie ein großes Kommunikationsnetzwerk vorstellen. Bei depressiven Verstimmungen geraten verschiedene Signalwege aus dem Gleichgewicht. Johanniskraut scheint an mehreren Stellen gleichzeitig regulierend einzugreifen.

Mehrere große Übersichtsarbeiten und Metaanalysen kamen zu dem Ergebnis, dass standardisierte Johanniskrautextrakte bei leichten bis mittelschweren Depressionen ähnlich wirksam sein können wie bestimmte Antidepressiva. Gleichzeitig berichten viele Anwendende über weniger Nebenwirkungen.

Wichtig ist jedoch: Johanniskraut wirkt nicht sofort. Häufig vergehen zwei bis sechs Wochen, bis sich erste Veränderungen bemerkbar machen.

Johanniskraut bei Winterdepressionen

Besonders interessant ist die mögliche Rolle bei saisonal bedingten Verstimmungen während der dunklen Jahreszeit. Viele Menschen bemerken im Herbst und Winter eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit oder Müdigkeit.

Hier könnte Johanniskraut eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Kombination aus Johanniskraut und Lichttherapie besonders vielversprechend sein könnte. Die Forschung läuft weiterhin, doch die bisherigen Ergebnisse sind durchaus interessant.

Unterstützung in den Wechseljahren

Ein Bereich, der häufig übersehen wird, sind die Wechseljahre. Viele Frauen berichten in dieser Lebensphase über Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme, Reizbarkeit und innere Unruhe.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Johanniskraut helfen könnte, bestimmte psychische Beschwerden während der Wechseljahre zu lindern. Zwar ersetzt die Pflanze keine individuelle medizinische Beratung, sie gehört aber zu den Heilpflanzen, die in diesem Zusammenhang zunehmend wissenschaftliches Interesse wecken.

Mehr als nur ein Stimmungsaufheller – Johanniskraut als Nervenpflanze

Lange bevor die Pflanze wegen ihrer Wirkung auf die Psyche bekannt wurde, galt sie als Heilmittel für verletzte oder gereizte Nerven.

Traditionell wurde Johanniskraut bei stechenden, brennenden oder ziehenden Beschwerden eingesetzt, die wir heute häufig als neuropathische Schmerzen bezeichnen würden. Moderne Forschende untersuchen inzwischen, ob bestimmte Inhaltsstoffe entzündliche Prozesse im Nervensystem beeinflussen können.

Die Ergebnisse sind vielversprechend, auch wenn noch nicht alle Mechanismen vollständig verstanden sind.

Johanniskrautöl – das berühmte Rotöl

Während heute oft Kapseln und Tabletten im Mittelpunkt stehen, war Johanniskraut über Jahrhunderte vor allem als Wundheilpflanze bekannt.

Das berühmte Rotöl gehört zu den traditionsreichsten Heilölen Europas. Es wurde bei Muskelverspannungen, Prellungen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand, Narben und Hautreizungen verwendet.

Besonders interessant ist die mögliche Wirkung auf gereizte Nervenstrukturen. Deshalb wird Johanniskrautöl bis heute gerne bei empfindlichen Narben oder verspannter Muskulatur eingesetzt.

Rotöl selbst herstellen

Für ein klassisches Johanniskrautöl benötigst Du etwa 100 Gramm frische Blüten und Knospen sowie 500 Milliliter hochwertiges Mandelöl oder Olivenöl.

Die Pflanzenteile werden locker in ein sauberes Schraubglas gefüllt und vollständig mit Öl bedeckt. Anschließend verschließt man das Glas und stellt es für vier bis sechs Wochen an einen hellen, aber nicht direkt sonnigen Ort. Gelegentliches Schwenken unterstützt die Extraktion.

Mit der Zeit färbt sich das Öl tiefrot. Danach wird es gefiltert und in dunkle Flaschen abgefüllt. Kühl und lichtgeschützt gelagert hält es meist etwa ein Jahr.

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Warum Johanniskrautöl nicht in die pralle Sonne gehört

In vielen alten Rezepten wird empfohlen, das Glas während der gesamten Auszugszeit in die direkte Sonne zu stellen. Diese Methode hat sich über Generationen verbreitet und wird oft damit begründet, dass die Sonne das Öl „auflädt“ oder die Wirkstoffe besser herauslöst.

Tatsächlich ist dafür jedoch keine direkte Sonneneinstrahlung erforderlich. Im Gegenteil: Intensive UV-Strahlung und starke Erwärmung können empfindliche Inhaltsstoffe schädigen und Oxidationsprozesse im Öl beschleunigen. Besonders hochwertige Pflanzenöle profitieren von einer möglichst schonenden Verarbeitung.

Die rote Farbe des Johanniskrautöls entsteht nicht deshalb, weil das Glas wochenlang in der Sonne steht. Sie entsteht, weil sich die roten Farbstoffe der Pflanze nach und nach im Öl lösen. Dieser Vorgang funktioniert auch an einem hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Ein warmer Platz bei Zimmertemperatur oder ein heller Standort ohne pralle Mittagssonne reicht deshalb völlig aus. Viele moderne Kräuterfachleute bevorzugen heute sogar einen eher schattigen Auszug, um empfindliche Inhaltsstoffe bestmöglich zu erhalten.

Ist Johanniskrauttee sinnvoll?

Viele Menschen greifen zunächst zum Tee. Das ist verständlich, denn Johanniskraut lässt sich einfach zubereiten.

Allerdings enthalten Tees meist deutlich geringere Mengen der Wirkstoffe, die in klinischen Studien untersucht wurden. Einige wichtige Inhaltsstoffe lösen sich zudem nur begrenzt in Wasser.

Das bedeutet nicht, dass Johanniskrauttee nutzlos wäre. Gerade als Bestandteil eines abendlichen Rituals oder bei nervöser Anspannung kann er durchaus sinnvoll sein. Wer jedoch gezielt eine Wirkung auf depressive Verstimmungen erreichen möchte, verwendet in Studien meist standardisierte Extrakte.

Johanniskraut-Tinktur

Auch als Tinktur kann es innerlich angewendet werden. Dafür die Blüten sammeln, ein sauberes Glas damit füllen und das Glas mit Alkohol (38 – 40 %) aufgießen, 4 bis 6 Wochen ziehen lassen, dabei täglich schütteln. Nach der Ziehzeit abseihen, in dunkle Tropfflasche füllen und beschriften. Nach Bedarf 10 bis 20 Tropfen pur, in Wasser oder auf Zucker einnehmen. Wie beim Tee auch nicht länger als 6 Wochen am Stück nehmen. Danach mindestens 4 Wochen pausieren, wenn nicht anders ärztlich abgestimmt.

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Johanniskraut-Salbe

Aus dem fertigen Johanniskraut-Mazerat kann auch ganz einfach eine Johanniskraut-Salbe gemacht werden, indem in 100 ml Öl 10 g Bienenwachs geschmolzen werden.

Wer es nicht so fettig mag, kann aus Tinktur und Öl selbstverständlich auch eine Johanniskraut-Creme rühren.

Dazu als Wasserphase

  • 60 g Johanniskraut-Tinktur

gleichzeitig mit Fettphase aus

erwärmen bis die Fettphase geschmolzen ist. Dann die Wasserphase langsam zur Fettphase geben und alles so lange rühren, bis die Masse emulgiert und auf Zimmertemperatur runtergekühlt ist. In saubere Tiegel abfüllen, komplett abkühlen lassen, verschließen und beschriften. Die Creme ist durch die Tinktur ausreichend konserviert und bei hygienischem Arbeiten und sauberer Entnahme 3 Monate haltbar.

Die unterschätzte Rolle als Wundheilpflanze

Heute denken die meisten Menschen bei Johanniskraut sofort an die Psyche. Historisch war die Pflanze jedoch vor allem eine Wundheilpflanze.

Bereits in antiken und mittelalterlichen Kräuterbüchern finden sich Hinweise auf die Anwendung bei Schnittverletzungen, Schürfwunden und Hautproblemen. Erst viele Jahrhunderte später rückte die Wirkung auf Stimmung und Nervensystem stärker in den Fokus.

Diese Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie sich unser Blick auf Heilpflanzen im Laufe der Zeit verändern kann.

Johanniskraut und die Tierwelt

Nicht nur Menschen profitieren von Johanniskraut. Die Pflanze ist auch ökologisch wertvoll.

Zahlreiche Insektenarten nutzen die Blüten als Nahrungsquelle. Einige Schmetterlingsraupen und Käfer haben sogar Strategien entwickelt, um mit den eigentlich schützenden Pflanzenstoffen umzugehen.

Damit gehört Johanniskraut zu den Pflanzen, die nicht nur unserer Gesundheit, sondern auch der Artenvielfalt zugutekommen können.

Die große Schattenseite – Wechselwirkungen

So beeindruckend Johanniskraut auch ist, keine andere heimische Heilpflanze verursacht so häufig relevante Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Die Pflanze aktiviert bestimmte Enzyme der Leber und kann dadurch den Abbau zahlreicher Arzneimittel beschleunigen. Die Folge: Medikamente wirken möglicherweise schwächer oder verlieren ihre Wirkung.

Betroffen sein können unter anderem hormonelle Verhütungsmittel, Blutverdünner, Immunsuppressiva, HIV-Medikamente, bestimmte Krebsmedikamente, Herzmedikamente und verschiedene Psychopharmaka.

Besonders wichtig ist die Kombination mit Antidepressiva. Werden Johanniskraut und bestimmte Antidepressiva gleichzeitig eingenommen, kann sich die Konzentration von Serotonin im Körper gefährlich erhöhen. In seltenen Fällen kann daraus ein sogenanntes Serotonin-Syndrom entstehen, eine potenziell ernste medizinische Situation.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Johanniskraut deshalb immer mit Ärzt oder Apotheker besprechen.

Macht Johanniskraut lichtempfindlich?

Johanniskraut enthält mit Hypericin einen Stoff, der grundsätzlich photosensibilisierende Eigenschaften besitzt. Deshalb wird häufig davor gewarnt, während einer Johanniskraut-Anwendung in die Sonne zu gehen.

Die aktuelle Studienlage zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Zwar kann Johanniskraut unter bestimmten Bedingungen die Lichtempfindlichkeit erhöhen, bei den üblichen therapeutischen Dosierungen standardisierter Präparate scheint dieses Risiko für die meisten Menschen gering zu sein. Mehrere Untersuchungen konnten keine klinisch relevante Zunahme der Sonnenempfindlichkeit nachweisen.

Vorsicht ist dennoch sinnvoll. Menschen mit sehr heller Haut, Personen, die hochdosierte Präparate verwenden oder sich über längere Zeit intensiver Sonneneinstrahlung aussetzen, sollten auf einen angemessenen Sonnenschutz achten.

Die oft anzutreffende Aussage, Johanniskraut führe grundsätzlich zu starker Lichtempfindlichkeit, wird durch die aktuelle Studienlage jedoch nicht gestützt.

Ein kleines Experiment für den nächsten Spaziergang

Beim nächsten Sommerausflug lohnt es sich, Johanniskraut einmal bewusst zu beobachten. Halte ein Blatt gegen die Sonne und entdecke die winzigen Öldrüsen. Zerreibe vorsichtig eine Blütenknospe zwischen den Fingern und beobachte die rote Färbung. Schau nach, welche Insekten die Blüten besuchen.

Solche Beobachtungen machen deutlich, dass Heilpflanzen weit mehr sind als ihre Inhaltsstoffe. Sie sind Teil komplexer ökologischer Zusammenhänge und erzählen Geschichten, die weit über ihre medizinische Anwendung hinausgehen.

Unser Krautgeschwister-Merksatz

Johanniskraut ist keine harmlose Sommerblume und kein pflanzliches Wundermittel. Es gehört zu den am besten erforschten Heilpflanzen Europas und besitzt nachweisbare Wirkungen auf Psyche, Nervensystem und Haut. Gleichzeitig erfordert kaum eine andere heimische Heilpflanze so viel Aufmerksamkeit hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen.

Vielleicht liegt genau darin seine besondere Faszination. Zwischen goldgelben Blüten, roten Farbstoffen und moderner Forschung zeigt uns Johanniskraut, wie komplex die Natur sein kann. Eine Pflanze, die seit Jahrhunderten gesammelt wird, überrascht selbst heute noch mit neuen Erkenntnissen – und erinnert uns daran, dass die spannendsten Geschichten manchmal direkt am Wegesrand wachsen.

Inhaltsstoffe:

  • Hyperforin
  • Hypericin
  • Pseudohypericin
  • Adhyperforin
  • Flavonoide (u. a. Hyperosid, Rutin, Quercetin)
  • Procyanidine
  • Biflavone
  • Gerbstoffe
  • Phenolcarbonsäuren
  • Xanthone
  • Phloroglucinderivate
  • ätherisches Öl
  • Harze

Heilwirkungen:

  • stimmungsaufhellend
  • antidepressiv
  • angstlösend
  • beruhigend
  • nervenstärkend
  • entzündungshemmend
  • antioxidativ
  • schmerzlindernd
  • wundheilungsfördernd
  • hautberuhigend
  • krampflösend
  • antimikrobiell
  • neuroprotektiv
  • regenerationsfördernd bei gereizten Nerven
  • unterstützend bei Stressbelastung

Anwendungsgebiete:

Johanniskraut – Das Sonnenkraut mit erstaunlicher Wirkung auf Psyche, Nerven und Haut

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Wer Glück hat, findet manchmal ganze Wiesen voller Johanniskraut.

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Wiese mit Johanniskraut

Verwechslungsgefahr

Mit den Merkmalen Löcher in den Blättern und rot färbende Blüten schließt man jede Verwechslung sicher aus. Es gibt allerdings entfernt ähnlich aussehende Pflanzen, wie zum Beispiel das giftige Jakobsgreiskraut bzw. Jakobs-Kreuzkraut oder auch die Blüten des Sedum. Beide haben jedoch ein anderes Blattwerk und ihnen fehlen beide eindeutigen Merkmale. Trotzdem immer mit Bedacht und Vorsicht sammeln und lieber einmal zu viel prüfen als einmal zu wenig.

Johanniskraut – Das Sonnenkraut mit erstaunlicher Wirkung auf Psyche, Nerven und Haut

Für mehr Rezepte mit Johanniskraut klickt einfach auf: Johanniskraut!

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

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    Liebe Krautgeschwister, Follower und Kräuter-Anwender. Nachdem ich 2 Jahte kein Rotöl hergestellt habe, setzte ich in diesem Jahr wieder an, um für mich und meinen Lieblingsmenschen etwas Gutes zur Hand zu haben. Gerne lese ich eure sehr informativen Pflanzenportraits und kann auch einiges umsetzen. Rund um unser Haus wächst Vieles mit Nutzen für Körper und Seele. Euch für eure Arbeit ein großes Dankeschön 💖.

    1. Avatar-Foto

      Liebe Heike, das freut uns wirklich sehr! Wir wünschen Dir alles Liebe und noch ganz viel Spaß beim Umsetzen unserer Beiträge.

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