Inhaltsverzeichnis
Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung
Sonnenhut ist eine dieser Pflanzen, die im Garten sofort auffällt: kräftige Blüten, dunkler Kegel, robuste Ausstrahlung. Fast ein bisschen so, als hätte eine Margerite beschlossen, ab jetzt mehr Haltung zu zeigen. Doch hinter der beliebten Staude steckt mehr als Gartenschönheit. Unter dem Namen Echinacea gehört Sonnenhut zu den bekanntesten Heilpflanzen bei Erkältungen, Immunabwehr und kleinen Hautverletzungen.
Gleich zu Beginn lohnt sich eine ehrliche Einordnung: Am besten untersucht ist Sonnenhut bei Erkältungskrankheiten. Die Ergebnisse sind nicht einheitlich, weil in Studien sehr unterschiedliche Arten, Pflanzenteile und Extrakte verwendet wurden. Insgesamt zeigen Übersichtsarbeiten: Manche Echinacea-Präparate können Erkältungen vorbeugen oder Beschwerden leicht verkürzen, der Effekt ist aber eher moderat und nicht bei jedem Produkt gleich. Die Europäische Arzneimittelagentur sieht vor allem für bestimmte Zubereitungen aus Echinacea purpurea eine traditionelle beziehungsweise gut belegte Kurzzeitanwendung bei Erkältungen; für kleine oberflächliche Wunden gibt es eine traditionelle äußere Anwendung.
Sonnenhut ist nicht gleich Sonnenhut
Wenn wir im Kräutergarten von Sonnenhut sprechen, meinen wir meistens Echinacea. Botanisch gehört die Gattung zur Familie der Korbblütler, also zu den Asteraceae. Das ist dieselbe große Pflanzenfamilie, in der auch Kamille, Ringelblume, Arnika, Löwenzahn und Schafgarbe zu Hause sind. Der typische Blütenkopf mit den oft nach unten geneigten Zungenblüten und dem stacheligen Blütenkegel hat der Pflanze ihren wissenschaftlichen Namen gegeben: Echinos bedeutet im Griechischen Igel.
Wichtig ist die Unterscheidung zu anderen Gartenpflanzen, die im Deutschen ebenfalls Sonnenhut heißen können. Der gelbe oder orangefarbene Sonnenhut aus der Gattung Rudbeckia sieht Echinacea ähnlich, ist aber nicht dieselbe Heilpflanze. Für Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel werden vor allem drei Arten verwendet: Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea), Schmalblättriger Sonnenhut (Echinacea angustifolia) und Blasser Sonnenhut (Echinacea pallida). Je nach Art werden Kraut, Wurzel oder frische oberirdische Pflanzenteile verarbeitet. Genau hier beginnt eines der größten Missverständnisse rund um Echinacea: Die Forschung untersucht nicht „den Sonnenhut“ als einheitliches Wesen, sondern viele sehr verschiedene Zubereitungen.
Das ist, als würden wir über Apfelkuchen sprechen und dabei nicht unterscheiden, ob jemand einen Hefeteig, Mürbeteig, Strudel oder rohen Apfelsalat meint. Alles hat mit Apfel zu tun, aber es ist nicht dasselbe.
Traditionelle Verwendung: Von nordamerikanischen Präriepflanzen zur europäischen Hausapotheke
Sonnenhut stammt ursprünglich aus Nordamerika. Verschiedene indigene Gemeinschaften nutzten Echinacea-Arten traditionell für unterschiedliche Beschwerden, darunter Wunden, Schwellungen, Halsbeschwerden, Zahnschmerzen und Infektionen. Diese historischen Anwendungen sind spannend, sollten aber nicht eins zu eins als heutige medizinische Empfehlung gelesen werden. Traditionelles Wissen zeigt, welche Pflanzen über lange Zeit eine Rolle gespielt haben; die moderne Forschung muss anschließend prüfen, welche Anwendungen plausibel, sicher und reproduzierbar sind.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Echinacea in Nordamerika zunehmend von Eclectic Physicians verwendet, einer medizinischen Strömung, die pflanzliche Arzneien systematisch einsetzte. Später wanderte Sonnenhut auch in europäische Arzneibücher, Apothekenregale und Hausapotheken. Heute ist Echinacea vor allem mit Erkältungszeit verbunden: Tropfen, Tabletten, Presssaft, Tees, Lutschtabletten, Sprays und Kombipräparate stehen in vielen Haushalten bereit, sobald der Hals kratzt.
Der interessante Punkt daran: Sonnenhut wurde nicht deshalb populär, weil er eine einzelne spektakuläre Substanz enthält, sondern weil er ein komplexes Gemisch aus Pflanzenstoffen liefert, die an mehreren Stellen des Immunsystems ansetzen können.
Die wichtigsten Inhaltsstoffe
Echinacea enthält je nach Art und Pflanzenteil unterschiedliche Stoffgruppen. Besonders häufig genannt werden Alkamide, Caffeoylchinasäure-Derivate wie Cichoriensäure, Caftarsäure und Echinacosid, außerdem Polysaccharide, Glykoproteine, Flavonoide, ätherische Ölbestandteile und weitere phenolische Verbindungen. Die Wurzel ist dabei chemisch nicht identisch mit dem Kraut, und alkoholische Auszüge lösen andere Inhaltsstoffe als wässrige Zubereitungen.
Alkamide sind vor allem deshalb spannend, weil sie im Körper gut aufgenommen werden können und mit Signalwegen des Immunsystems in Verbindung gebracht werden. Cichoriensäure und verwandte Phenolsäuren stehen eher im Zusammenhang mit antioxidativen und entzündungsmodulierenden Eigenschaften. Polysaccharide und Glykoproteine werden häufig mit Effekten auf angeborene Immunzellen in Verbindung gebracht. Moderne Übersichtsarbeiten beschreiben für Echinacea vor allem immunmodulierende, entzündungsmodulierende und in Laborversuchen teils antivirale oder antibakterielle Effekte.
Das klingt zunächst nach dem klassischen „stärkt das Immunsystem“. Genau diese Formulierung ist aber etwas grob. Sonnenhut wirkt nach heutigem Verständnis nicht wie ein Schalter, der das Immunsystem einfach auf „mehr“ stellt. Sinnvoller ist der Begriff Immunmodulation. Gemeint ist damit eine Beeinflussung von Immunreaktionen: bestimmte Botenstoffe, Abwehrzellen und Entzündungsprozesse können je nach Kontext verändert werden. Das ist feiner, komplexer und ehrlicherweise auch weniger griffig als der Werbespruch auf vielen Erkältungsprodukten.
Wie Sonnenhut auf das Immunsystem wirkt
Wenn ein Erkältungsvirus auf unsere Schleimhäute trifft, läuft im Körper ein ziemlich gut organisiertes Frühwarnsystem an. Zellen des angeborenen Immunsystems erkennen typische Virusmuster, setzen Botenstoffe frei und rufen weitere Abwehrzellen an den Ort des Geschehens. Genau in dieser frühen Phase wird Echinacea interessant.
In Labor- und präklinischen Studien wurden unter anderem Effekte auf Makrophagen, natürliche Killerzellen, dendritische Zellen, Zytokine und entzündungsbezogene Signalwege untersucht. Einige Extrakte scheinen die Aktivität bestimmter Immunzellen zu beeinflussen, während andere eher entzündungsdämpfende Eigenschaften zeigen. Das ist kein Widerspruch, sondern typisch für Pflanzenextrakte: Sie enthalten mehrere Stoffgruppen, die in unterschiedlichen Situationen verschieden wirken können.
Besonders interessant sind Alkamide, weil sie strukturell an körpereigene Signalstoffe erinnern können, die mit dem Endocannabinoid-System interagieren. Dieses System ist nicht nur für „Cannabis-Themen“ relevant, sondern an Entzündungsprozessen, Schmerzregulation und Immunantworten beteiligt. Bei Echinacea geht es dabei nicht um berauschende Effekte, sondern um feine biochemische Kommunikation.
Trotzdem bleibt wichtig: Viele dieser Mechanismen stammen aus Zell- und Tiermodellen. Sie erklären, warum eine Wirkung plausibel sein könnte. Sie beweisen aber nicht automatisch, dass ein bestimmtes Produkt bei einer konkreten Erkältung zuverlässig hilft. Genau deshalb ist die klinische Forschung so wichtig.
Sonnenhut bei Erkältung: Was die Studien wirklich sagen
Die bekannteste Anwendung von Sonnenhut ist die Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen. Hier ist die Datenlage umfangreicher als bei vielen anderen Heilpflanzen, aber auch unübersichtlicher. Der Grund liegt in der Produktvielfalt: In Studien wurden unterschiedliche Echinacea-Arten, frisches Kraut, getrocknete Wurzeln, alkoholische Extrakte, Presssäfte, Kombinationspräparate und verschiedene Dosierungen untersucht. Das macht Vergleiche schwierig.
Die Cochrane-Auswertung zu Echinacea bei Erkältungen kam zu dem Ergebnis, dass die Studien insgesamt keine starken, einheitlichen Effekte zeigen. Einige Präparate waren besser als Placebo, andere nicht. Für die Vorbeugung gab es Hinweise auf kleine Effekte, aber keine klaren, durchgehend signifikanten Ergebnisse. Für die Behandlung bestehender Erkältungen erschien ein Nutzen möglich, die klinische Relevanz wurde jedoch als begrenzt eingeschätzt.
Das klingt erst einmal ernüchternd, ist aber eigentlich eine sehr erwachsene Erkenntnis. Sonnenhut ist kein magischer Erkältungsstopp. Wer abends niest, nimmt Echinacea und wacht morgens virusfrei auf – schön wär’s, aber so funktioniert Biologie selten. Plausibler ist ein moderater Effekt bei bestimmten Präparaten, vor allem wenn sie frühzeitig eingesetzt werden. Genau darauf weisen auch offizielle Monographien hin: Behandlung möglichst bei den ersten Erkältungszeichen beginnen und nicht über längere Zeit ohne fachliche Rücksprache anwenden.
Für den Alltag bedeutet das: Sonnenhut kann eine Option sein, wenn Du zu Erkältungen neigst oder bei den ersten Anzeichen unterstützen möchtest. Er ersetzt aber keine Ruhe, Flüssigkeit, Schlaf, vernünftige Ernährung und medizinische Abklärung bei schweren oder ungewöhnlichen Symptomen. Manchmal ist die unglamouröse Wahrheit eben: Das Immunsystem liebt Schlaf mehr als Heldentum.
Welche Zubereitung ist sinnvoll?
Bei Sonnenhut kommt es stark darauf an, welches Präparat verwendet wird. Tee aus Echinacea ist beliebt, aber viele untersuchte Präparate sind alkoholische Extrakte, Presssäfte oder standardisierte Arzneimittel. Da unterschiedliche Inhaltsstoffe unterschiedlich gut in Wasser oder Alkohol löslich sind, kann ein Tee nicht automatisch mit einer Tinktur oder einem Presssaft gleichgesetzt werden.
Für die innere Anwendung werden häufig Präparate aus dem frischen Kraut von Echinacea purpurea verwendet. Auch Wurzelpräparate von Echinacea pallida oder Echinacea angustifolia sind im Handel. Die Europäische Arzneimittelagentur bewertet verschiedene Echinacea-Zubereitungen separat, was zeigt, wie wichtig Art, Pflanzenteil und Herstellungsweise sind. Für Purpur-Sonnenhut-Kraut wird die kurzfristige Anwendung bei Erkältungen genannt; äußerlich wird es traditionell bei kleinen oberflächlichen Wunden eingesetzt.
Wenn Du ein Echinacea-Präparat kaufen möchtest, lohnt sich deshalb der Blick auf die genaue Deklaration. Steht dort nur „Sonnenhut“ oder „Echinacea“, ist das weniger aussagekräftig als eine Angabe wie Echinacea purpurea herba recens, Echinacea pallida radix oder Echinacea angustifolia radix. Auch Dosierung, Extraktionsmittel und Anwendungshinweise sollten klar angegeben sein.
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Dosierung und Dauer der Anwendung
Da Echinacea-Produkte sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind, gibt es keine pauschale Dosierung, die für Tee, Tropfen, Tabletten und Presssaft gleichermaßen gilt. Am sinnvollsten ist es, sich an die Angaben des jeweiligen Fertigpräparats zu halten oder bei Unsicherheit Apotheker:in, Ärzt:in oder Heilpraktiker:in mit entsprechender Fachkenntnis zu fragen.
Für viele Arzneimittelmonographien gilt als Grundprinzip: Sonnenhut wird kurzfristig angewendet, meist bei den ersten Anzeichen einer Erkältung. Die EMA-Monographie zu frischem Purpur-Sonnenhut-Kraut nennt für Vorbeugung und Behandlung eine maximale Dauer von 10 Tagen; bleiben Beschwerden länger bestehen, sollte ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden.
Dauerhafte Einnahme über Wochen oder Monate ist nicht das klassische Einsatzgebiet von Echinacea. Wer häufig krank ist, ständig erschöpft wirkt oder wiederkehrende Infekte hat, sollte nicht einfach dauerhaft Immunpräparate nehmen, sondern genauer hinschauen lassen: Schlaf, Stress, Eisenstatus, Vitamin-D-Versorgung, chronische Entzündungen, Allergien, Medikamente oder andere Grunderkrankungen können eine Rolle spielen.
Sonnenhut für die Haut: Kleine Wunden und gereizte Stellen
Neben der Erkältungsanwendung spielt Sonnenhut traditionell auch äußerlich eine Rolle. Zubereitungen aus Purpur-Sonnenhut-Kraut werden auf Grundlage langjähriger Anwendung bei kleinen oberflächlichen Wunden genannt.
Hier geht es nicht um tiefe Verletzungen, entzündete Wunden, Tierbisse oder schlecht heilende Hautstellen. Solche Fälle gehören in fachkundige Hände. Bei kleinen Kratzern oder oberflächlichen Hautreizungen ist der Gedanke hinter Echinacea nachvollziehbar: Entzündungsmodulierende und antimikrobielle Eigenschaften könnten die lokale Hautreaktion beeinflussen. Die praktische Anwendung sollte dennoch sauber bleiben. Selbst gemachte Auszüge sind für offene Wunden problematisch, wenn sie nicht hygienisch hergestellt wurden. Bei Wunden ist „natürlich“ nicht automatisch „keimarm“.
Für die Hausapotheke sind daher geprüfte Fertigpräparate sinnvoller als wilde Küchenexperimente. Ein liebevoll angesetzter Kräuterauszug ist wunderbar für viele Anwendungen, aber eine offene Wunde ist nicht der Ort für mikrobiologische Abenteuer.
Mythen rund um Sonnenhut
Kaum eine Immunpflanze ist so stark mit Erwartungen beladen wie Sonnenhut. Drei Mythen begegnen uns besonders häufig.
Der erste Mythos lautet: Sonnenhut stärkt immer das Immunsystem. Tatsächlich ist die Wirkung differenzierter. Echinacea kann Immunprozesse beeinflussen, aber nicht im Sinne eines simplen Hochfahrens aller Abwehrkräfte. Das ist wichtig, weil ein überaktives Immunsystem nicht automatisch gut ist. Allergien und Autoimmunerkrankungen zeigen ziemlich eindrücklich, dass „mehr Immunaktivität“ nicht immer wünschenswert ist.
Der zweite Mythos: Sonnenhut hilft gegen jede Infektion. Die Forschung konzentriert sich vor allem auf Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege. Für viele andere Anwendungen gibt es deutlich weniger belastbare Daten. Traditionelle Nutzung und Laborbefunde sind interessant, aber sie ersetzen keine klinischen Studien.
Der dritte Mythos: Wenn Sonnenhut nicht sofort wirkt, wirkt er gar nicht. Auch das ist zu einfach. Bei Erkältungen sind kleine Effekte schwer zu spüren, weil der Verlauf ohnehin schwankt. Manche Erkältungen sind nach drei Tagen fast vorbei, andere hängen zwei Wochen wie ein nasser Schal am Körper. Ein moderater Effekt kann in Studien sichtbar sein, ohne dass jede einzelne Person ihn klar bemerkt.
Risiken, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Sonnenhut gilt bei kurzfristiger Anwendung für viele Erwachsene als gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Hautreaktionen oder allergische Reaktionen. Da Echinacea zu den Korbblütlern gehört, sollten Menschen mit Allergien gegen Korbblütler besonders vorsichtig sein. Dazu gehören zum Beispiel Allergien gegen Arnika, Kamille, Ringelblume, Chrysanthemen oder Ambrosia. Allergische Reaktionen können mild ausfallen, in seltenen Fällen aber auch schwerer sein.
Besondere Vorsicht gilt bei Autoimmunerkrankungen, fortschreitenden systemischen Erkrankungen, Immunsuppression, Organtransplantation, Tuberkulose, Multipler Sklerose oder schweren Immundefekten. EMA-Monographien und medizinische Nachschlagewerke raten in solchen Situationen von der Anwendung ab oder empfehlen fachliche Rücksprache.
Für Kinder ist die Lage ebenfalls vorsichtig zu bewerten. Die EMA-Monographie zu bestimmten Purpur-Sonnenhut-Präparaten empfiehlt die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren nicht. Auch das NCCIH rät, vor der Gabe an Kinder mit medizinischen Fachpersonen zu sprechen.
In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Sonnenhut nicht leichtfertig eingenommen werden. Nicht, weil automatisch eine konkrete Gefahr bewiesen wäre, sondern weil Datenlage, Produktvielfalt und individuelle Situation sorgfältig bewertet werden sollten. Hier ist Rücksprache mit Ärzt:in oder Apotheker:in sinnvoll.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Bei Echinacea werden mögliche Wechselwirkungen vor allem deshalb diskutiert, weil die Pflanze immunmodulierend wirken kann. Wer Medikamente einnimmt, die das Immunsystem unterdrücken oder gezielt beeinflussen, sollte Sonnenhut nicht ohne fachliche Rücksprache verwenden. Dazu gehören beispielsweise Immunsuppressiva nach Transplantationen, bestimmte Medikamente bei Autoimmunerkrankungen, Biologika, JAK-Hemmer oder hoch dosierte Kortikosteroide.
Auch bei chronischen Erkrankungen, Krebsbehandlungen, schweren Infektionen oder unklaren immunologischen Beschwerden ist Selbstmedikation keine gute Idee. Pflanzenstoffe können sanft wirken, aber sie sind nicht bedeutungslos. Genau deshalb interessieren sie die Forschung ja überhaupt.
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Praktische Tipps für den Alltag
Wenn Du Sonnenhut nutzen möchtest, ist der Zeitpunkt entscheidend. Bei Erkältungen wird Echinacea traditionell und in vielen Präparatehinweisen früh eingesetzt, also bei den ersten Anzeichen: Kratzen im Hals, Frösteln, beginnender Schnupfen, dieses typische „Da kommt was“-Gefühl. Wer erst am fünften Tag einer kräftigen Erkältung startet, sollte keine großen Effekte erwarten.
Achte außerdem auf klare Produktangaben. Gute Präparate nennen Art, Pflanzenteil, Extraktform und Dosierung. Bei Korbblütler-Allergien, Autoimmunerkrankungen, Immunsuppression, Schwangerschaft, Stillzeit oder der Anwendung bei Kindern ist fachliche Rücksprache wichtig. Und wenn Symptome ungewöhnlich stark sind, Fieber anhält, Atemnot auftritt, starke Schmerzen dazukommen oder eine Erkältung länger als etwa zehn Tage nicht besser wird, gehört das medizinisch abgeklärt.
Im Garten ist Sonnenhut übrigens deutlich unkomplizierter als in der Studienlage. Echinacea liebt sonnige Standorte, durchlässigen Boden und wird von Insekten gern besucht. Besonders die Blütenköpfe sind im Sommer ein Magnet für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Wenn die Samenstände im Herbst stehen bleiben dürfen, freuen sich außerdem Vögel über Nahrung und wir über winterliche Struktur im Beet. Heilpflanze, Zierstaude und Insektenbuffet: Sonnenhut kann Multitasking, ohne dabei eine PowerPoint-Präsentation zu brauchen.
Ökologie und Kulturgeschichte: Präriepflanze mit Gartenkarriere
Echinacea ist eine Pflanze offener Landschaften. In ihrer nordamerikanischen Heimat wächst sie in Prärien, lichten Wäldern und trockenen Graslandschaften. Viele Arten sind an Sonne, Wind, Trockenheit und nährstoffärmere Böden angepasst. Diese Herkunft erklärt, warum Sonnenhut im Garten so standfest wirkt. Er ist keine schüchterne Schattenpflanze, sondern ein Kind weiter Landschaften.
Kulturgeschichtlich ist spannend, wie sich Echinacea verändert hat. Aus einer regional genutzten Präriepflanze wurde erst eine Arzneipflanze der nordamerikanischen Medizin, dann ein europäisches Erkältungsmittel und schließlich eine globale Gartenstaude. Heute stehen Ziersorten in Farben von Weiß über Rosa bis Orange und Rot in vielen Beeten. Für die Arzneipflanzenkunde sind allerdings nicht automatisch alle hübschen Gartensorten relevant. Wer Sonnenhut medizinisch verwenden möchte, sollte nicht einfach irgendeine dekorative Sorte ernten, sondern auf arzneilich genutzte Arten und geprüfte Qualität achten.
Was Sonnenhut so faszinierend macht
Sonnenhut ist keine Pflanze der einfachen Antworten. Genau das macht ihn interessant. Er zeigt, warum Heilpflanzenforschung kompliziert ist: Eine Art ist nicht wie die andere, Wurzel ist nicht Kraut, Tee ist nicht Tinktur, Laborwirkung ist nicht automatisch klinischer Nutzen. Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, Echinacea als bloßen Erkältungsmythos abzutun. Dafür gibt es zu viele plausible Mechanismen, zu viele traditionelle Spuren und zu viele Hinweise darauf, dass bestimmte Präparate durchaus einen kleinen Nutzen haben können.
Vielleicht ist Sonnenhut gerade deshalb eine gute Pflanze für unsere Zeit. Er erinnert uns daran, dass Naturheilkunde weder blindes Glauben noch kaltes Abwinken braucht. Sie braucht Neugier, Genauigkeit und die Bereitschaft, genauer hinzuschauen. Manchmal steckt die spannendste Erkenntnis nicht darin, dass eine Pflanze „wirkt“ oder „nicht wirkt“, sondern darin, wie fein sie mit unserem Körper kommuniziert – und wie viel wir noch lernen können, wenn wir ihr wirklich zuhören.








Inhaltsstoffe:
- Alkamide
- Cichoriensäure
- Caftarsäure
- Echinacosid (vor allem in Echinacea pallida und Echinacea angustifolia)
- Chlorogensäure
- Polysaccharide
- Glykoproteine
- Flavonoide
- phenolische Verbindungen
- ätherische Öle
- Polyacetylene
- spurenelemente und Mineralstoffe
Heilwirkungen:
- immunmodulierend
- entzündungsmodulierend
- antioxidativ
- antimikrobiell
- antiviral (vor allem in Laborstudien)
- unterstützt die körpereigene Abwehr
- kann die Dauer und Schwere von Erkältungssymptomen geringfügig reduzieren
- fördert die Wundheilung bei äußerlicher Anwendung kleiner oberflächlicher Wunden
Anwendungsgebiete
- Erkältungen
- Infekte der oberen Atemwege
- Halsschmerzen
- Schnupfen
- Husten im Rahmen einer Erkältung
- vorbeugende Kurzzeitanwendung während der Erkältungssaison
- kleine oberflächliche Wunden
- Schürfwunden
- leichte Hautverletzungen
- kleine Hautentzündungen (äußerliche Anwendung)


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Simone
31. Juli 2022Ich bin begeistert
Danke
Sonja M. Bart
01. August 2022Vielen lieben Dank liebe Simone 🙂