Inhaltsverzeichnis
Ursachen, Wirkmechanismen und Heilpflanzen bei zu hohem und zu niedrigem Blutdruck
Es gibt diese Momente beim Arzt, die erstaunlich viel Spannung erzeugen. Du sitzt auf dem Stuhl, legst den Arm auf den Tisch, die Manschette wird festgezogen und plötzlich entscheidet eine kleine Zahl darüber, ob alles in Ordnung ist oder ob Dein Herz-Kreislauf-System gerade ein ernstes Gespräch führen möchte.
Blutdruck gehört zu den faszinierendsten und gleichzeitig unterschätztesten Steuermechanismen unseres Körpers. Er reagiert auf Stress, Ernährung, Bewegung, Schlaf, Hormone und sogar auf unsere Darmflora. Viele Menschen denken bei Blutdruck ausschließlich an zu hohe Werte. Dabei kann auch ein zu niedriger Blutdruck den Alltag deutlich erschweren.
Die moderne Forschung zeigt außerdem etwas sehr Spannendes: Pflanzen, Ernährung und Lebensstil können den Blutdruck stärker beeinflussen, als viele vermuten. Manche Kräuter wirken direkt auf die Gefäße, andere beeinflussen Hormone, Entzündungen oder das Nervensystem.
Zeit also, sich diesen kleinen Zahlen auf dem Messgerät einmal genauer zu widmen.
Was Blutdruck eigentlich ist
Blutdruck beschreibt die Kraft, mit der unser Blut gegen die Wände der Blutgefäße drückt. Er entsteht, weil das Herz bei jedem Schlag Blut in den Kreislauf pumpt.
Dabei entstehen zwei Werte.
Der systolische Wert entsteht, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und Blut in die Arterien auswirft.
Der diastolische Wert beschreibt den Druck während der Entspannungsphase des Herzens.
Als optimal gelten ungefähr 120 zu 80 mmHg. Doch unser Körper arbeitet nicht mit starren Zahlen. Blutdruck schwankt ständig. Beim Sport steigt er, während des Schlafs sinkt er.
Zur Einordnung hilft eine grobe Orientierung:
- optimal etwa 120 zu 80
- hoch normal etwa 130 zu 85
- Bluthochdruck ab etwa 140 zu 90
Viele Menschen bewegen sich im sogenannten hoch normalen Bereich, ohne es zu wissen. Genau hier beginnt häufig der Übergang zu dauerhaft erhöhtem Blutdruck.
Weltweit betrifft Bluthochdruck laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als eine Milliarde Menschen. Er gehört damit zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenerkrankungen.
Wenn der Druck steigt
Was im Körper bei Bluthochdruck passiert
Bluthochdruck entsteht selten durch eine einzelne Ursache. Meist handelt es sich um ein Zusammenspiel mehrerer biologischer Systeme.
Ein zentrales Steuerungssystem ist das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System. Dieses hormonelle Netzwerk reguliert, wie stark sich unsere Blutgefäße zusammenziehen und wie viel Salz und Wasser der Körper speichert.
Wenn dieses System überaktiv wird, ziehen sich Gefäße stärker zusammen und der Blutdruck steigt.
Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Endothelfunktion. Das Endothel ist die hauchdünne Zellschicht auf der Innenseite unserer Blutgefäße. Diese Zellen produzieren unter anderem Stickstoffmonoxid. Dieses Molekül sorgt dafür, dass sich Gefäße entspannen und erweitern können.
Wird das Endothel durch Entzündungen, Rauchen oder dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte geschädigt, verlieren Gefäße diese Fähigkeit. Sie bleiben enger und der Druck im System steigt.
Auch das vegetative Nervensystem spielt eine große Rolle. Dauerhafter Stress aktiviert den Sympathikus. Herzfrequenz und Gefäßspannung steigen und der Blutdruck bleibt dauerhaft erhöht.
Wenn der Blutdruck zu niedrig ist
Ein niedriger Blutdruck wird oft als harmlos abgetan. Viele Menschen mit Hypotonie sehen das allerdings anders.
Typische Beschwerden sind Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder kalte Hände und Füße. Besonders häufig tritt Schwindel beim schnellen Aufstehen auf.
Dieses Phänomen wird in der Medizin orthostatische Hypotonie genannt. Beim Aufstehen sollte der Körper den Blutdruck kurzfristig erhöhen, damit das Gehirn weiterhin ausreichend durchblutet wird. Wenn diese Anpassung zu langsam erfolgt, sackt der Druck kurzzeitig ab.
Interessanterweise tritt niedriger Blutdruck besonders häufig bei jungen schlanken Menschen auf und deutlich häufiger bei Frauen.
Salz, Kalium und der unterschätzte Mineralstoffhaushalt
Einer der wichtigsten Faktoren für den Blutdruck ist das Gleichgewicht zwischen Natrium und Kalium.
Hohe Natriumaufnahme, etwa durch stark verarbeitete Lebensmittel, kann den Blutdruck erhöhen. Kalium wirkt dagegen auf mehreren Ebenen regulierend.
Kalium fördert die Ausscheidung von Natrium über die Niere und hilft dabei, die Gefäßmuskulatur zu entspannen.
Viele Pflanzen und Kräuter sind natürliche Kaliumquellen. Besonders reich daran sind Brennnessel, Löwenzahn und Petersilie. Eine pflanzenreiche Ernährung wirkt daher oft ganz automatisch blutdruckfreundlich.
Auch Magnesium spielt eine wichtige Rolle. Dieser Mineralstoff beeinflusst Kalziumkanäle in den Gefäßmuskelzellen und trägt zur Entspannung der Gefäße bei. Ein niedriger Magnesiumstatus wird in mehreren Studien mit erhöhtem Blutdruck in Verbindung gebracht.
Bewegung wirkt stärker als viele denken
Bewegung gehört zu den wirksamsten natürlichen Maßnahmen gegen Bluthochdruck. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Elastizität der Gefäße, reduziert Stresshormone und unterstützt das Herz.
Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung den systolischen Blutdruck im Durchschnitt um etwa 5 bis 8 mmHg senken kann. Das entspricht in etwa der Wirkung mancher Medikamente in niedriger Dosierung.
Schon dreißig Minuten zügiges Gehen pro Tag können messbare Veränderungen bewirken.
Schlaf und Blutdruck
Während wir schlafen, sinkt der Blutdruck normalerweise um etwa zehn bis zwanzig Prozent. Dieses nächtliche Absinken ist ein wichtiger Teil der Kreislaufregulation.
Bei vielen Menschen mit Bluthochdruck bleibt dieser Effekt jedoch aus. Schlechter Schlaf, chronischer Stress oder Schlafapnoe können dazu führen, dass der Blutdruck auch nachts erhöht bleibt.
Ausreichender und erholsamer Schlaf ist daher ein unterschätzter Faktor für die Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Die überraschende Rolle des Darmmikrobioms
Ein besonders spannendes Forschungsfeld der letzten Jahre ist die Verbindung zwischen Darmflora und Blutdruck.
Bestimmte Darmbakterien produzieren sogenannte kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat oder Propionat. Diese Stoffe wirken entzündungshemmend und beeinflussen die Gefäßfunktion.
Eine ballaststoffreiche Ernährung fördert genau jene Bakterien, die diese Moleküle bilden. Fermentierte Lebensmittel und eine pflanzenreiche Ernährung können deshalb indirekt auch den Blutdruck positiv beeinflussen.
Heilpflanzen für Herz und Kreislauf
Viele Heilpflanzen greifen genau an den Mechanismen an, die auch in der modernen Blutdruckforschung eine Rolle spielen.
Weißdorn
Weißdorn gehört zu den am besten untersuchten Pflanzen für das Herz-Kreislauf-System. Blätter und Blüten enthalten Flavonoide und Procyanidine.
Diese Stoffe verbessern die Durchblutung des Herzmuskels und fördern die Bildung von Stickstoffmonoxid im Endothel. Dadurch können sich Blutgefäße entspannen.
Weißdorn wird traditionell bei Herzschwäche und funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden eingesetzt.
Als Tee werden meist zwei bis drei Tassen täglich verwendet.
Hibiskus
Hibiskusblüten enthalten Anthocyane und organische Säuren, die antioxidativ wirken und die Gefäßfunktion verbessern können.
Mehrere klinische Studien zeigen, dass regelmäßiger Hibiskustee den Blutdruck messbar senken kann. In einer Studie der Tufts University sank der systolische Blutdruck nach sechs Wochen täglichem Konsum um etwa sieben Punkte.
Der Tee hat einen angenehm fruchtigen Geschmack und lässt sich gut in den Alltag integrieren.
Knoblauch
Knoblauch enthält schwefelhaltige Verbindungen wie Allicin. Diese entstehen erst, wenn die Zehe geschnitten oder zerdrückt wird.
Allicin kann die Produktion von Stickstoffmonoxid fördern und bestimmte Enzyme im Renin-Angiotensin-System beeinflussen.
Meta Analysen zeigen, dass regelmäßiger Knoblauchkonsum den systolischen Blutdruck um etwa fünf bis acht mmHg senken kann.
Ein kleiner Küchentipp: Zerdrücke eine Knoblauchzehe und lasse sie zehn Minuten stehen. Erst danach sollte sie in das Essen gegeben werden. So kann sich Allicin optimal bilden.
Mistel
Die Mistel gehört zu den klassischen Pflanzen der europäischen Herz-Kreislauf-Phytotherapie. Extrakte werden traditionell bei leicht erhöhtem Blutdruck eingesetzt.
Studien deuten darauf hin, dass Mistelpräparate den Gefäßtonus und das vegetative Nervensystem beeinflussen können.
Olivenblatt
Olivenblätter enthalten den Wirkstoff Oleuropein. Dieser wirkt antioxidativ und kann die Gefäßfunktion verbessern.
Mehrere Studien zeigen eine moderate blutdrucksenkende Wirkung von Olivenblattextrakten.
Rosmarin
Rosmarin wirkt kreislaufanregend. Die enthaltenen ätherischen Öle fördern die Durchblutung und können bei niedrigem Blutdruck hilfreich sein.
Ein klassischer Hausmittel-Tipp ist ein Rosmarinbad bei Kreislaufschwäche. Zwei Hände Rosmarinzweige werden mit heißem Wasser übergossen, ziehen etwa zwanzig Minuten und werden anschließend ins Badewasser gegeben.
Süßholz
Süßholz enthält Glycyrrhizin. Diese Substanz beeinflusst den Cortisolstoffwechsel und kann dazu führen, dass der Körper mehr Natrium zurückhält.
Dadurch kann der Blutdruck steigen. In kleinen Mengen kann Süßholz deshalb bei niedrigem Blutdruck hilfreich sein.
Bei übermäßigem Konsum kann es jedoch zu Bluthochdruck und Kaliummangel kommen.
Eine einfache Kräutermischung für den Alltag
Eine klassische Mischung zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems verbindet mehrere Pflanzen.
Weißdornblüten und Blätter, Hibiskusblüten und Melissenblätter ergeben einen aromatischen Tee, der gefäßschützende, antioxidative und entspannende Eigenschaften verbindet.
Ein Teelöffel der Mischung pro Tasse heißem Wasser, zehn Minuten ziehen lassen.
Viele Menschen trinken zwei bis drei Tassen täglich.
Ein kleines Beobachtungsexperiment
Blutdruck reagiert erstaunlich schnell auf äußere Einflüsse.
Wenn Du ein Blutdruckmessgerät zu Hause hast, kannst Du einmal beobachten, wie stark Deine Werte schwanken.
Miss Deinen Blutdruck einmal nach zehn Minuten Ruhe und an einem anderen Tag nach einem kurzen Spaziergang oder nach einer Tasse Hibiskustee.
Viele Menschen sind überrascht, wie dynamisch der Blutdruck tatsächlich ist.
Wann Pflanzen allein nicht ausreichen
So spannend Heilpflanzen auch sind, sie haben Grenzen. Bei stark erhöhtem Blutdruck sind medizinische Therapien oft lebenswichtig.
Unbehandelter Bluthochdruck kann langfristig zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenschäden führen.
Pflanzen können das Herz-Kreislauf-System unterstützen, ersetzen jedoch nicht immer eine notwendige medizinische Behandlung.


Infokarten zum privaten Runterladen, Speichern und Teilen. Die Karte darf nicht kommerziell genutzt und nicht verändert werden.
Du hast Fragen zum Beitrag? In unserem exklusiven Forum kannst Du uns direkt fragen: Forum.
Du möchtest unseren täglichen Beitrag nicht verpassen? Dann folge unserem Kanal auf WhatsApp oder Telegram.
Achtung / Aus rechtlichen Gründen
Unsere Empfehlungen basieren rein auf Erfahrungswerten und sollen keinesfalls dazu auffordern, sich selbst zu behandeln, eine ärztliche Behandlung oder Medikation abzubrechen oder sogar zu ersetzen. Wir sind weder Mediziner:innen, Heilpraktiker:innen, noch Kosmetiker:innen. Wir weisen daher aus rechtlichen Gründen darauf hin, dass die auf unserem Blog getroffenen Aussagen über die Wirkungsweisen der einzelnen Zutaten, Kräuter und Rohstoffe sowie der aufgeführten Rezepte und Anwendungshinweise nur zu Zeitvertreib und Information dienen sollen. Unsere Inhalte (Text und Bild) unterliegen dem #Urheberrecht (Copyright). Jede weitere Nutzung unserer Beiträge/Inhalte - auch auszugsweise - bedarf der schriftlichen Zustimmung der Rechteinhaber. Verstöße werden ohne vorherigen Kontakt juristisch verfolgt. Heilversprechen zur Linderung und/oder Behandlung von gesundheitlichen Problemen und Erkrankungen geben wir in keiner Weise ab und versprechen auch nichts derartiges. Wer unsere Rezepte oder Empfehlungen nachmacht, tut dies auf eigene Gefahr, wie es rechtlich so schön heißt.
Hinweis zu Affiliate Links: In diesem Beitrag findest Du eventuell einen Affiliate Link. Wenn Du über diesen Link etwas bestellst, erhalten wir eine kleine Provision. Für Dich bleibt der Preis gleich. Unsere Inhalte entstehen davon unabhängig und bleiben redaktionell frei. Wenn Du unsere Arbeit auf diese Weise unterstützen möchtest, freuen wir uns sehr. Außerdem kann es sein, dass von der Website, auf die Du über diesen Link gelangst, Cookies gesetzt werden (weitere Informationen).















