Augencreme selber machen – natürliche Pflege mit Kaffeebutter

Augencreme selber machen – natürliche Pflege mit Kaffeebutter

Inhaltsverzeichnis

DIY-Naturkosmetik, Augenpflege, Kaffeebutter, Emulsionen, wissenschaftlicher Hintergrund

Es gibt kaum ein Kosmetikprodukt, das so kleine Verpackungen und gleichzeitig so große Versprechen vereint wie Augencremes. Sie sollen Fältchen glätten, Augenringe aufhellen, Schwellungen reduzieren und die Haut sichtbar jünger wirken lassen. Für gerade einmal 15 oder 20 Milliliter werden dabei oft Preise verlangt, für die man auch eine hochwertige Gesichtscreme in Originalgröße kaufen könnte.

Das wirft unweigerlich eine Frage auf: Braucht die Haut rund um die Augen tatsächlich eine spezielle Pflege – oder ist eine Augencreme vor allem ein geschicktes Marketingprodukt?

Die Antwort liegt, wie so oft, zwischen diesen beiden Extremen.

Ist eine Augencreme überhaupt notwendig?

Dermatologisch betrachtet unterscheidet sich die Haut rund um die Augen tatsächlich von vielen anderen Körperregionen. Sie ist besonders dünn, enthält vergleichsweise wenige Talgdrüsen und wird täglich durch tausende Lidschläge sowie unsere gesamte Mimik beansprucht. Gleichzeitig verliert sie schneller Feuchtigkeit als Hautpartien mit einer ausgeprägteren natürlichen Lipidschicht.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede und jeder eine spezielle Augencreme benötigt. Viele gut formulierte Gesichtscremes eignen sich durchaus auch für die Augenpartie – vorausgesetzt, sie enthalten keine Stoffe, die dort leicht reizen können. Intensive Duftstoffe, hoch konzentrierte Fruchtsäuren oder stark wirksame Peelings gehören beispielsweise nicht unmittelbar an die empfindliche Haut rund um die Augen.

Eine Augencreme hat deshalb weniger die Aufgabe, grundsätzlich andere Probleme zu lösen als eine Gesichtscreme. Vielmehr ist sie meist milder formuliert, leichter zu verteilen und auf die besonderen Eigenschaften dieser empfindlichen Hautregion abgestimmt.

Was eine gute Augencreme leisten kann – und was nicht

Werbeaussagen vermitteln häufig den Eindruck, eine Creme könne den natürlichen Alterungsprozess der Haut aufhalten. Wissenschaftlich lässt sich das so nicht bestätigen.

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Strukturen der Haut. Die Bildung von Kollagen und Elastin nimmt langsam ab, die Haut verliert an Spannkraft und kann Feuchtigkeit weniger gut speichern. Diese Prozesse gehören zum normalen Altern und lassen sich durch Kosmetik nicht rückgängig machen.

Eine gut formulierte Augencreme verfolgt deshalb realistischere Ziele. Sie unterstützt die Hautbarriere, hilft dabei, Feuchtigkeit in der Hornschicht zu halten und verbessert das Hautgefühl. Trockene Haut wirkt dadurch häufig glatter und gepflegter. Feine Trockenheitsfältchen können weniger auffallen, weil die oberste Hautschicht besser mit Feuchtigkeit versorgt ist.

Das klingt vielleicht weniger spektakulär als viele Werbeversprechen – entspricht aber deutlich eher dem, was wir nach heutigem Kenntnisstand von einer kosmetischen Pflege erwarten dürfen.

Warum wir unsere Augencreme selbst herstellen

Wer beginnt, Naturkosmetik selbst zu rühren, entdeckt oft etwas Erstaunliches: Die meisten Cremes bestehen aus überraschend wenigen Grundbestandteilen.

Fast jede klassische Creme enthält eine Wasserphase, eine Fettphase, einen Emulgator, ein Feuchthaltemittel und – sofern Wasser enthalten ist – ein geeignetes Konservierungssystem. Hinzu kommen je nach Rezeptur weitere Inhaltsstoffe, etwa Pflanzenextrakte oder Vitamine.

Die eigentliche Kunst besteht also nicht darin, möglichst viele Rohstoffe miteinander zu kombinieren. Entscheidend ist vielmehr, dass jede Zutat eine sinnvolle Aufgabe erfüllt und alle Bestandteile harmonisch zusammenarbeiten.

Genau deshalb wollten wir für diesen Artikel nicht einfach irgendein Rezept vorstellen. Uns war wichtig zu erklären, warum eine Rezeptur so aufgebaut ist, wie sie aufgebaut ist. Wer versteht, welche Aufgabe Wasser, Pflanzenöle oder ein Emulgator übernehmen, kann später auch andere Rezepte besser beurteilen und an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Warum unsere Wahl auf Kaffeebutter fiel

Bei der Auswahl der Fettphase standen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Sheabutter, Mangobutter oder Kakaobutter gehören seit Jahren zu den Klassikern der Naturkosmetik und haben alle ihre Vorzüge.

Unsere Entscheidung fiel dennoch auf Kaffeebutter – allerdings nicht, weil sie angeblich ein Wundermittel gegen Falten oder Augenringe wäre.

Im Gegenteil.

Gerade über Kaffee in der Hautpflege kursieren zahlreiche Behauptungen, die sich wissenschaftlich nur eingeschränkt belegen lassen. Uns interessierte deshalb ein anderer Aspekt: Kaffeebutter besitzt eine angenehme Textur, lässt sich gut verarbeiten und liefert zusammen mit geeigneten Pflanzenölen eine ausgewogene Fettphase für eine pflegende Augencreme. Gleichzeitig bietet sie die Gelegenheit, einen Rohstoff kennenzulernen, der in der Naturkosmetik noch deutlich weniger bekannt ist als klassische Pflanzenbuttern.

Doch genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Geschichte.

Denn obwohl der Name etwas anderes vermuten lässt, ist Kaffeebutter keine Butter im botanischen Sinn. Sie wächst an keinem Baum, lässt sich nicht einfach aus einer Frucht pressen und unterscheidet sich grundlegend von Shea- oder Kakaobutter. Wer verstehen möchte, was Kaffeebutter wirklich ist, muss deshalb zunächst einen Blick auf ihren Ursprung werfen – die Kaffeebohne.

Was ist Kaffeebutter eigentlich?

Der Begriff Kaffeebutter klingt zunächst so, als würde es sich um eine natürliche Pflanzenbutter handeln – ähnlich wie Shea-, Kakao- oder Mangobutter. Tatsächlich ist das jedoch nicht der Fall. Botanisch betrachtet gibt es keine Pflanze, die eine „Kaffeebutter“ bildet.

Der Ausgangspunkt ist vielmehr die Kaffeebohne. Genau genommen handelt es sich dabei um die Samen der Kaffeekirsche, die je nach Art und Anbaugebiet unterschiedliche Mengen an Öl enthalten. Dieses Kaffeeöl bildet die Grundlage für die spätere Kaffeebutter.

Je nach Herstellungsverfahren werden die Bohnen zunächst geröstet oder ungeröstet verarbeitet. Anschließend wird das enthaltene Öl gewonnen. Dafür kommen verschiedene Verfahren infrage, die sich hinsichtlich Qualität, Ausbeute und Zusammensetzung unterscheiden.

Wie wird Kaffeeöl gewonnen?

In der Naturkosmetik stammen hochwertige Kaffeeöle meist aus einer Kaltpressung oder einer CO₂-Extraktion.

Bei der Kaltpressung werden die Kaffeebohnen mechanisch ausgepresst. Das Verfahren gilt als vergleichsweise schonend, weil keine hohen Temperaturen erforderlich sind. Dadurch bleiben viele fettlösliche Begleitstoffe erhalten. Allerdings ist die Ausbeute geringer als bei anderen Verfahren.

Bei der CO₂-Extraktion wird Kohlendioxid unter hohem Druck in einen sogenannten überkritischen Zustand gebracht. In diesem Zustand besitzt es sowohl Eigenschaften einer Flüssigkeit als auch eines Gases und kann fettlösliche Bestandteile besonders effizient aus den Bohnen lösen. Nach Abschluss des Verfahrens entweicht das Kohlendioxid rückstandsfrei. Diese Methode liefert sehr hochwertige Extrakte, ist technisch jedoch deutlich aufwendiger und entsprechend kostenintensiver.

Daneben existieren auch Lösungsmittelextraktionen, wie sie vor allem in der industriellen Verarbeitung eingesetzt werden. Für hochwertige Naturkosmetik spielen sie heute allerdings eine deutlich geringere Rolle.

Von Kaffeeöl zur Kaffeebutter

Reines Kaffeeöl besitzt eine flüssige Konsistenz und wäre für eine Augencreme allein nur bedingt geeignet. Deshalb wird daraus häufig Kaffeebutter hergestellt.

Dabei handelt es sich in der Regel um eine Mischung aus Kaffeeöl und einer neutralen Pflanzenbutter oder pflanzlichen Wachsen. Welche Bestandteile verwendet werden, hängt vom jeweiligen Hersteller ab. Eine einheitliche oder gesetzlich festgelegte Zusammensetzung gibt es nicht.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu klassischen Pflanzenbuttern wie Sheabutter oder Kakaobutter. Während diese unmittelbar aus den jeweiligen Pflanzen gewonnen werden, ist Kaffeebutter immer ein verarbeitetes Produkt, dessen Eigenschaften von der verwendeten Rezeptur abhängen.

Wer Rohstoffe für Naturkosmetik einkauft, sollte deshalb einen Blick auf die INCI-Deklaration werfen. Sie verrät, aus welchen Bestandteilen die jeweilige Kaffeebutter tatsächlich besteht und ermöglicht einen besseren Vergleich verschiedener Produkte.

Welche Inhaltsstoffe stecken im Kaffeeöl?

Auch wenn sich die genaue Zusammensetzung je nach Kaffeesorte, Herkunft und Herstellungsverfahren unterscheidet, ähnelt Kaffeeöl in seinem grundsätzlichen Aufbau vielen anderen pflanzlichen Ölen. Den größten Anteil machen verschiedene Fettsäuren aus, ergänzt durch zahlreiche sogenannte unverseifbare Begleitstoffe.

Fettsäuren – das Gerüst der Fettphase

Den Hauptbestandteil bilden Triglyceride, also Verbindungen aus Glycerin und Fettsäuren. Besonders häufig finden sich Ölsäure, Linolsäure, Palmitinsäure und Stearinsäure.

Ölsäure gehört zu den einfach ungesättigten Fettsäuren und verleiht vielen Pflanzenölen ihre geschmeidigen Eigenschaften. Linolsäure ist eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure und ein natürlicher Bestandteil der Hautbarriere. Palmitin- und Stearinsäure sind gesättigte Fettsäuren, die unter anderem zur Konsistenz der Fettphase beitragen.

Welche dieser Fettsäuren überwiegt, beeinflusst später auch das Hautgefühl einer Creme. Öle mit einem höheren Anteil an Ölsäure wirken oft reichhaltiger, während linolsäurereiche Öle meist leichter einziehen.

Phytosterole und Tocopherole

Neben den Fettsäuren enthält Kaffeeöl verschiedene Pflanzenstoffe, die nur einen kleinen Mengenanteil ausmachen, für die Eigenschaften des Öls jedoch durchaus interessant sind.

Dazu gehören unter anderem Phytosterole, also pflanzliche Sterine, sowie Tocopherole, die besser als Vitamin E bekannt sind. Tocopherole tragen unter anderem dazu bei, Pflanzenöle vor Oxidation zu schützen und spielen auch in der Haut eine Rolle als Antioxidanzien.

Diterpene – typische Inhaltsstoffe der Kaffeebohne

Charakteristisch für Kaffee sind außerdem die Diterpene Cafestol und Kahweol. Beide Stoffe kommen natürlicherweise in Kaffeebohnen vor und werden seit vielen Jahren wissenschaftlich untersucht. Ein Großteil der Forschung beschäftigt sich allerdings mit ihrer Aufnahme über Lebensmittel und ihren Stoffwechseleffekten im menschlichen Körper.

Welche Bedeutung diese Verbindungen in kosmetischen Anwendungen tatsächlich besitzen, ist bislang deutlich weniger untersucht. Entsprechend zurückhaltend sollten Aussagen über mögliche Wirkungen auf die Haut bewertet werden.

Enthält Kaffeebutter überhaupt Koffein?

Viele Menschen verbinden Kaffee automatisch mit Koffein und gehen deshalb davon aus, dass auch Kaffeebutter besonders koffeinreich sein müsse.

So einfach ist es jedoch nicht.

Koffein ist gut wasserlöslich, während Pflanzenöle überwiegend fettlösliche Bestandteile enthalten. Deshalb gelangt bei der Ölgewinnung nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Koffeins in das fertige Öl. Wie hoch dieser Anteil tatsächlich ist, hängt stark vom Herstellungsverfahren ab und lässt sich nicht pauschal angeben.

Aus diesem Grund sollte Kaffeebutter nicht mit konzentrierten koffeinhaltigen Kosmetikwirkstoffen gleichgesetzt werden. Manche Hersteller setzen ihren Produkten zusätzlich isoliertes Koffein zu, um gezielt auf diesen Inhaltsstoff hinzuweisen. In einer klassischen Kaffeebutter ist ein hoher Koffeingehalt dagegen keineswegs selbstverständlich.

Gerade dieser Punkt zeigt, wie wichtig ein genauer Blick auf Rohstoffe und ihre Herstellung ist. Der Name eines Inhaltsstoffs verrät oft deutlich weniger über seine tatsächlichen Eigenschaften, als viele Werbeaussagen vermuten lassen.

Nachdem wir nun wissen, wie Kaffeebutter entsteht und welche Bestandteile sie mitbringt, stellt sich die entscheidende Frage: Welche dieser Inhaltsstoffe könnten für die Haut überhaupt relevant sein – und was davon ist wissenschaftlich tatsächlich gut untersucht?

Was sagt die Wissenschaft über Kaffeebutter?

Wer nach wissenschaftlichen Studien zur Kaffeebutter sucht, stößt schnell auf ein Problem: Sie sind erstaunlich selten. Während Pflanzenöle wie Jojoba-, Mandel– oder Arganöl seit Jahrzehnten untersucht werden, existieren zu Kaffeebutter selbst bislang nur wenige Veröffentlichungen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sie grundsätzlich unwirksam wäre. Vielmehr handelt es sich um einen vergleichsweise jungen Rohstoff in der Naturkosmetik. Die Forschung konzentriert sich bislang überwiegend auf Kaffeeextrakte, Kaffeeöl oder einzelne Inhaltsstoffe der Kaffeebohne. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen, auf welchen Untersuchungen bestimmte Aussagen tatsächlich beruhen.

Antioxidantien – viel Potenzial, aber noch offene Fragen

Kaffeebohnen enthalten zahlreiche antioxidativ wirksame Pflanzenstoffe. Dazu gehören unter anderem verschiedene Polyphenole sowie weitere sekundäre Pflanzenstoffe, die die Kaffeepflanze unter anderem vor oxidativem Stress schützen.

Allerdings bleibt nur ein Teil dieser Stoffe bei der Herstellung eines Kaffeeöls oder einer Kaffeebutter erhalten. Viele Polyphenole sind wasserlöslich und gelangen deshalb nur in begrenztem Umfang in die Fettphase. Welche Mengen letztlich im fertigen Rohstoff enthalten sind, hängt stark von der verwendeten Kaffeesorte und vor allem vom Herstellungsverfahren ab.

In Laboruntersuchungen konnten Kaffeeextrakte und Kaffeeöl antioxidative Eigenschaften zeigen. Antioxidantien können freie Radikale neutralisieren und dadurch oxidative Prozesse in Zellen und Geweben beeinflussen. Da oxidativer Stress unter anderem an der Hautalterung beteiligt ist, gilt dieser Bereich als wissenschaftlich interessant.

Ob sich diese Effekte jedoch in einer selbst gerührten Augencreme in relevantem Umfang auf die Haut übertragen lassen, ist derzeit nicht ausreichend untersucht. Hier besteht noch deutlicher Forschungsbedarf.

Kann Kaffee Schwellungen unter den Augen reduzieren?

Kaum eine Eigenschaft wird in der Werbung häufiger mit Kaffee in Verbindung gebracht als die angeblich abschwellende Wirkung.

Der Hintergrund dieser Annahme ist das Koffein. Es kann lokal aufgetragen die Blutgefäße vorübergehend verengen und wird deshalb in verschiedenen kosmetischen Formulierungen eingesetzt. Einige kleinere Studien deuten darauf hin, dass koffeinhaltige Produkte das Erscheinungsbild leichter Schwellungen kurzfristig verbessern können.

Dabei ist jedoch wichtig zu unterscheiden, welcher Rohstoff untersucht wurde. In den meisten wissenschaftlichen Arbeiten kam isoliertes Koffein oder ein standardisierter Kaffeeextrakt zum Einsatz – nicht Kaffeebutter.

Da Kaffeebutter, wie bereits beschrieben, je nach Herstellung nur geringe Mengen Koffein enthalten kann, lassen sich diese Ergebnisse nicht einfach übertragen. Es wäre wissenschaftlich nicht korrekt, einer selbst gerührten Kaffeebutter-Augencreme allein aufgrund ihres Namens eine abschwellende Wirkung zuzuschreiben.

Und was ist mit Augenringen?

Auch bei dunklen Augenringen begegnet man häufig dem Versprechen, Kaffee könne sichtbar aufhellen.

Tatsächlich entstehen Augenringe aus ganz unterschiedlichen Gründen. Genetische Veranlagung, die natürliche Pigmentierung der Haut, feine Blutgefäße unter der sehr dünnen Augenhaut, Schlafmangel oder altersbedingte Veränderungen können dabei eine Rolle spielen. Es gibt deshalb nicht die eine Ursache – und entsprechend auch nicht die eine kosmetische Lösung.

Für Kaffeebutter existieren derzeit keine belastbaren Studien, die eine Aufhellung von Augenringen belegen würden. Selbst für koffeinhaltige Kosmetik ist die Studienlage insgesamt begrenzt und die beobachteten Effekte fallen, wenn überhaupt, meist eher moderat aus.

Warum wir Kaffeebutter trotzdem verwenden

Nach all diesen Einschränkungen könnte der Eindruck entstehen, Kaffeebutter sei als Rohstoff wenig interessant. Genau das wäre jedoch die falsche Schlussfolgerung.

Wir haben sie nicht ausgewählt, weil sie spektakuläre Anti-Aging-Effekte verspricht. Uns überzeugt vielmehr ihre Funktion innerhalb der gesamten Rezeptur.

Sie trägt zu einer angenehm weichen Konsistenz bei, verbessert das Hautgefühl und ergänzt flüssige Pflanzenöle zu einer ausgewogenen Fettphase. Gleichzeitig bringt sie – abhängig von ihrer Zusammensetzung – natürliche Fettsäuren und pflanzliche Begleitstoffe mit, wie sie auch in vielen anderen kosmetisch genutzten Pflanzenölen vorkommen.

Mit anderen Worten: Kaffeebutter ist für uns kein Wundermittel, sondern ein interessanter Baustein einer gut formulierten Augencreme.

Eine gute Creme besteht aus mehr als einem einzelnen Rohstoff

Ein häufiger Denkfehler in der Hautpflege besteht darin, die Wirkung eines Produkts ausschließlich auf einen einzelnen Inhaltsstoff zurückzuführen. Tatsächlich entsteht die Qualität einer Creme fast immer durch das Zusammenspiel aller Bestandteile.

Ob sich eine Creme angenehm verteilen lässt, wie schnell sie einzieht, wie gut sie Feuchtigkeit auf der Haut hält oder wie stabil sie über Monate hinweg bleibt, hängt nicht von einem einzigen Rohstoff ab. Entscheidend ist vielmehr, wie Wasserphase, Fettphase, Emulgator, Feuchthaltemittel und Konservierung aufeinander abgestimmt sind.

Genau deshalb haben wir uns bei unserer Rezeptur nicht gefragt: „Welcher Inhaltsstoff klingt am spektakulärsten?“ Die wichtigere Frage lautete: „Welche Rohstoffe ergänzen sich sinnvoll und ergeben zusammen eine ausgewogene Augencreme?“

Bevor wir das Rezept vorstellen, lohnt sich deshalb noch ein Blick auf die weiteren Zutaten. Denn auch sie erfüllen jeweils eine ganz bestimmte Aufgabe – und keine davon ist zufällig gewählt.

Die weiteren Zutaten – warum jede einzelne ihren Platz in der Rezeptur hat

Wer zum ersten Mal eine Creme selbst herstellt, schaut oft zuerst auf die Pflanzenöle. Tatsächlich entscheidet aber erst das Zusammenspiel aller Bestandteile darüber, ob aus einzelnen Rohstoffen eine stabile und angenehm anwendbare Creme entsteht. Jede Zutat übernimmt dabei eine bestimmte Aufgabe. Wird sie weggelassen oder durch einen ungeeigneten Ersatz ausgetauscht, verändert sich häufig nicht nur die Konsistenz, sondern auch das Hautgefühl oder sogar die Haltbarkeit.

Rosenhydrolat – die Grundlage der Wasserphase

Mit rund 60 bis 70 Prozent bildet Wasser beziehungsweise in unserem Fall Rosenhydrolat den größten Bestandteil der Rezeptur. Das überrascht viele Menschen, denn in der Werbung stehen meist Pflanzenöle oder besondere Wirkstoffe im Mittelpunkt. Tatsächlich bestehen jedoch die meisten Cremes überwiegend aus Wasser.

Für unsere Augencreme verwenden wir Rosenhydrolat statt reinem destilliertem Wasser. Hydrolate entstehen bei der Wasserdampfdestillation aromatischer Pflanzen und enthalten geringe Mengen wasserlöslicher Pflanzenbestandteile sowie Spuren flüchtiger Aromastoffe. Sie sind deshalb weder mit einem ätherischen Öl noch mit einem einfachen Pflanzenauszug gleichzusetzen.

Rosenhydrolat wird in der Naturkosmetik häufig wegen seines dezenten Duftes und seines angenehmen Hautgefühls eingesetzt. Wissenschaftliche Belege für ausgeprägte kosmetische Wirkungen sind allerdings begrenzt. Für uns steht deshalb weniger eine bestimmte Wirkung im Vordergrund als die angenehme sensorische Eigenschaft des Hydrolats.

Wer besonders empfindlich auf Duftstoffe reagiert oder eine möglichst neutrale Rezeptur bevorzugt, kann Rosenhydrolat problemlos durch destilliertes Wasser ersetzen.

Glycerin – klein, unscheinbar und enorm wichtig

Glycerin gehört zu den Inhaltsstoffen, die häufig unterschätzt werden. Dabei zählt es zu den am besten untersuchten Feuchthaltemitteln der Hautpflege.

Chemisch handelt es sich um einen dreiwertigen Alkohol, der Wasser binden kann. In der Hornschicht trägt Glycerin dazu bei, Feuchtigkeit länger zu speichern und den Wasserverlust über die Haut zu verringern. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Glycerin bereits in vergleichsweise niedrigen Konzentrationen die Hautfeuchtigkeit verbessern und die Barrierefunktion unterstützen kann.

Manchmal liest man, Glycerin würde der Haut Wasser entziehen. Diese Behauptung hält sich seit vielen Jahren, lässt sich für übliche kosmetische Konzentrationen jedoch nicht bestätigen. Im Gegenteil: Gerade Konzentrationen zwischen etwa zwei und fünf Prozent gelten heute als gut untersucht und werden in zahlreichen dermatologischen Pflegeprodukten eingesetzt.

Jojobaöl – eigentlich gar kein Öl

Der Name lässt etwas anderes vermuten, doch Jojobaöl ist chemisch betrachtet kein klassisches Pflanzenöl. Es besteht überwiegend aus flüssigen Wachsen und unterscheidet sich dadurch deutlich von den meisten anderen pflanzlichen Lipiden.

Diese Besonderheit bringt mehrere Vorteile mit sich. Jojobaöl ist außergewöhnlich oxidationsstabil und wird deshalb deutlich langsamer ranzig als viele mehrfach ungesättigte Pflanzenöle. Gleichzeitig hinterlässt es einen dünnen, geschmeidigen Film auf der Haut, ohne sich schwer oder klebrig anzufühlen.

Gerade in einer Augencreme trägt Jojobaöl dazu bei, dass sich die Emulsion angenehm verteilen lässt und ein leichtes, seidiges Hautgefühl hinterlässt.

Aprikosenkernöl – leicht und ausgewogen

Aprikosenkernöl zählt zu den klassischen Pflanzenölen der Naturkosmetik. Es enthält vor allem Ölsäure und Linolsäure und besitzt eine vergleichsweise leichte Textur.

In unserer Rezeptur ergänzt es die eher feste Kaffeebutter und das stabile Jojobaöl. Gemeinsam entsteht dadurch eine Fettphase, die weder zu reichhaltig noch zu leicht ausfällt. Gleichzeitig verbessert Aprikosenkernöl die Verteilbarkeit der Creme und sorgt dafür, dass sie nach dem Auftragen nicht wachsartig wirkt.

Natürlich ließen sich auch andere Pflanzenöle verwenden. Mandelöl, Pflaumenkernöl oder Haferöl wären beispielsweise ebenfalls interessante Alternativen. Jede Veränderung verschiebt jedoch die Eigenschaften der fertigen Creme ein wenig. Genau darin liegt einer der spannendsten Aspekte beim Selberrühren: Schon kleine Anpassungen können das Hautgefühl deutlich verändern.

Ohne Emulgator gäbe es keine Creme

Kaum ein Inhaltsstoff genießt einen so schlechten Ruf wie Emulgatoren. Oft werden sie pauschal als „unnötige Chemie“ bezeichnet. Tatsächlich gehören sie jedoch zu den wichtigsten Bestandteilen jeder klassischen Creme.

Der Grund ist einfach: Wasser und Öl vermischen sich von Natur aus nicht dauerhaft. Wer beides in einem Glas kräftig schüttelt, erhält zwar kurzfristig eine trübe Flüssigkeit, doch schon nach kurzer Zeit trennen sich beide Phasen wieder voneinander.

Genau hier kommen Emulgatoren ins Spiel. Ihre Moleküle besitzen einen wasserliebenden und einen fettliebenden Bereich. Dadurch können sie sich an der Grenzfläche zwischen Wasser und Öl anlagern und winzige Fetttröpfchen stabil in der Wasserphase verteilen. Erst dadurch entsteht eine gleichmäßige Emulsion.

Je kleiner diese Fetttröpfchen sind und je stabiler sie verteilt bleiben, desto cremiger fühlt sich das fertige Produkt an. Gleichzeitig verbessert sich die Haltbarkeit der Emulsion erheblich.

Emulgatoren erfüllen also keine kosmetische Wirkung im eigentlichen Sinn. Sie sorgen vielmehr dafür, dass aus einzelnen Rohstoffen überhaupt erst eine Creme wird.

Was bedeutet eigentlich O/W-Emulsion?

Viele DIY-Rezepte erwähnen den Begriff „O/W-Emulsion“, erklären ihn aber nicht weiter.

Die Abkürzung steht für Öl-in-Wasser-Emulsion. Dabei bilden winzige Öltröpfchen die innere Phase, während Wasser die äußere Phase der Creme darstellt.

Die meisten leichten Gesichts- und Augencremes gehören zu diesem Emulsionstyp. Sie ziehen vergleichsweise schnell ein, lassen sich angenehm verteilen und hinterlassen meist keinen ausgeprägten Fettfilm.

Daneben existieren auch W/O-Emulsionen (Wasser-in-Öl). Sie enthalten einen deutlich höheren Fettanteil, wirken reichhaltiger und werden häufig für sehr trockene Haut oder als Kälteschutzcremes verwendet.

Für unsere Augencreme erschien eine klassische Öl-in-Wasser-Emulsion die ausgewogenere Wahl.

Warum wir auf ätherische Öle verzichten

In vielen Rezepten für selbst gemachte Naturkosmetik finden sich Lavendel-, Rosen-, Weihrauch– oder andere ätherische Öle. Sie verleihen einer Creme einen angenehmen Duft und werden häufig mit verschiedensten pflegenden Eigenschaften beworben.

Gerade für die empfindliche Augenpartie sehen wir ihren Einsatz jedoch kritisch.

Ätherische Öle bestehen aus hoch konzentrierten Gemischen flüchtiger Pflanzenstoffe. Obwohl sie natürlichen Ursprungs sind, gehören zahlreiche ihrer Bestandteile gleichzeitig zu den häufigsten Kontaktallergenen in Kosmetik. Hinzu kommt, dass bereits geringe Mengen ausreichen können, um Schleimhäute oder die empfindliche Haut rund um die Augen zu reizen.

Aus diesem Grund haben wir bewusst darauf verzichtet. Nicht weil ätherische Öle grundsätzlich problematisch wären, sondern weil eine Augencreme auch ohne sie hervorragend funktioniert. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

Warum Konservierung kein notwendiges Übel, sondern ein Sicherheitsmerkmal ist

Kaum ein Thema wird in der DIY-Naturkosmetik so kontrovers diskutiert wie Konservierungsstoffe. Für die einen gehören sie grundsätzlich nicht in selbst hergestellte Kosmetik, für die anderen sind sie selbstverständlich. Tatsächlich lässt sich diese Frage aus mikrobiologischer Sicht recht eindeutig beantworten.

Sobald eine Creme Wasser enthält, entsteht ein Milieu, in dem sich Bakterien, Hefen und Schimmelpilze vermehren können. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Wasser aus der Leitung stammt, destilliert wurde oder als Hydrolat in die Rezeptur gelangt. Mikroorganismen benötigen keine großen Mengen Nährstoffe, um sich zu vermehren – und Pflanzenöle, Hydrolate oder pflanzliche Extrakte liefern dafür durchaus geeignete Voraussetzungen.

Viele Menschen gehen davon aus, dass eine sorgfältige Hygiene während der Herstellung ausreicht. Tatsächlich ist sie unverzichtbar, ersetzt eine Konservierung aber nicht. Spätestens beim ersten Öffnen gelangen über die Luft oder durch den Kontakt mit Fingern erneut Mikroorganismen in das Produkt. Ohne geeigneten Schutz können sie sich innerhalb weniger Tage oder Wochen vermehren – oft lange bevor sich Geruch oder Aussehen der Creme sichtbar verändern.

Konservierungsstoffe sind deshalb in erster Linie kein kosmetischer Zusatz, sondern dienen dem Verbraucherschutz. Sie sollen verhindern, dass sich in einer Creme gesundheitsschädliche Keime entwickeln.

Reicht der Kühlschrank nicht aus?

Auch dieser Tipp begegnet einem im Internet regelmäßig: Selbst gerührte Cremes einfach im Kühlschrank aufbewahren, dann könne man auf Konservierungsstoffe verzichten.

Ganz so einfach ist es leider nicht.

Niedrige Temperaturen verlangsamen zwar das Wachstum vieler Mikroorganismen, verhindern es aber nicht vollständig. Einige Bakterien und Schimmelpilze können sich auch im Kühlschrank vermehren. Außerdem wird die Creme bei jeder Entnahme erneut mit Keimen in Kontakt gebracht.

Wer eine wasserhaltige Creme ohne Konservierung herstellt, sollte deshalb nur extrem kleine Mengen anrühren und innerhalb weniger Tage verbrauchen. Für eine Augencreme, die über mehrere Wochen oder Monate verwendet werden soll, ist diese Vorgehensweise aus unserer Sicht nicht sinnvoll.

Warum wir einen Airless-Spender empfehlen

Nicht nur die Rezeptur, sondern auch die Verpackung beeinflusst die Haltbarkeit einer Creme.

Offene Cremetiegel sehen zwar oft hübsch aus, haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Bei jeder Anwendung gelangen Finger, Hautkeime und Sauerstoff direkt an das Produkt. Dadurch steigt das Risiko einer mikrobiellen Verunreinigung deutlich an.

Ein Airless-Spender reduziert diesen Kontakt erheblich. Die Creme wird über ein Pumpsystem entnommen, ohne dass größere Mengen Luft in die Verpackung gelangen. Gleichzeitig entfällt das wiederholte Eintauchen der Finger in das Produkt.

Für empfindliche Rezepturen und insbesondere für Pflegeprodukte rund um die Augen halten wir diese Verpackungsform deshalb für die hygienischere Wahl.

Warum wir auf möglichst wenige Inhaltsstoffe setzen

Wer sich durch Online-Shops für Kosmetikrohstoffe klickt, stößt schnell auf eine beeindruckende Auswahl. Hyaluronsäure, Niacinamid, Ceramide, Coenzym Q10, Panthenol, Aloe-vera-Extrakte, Vitamine, Pflanzenextrakte und zahlreiche weitere Wirkstoffe versprechen immer neue Möglichkeiten.

Die Versuchung ist groß, möglichst viele davon in einer einzigen Creme zu kombinieren.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das jedoch nicht unbedingt sinnvoll.

Jeder zusätzliche Inhaltsstoff verändert die Rezeptur. Manche Wirkstoffe benötigen einen bestimmten pH-Wert, andere reagieren empfindlich auf Wärme oder Licht. Wieder andere können sich gegenseitig beeinflussen oder erhöhen das Risiko von Hautreizungen.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der in der Werbung selten erwähnt wird: Je komplexer eine Formulierung wird, desto schwieriger lässt sich später beurteilen, welcher Inhaltsstoff tatsächlich für einen positiven oder negativen Effekt verantwortlich ist.

Wir bevorzugen deshalb einen anderen Ansatz. Eine überschaubare Zahl sorgfältig ausgewählter Rohstoffe ist häufig sinnvoller als eine möglichst lange Zutatenliste. Die Qualität einer Creme bemisst sich nicht an der Anzahl ihrer Inhaltsstoffe, sondern daran, wie gut diese zusammenarbeiten.

Naturkosmetik bedeutet nicht automatisch „besser“

Der Wunsch nach möglichst natürlichen Pflegeprodukten ist gut nachvollziehbar. Viele Menschen möchten wissen, welche Inhaltsstoffe sie täglich auf ihre Haut auftragen, und bevorzugen Rohstoffe pflanzlichen Ursprungs.

Allerdings wird der Begriff „natürlich“ häufig mit Eigenschaften verbunden, die sich wissenschaftlich so nicht halten lassen. Natürlich bedeutet weder automatisch hautverträglich noch besonders wirksam oder frei von Risiken.

Auch Pflanzen bilden Stoffe, die Allergien auslösen oder die Haut reizen können. Ätherische Öle sind dafür ein gutes Beispiel. Ebenso können natürliche Pflanzenöle oxidieren und ranzig werden oder – abhängig von ihrer Fettsäurezusammensetzung – für bestimmte Hauttypen weniger geeignet sein als andere.

Umgekehrt erfüllen viele synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe wichtige Aufgaben, etwa als Konservierungssysteme oder Emulgatoren. Entscheidend ist deshalb nicht, ob ein Stoff natürlichen oder synthetischen Ursprungs ist, sondern ob er sicher ist, sinnvoll eingesetzt wird und zu einer gut formulierten Rezeptur beiträgt.

Gerade in der Naturkosmetik lohnt es sich daher, Werbeaussagen kritisch zu hinterfragen und Rohstoffe nach ihren tatsächlichen Eigenschaften zu beurteilen – nicht nach ihrem Image.

Bevor wir mit dem Rühren beginnen …

Nachdem wir nun die einzelnen Bestandteile der Rezeptur kennengelernt haben, wird es Zeit für die Praxis. Im nächsten Abschnitt stellen wir die vollständige Rezeptur Schritt für Schritt vor und erklären nicht nur, wie die Creme hergestellt wird, sondern auch, warum einzelne Arbeitsschritte für eine stabile und haltbare Emulsion entscheidend sind.

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Augencreme selber machen – natürliche Pflege mit Kaffeebutter

Rezept: Augencreme mit Kaffeebutter selbst herstellen

Nachdem wir uns die einzelnen Rohstoffe und ihre Aufgaben angesehen haben, geht es nun an die praktische Umsetzung. Die folgende Rezeptur ist bewusst einfach gehalten und eignet sich auch für Menschen, die bisher nur wenig Erfahrung mit selbst gerührter Naturkosmetik gesammelt haben. Gleichzeitig orientiert sie sich an den Grundprinzipien einer stabilen Öl-in-Wasser-Emulsion und verwendet Rohstoffe, die im Naturkosmetikbereich gut erhältlich sind.

Bevor Du beginnst, lohnt es sich, alle Zutaten abzuwiegen und die benötigten Arbeitsgeräte bereitzulegen. So lässt sich die Herstellung ohne Zeitdruck durchführen und die einzelnen Schritte gehen später deutlich leichter von der Hand.

Rezeptur für 50 Gramm Augencreme

Wasserphase

  • 31,5 g Rosenhydrolat (63 %)
  • 1,5 g pflanzliches Glycerin (3 %)

Fettphase

  • 5 g Kaffeebutter (10 %)
  • 5 g Jojobaöl (10 %)
  • 4 g Aprikosenkernöl (8 %)
  • 2,5 g O/W-Emulgator pflanzlichen Ursprungs (5 %) (zum Beispiel Montanov™ 68 oder Olivem® 1000)

Cool-down-Phase

  • Konservierungssystem entsprechend der Herstellerangaben (z. B. 0,5 g bei einer Einsatzkonzentration von 1 %) (zu Beispiel Geogard® ECT oder Rokonsal™ BSB-N)

Gesamtmenge: 50 Gramm

Da sich Konservierungssysteme in ihrer empfohlenen Dosierung unterscheiden, solltest Du Dich immer an den Angaben des jeweiligen Herstellers orientieren. Dasselbe gilt für den empfohlenen pH-Bereich, in dem der Konservierer zuverlässig wirkt.

Diese Utensilien benötigst Du

Für die Herstellung genügt eine überschaubare Grundausstattung:

  • Feinwaage
  • zwei hitzebeständige Bechergläser
  • Glasstab oder Silikonspatel
  • kleiner Milchaufschäumer oder Kosmetik-Emulgierer
  • Wasserbad
  • Thermometer
  • pH-Teststreifen oder pH-Messgerät
  • desinfizierter Airless-Spender oder Cremetiegel

Wer häufiger Naturkosmetik selbst herstellt, wird feststellen, dass sich diese Grundausstattung für nahezu alle Cremes und Lotionen verwenden lässt.

Schritt 1: Arbeitsplatz vorbereiten

Eine gute Creme beginnt nicht erst mit den richtigen Zutaten, sondern bereits mit sauberem Arbeiten. Reinige deshalb zunächst die Arbeitsfläche gründlich und desinfiziere anschließend alle Geräte, Bechergläser und die spätere Verpackung.

Auch die Hände sollten sorgfältig gewaschen oder – noch besser – Einmalhandschuhe getragen werden. Dieser Schritt wirkt auf den ersten Blick vielleicht übertrieben, trägt aber entscheidend dazu bei, die Keimbelastung der fertigen Creme möglichst gering zu halten.

Schritt 2: Wasser- und Fettphase erwärmen

Wiege zunächst alle Bestandteile der Wasserphase in ein Becherglas ein. In ein zweites Becherglas kommen die Zutaten der Fettphase.

Anschließend werden beide Bechergläser in ein Wasserbad gestellt und langsam auf etwa 70 °C erwärmt. Die Kaffeebutter sollte vollständig geschmolzen sein und auch der Emulgator muss sich vollständig gelöst haben.

Idealerweise erreichen beide Phasen ungefähr dieselbe Temperatur. Das erleichtert später die Bildung einer stabilen Emulsion und reduziert das Risiko, dass sich Wasser- und Fettphase wieder voneinander trennen.

Warum spielt die Temperatur überhaupt eine Rolle?

Emulgatoren entfalten ihre Eigenschaften nur unter geeigneten Bedingungen. Treffen eine heiße Fettphase und eine deutlich kühlere Wasserphase aufeinander, können sich die feinen Fetttröpfchen nicht gleichmäßig verteilen. Die Folge sind instabile Emulsionen, die später ausflocken oder sich wieder in ihre Bestandteile auftrennen können.

Temperaturen um 70 °C haben sich für viele pflanzliche Emulgatoren bewährt. Je nach verwendetem Rohstoff können die Herstellerangaben jedoch leicht davon abweichen.

Schritt 3: Die Emulsion herstellen

Sobald beide Phasen die gewünschte Temperatur erreicht haben, wird die Wasserphase langsam zur Fettphase gegeben.

Anschließend werden beide Phasen für etwa eine Minute mit einem kleinen Emulgierer miteinander vermischt. Bereits nach kurzer Zeit entsteht eine gleichmäßig weiße Emulsion.

Danach sollte die Creme nicht dauerhaft weiter gemixt, sondern langsam von Hand gerührt werden. Während des Abkühlens ordnen sich die Emulgatormoleküle neu an und stabilisieren die Emulsion. Gleichzeitig beginnt die Kaffeebutter wieder fester zu werden und verleiht der Creme nach und nach ihre endgültige Konsistenz.

Schritt 4: Hitzeempfindliche Bestandteile ergänzen

Erst wenn die Emulsion auf etwa 40 °C abgekühlt ist, werden hitzeempfindliche Zutaten eingearbeitet. Dazu gehört insbesondere das Konservierungssystem.

Soll später mit weiteren Wirkstoffen experimentiert werden, ist dies ebenfalls der richtige Zeitpunkt – vorausgesetzt, die jeweiligen Rohstoffe sind für diesen Temperaturbereich geeignet.

Schritt 5: Den pH-Wert kontrollieren

Viele Einsteigerinnen und Einsteiger verzichten auf diesen Arbeitsschritt. Dabei entscheidet der pH-Wert häufig darüber, ob eine Creme langfristig stabil bleibt und der verwendete Konservierer zuverlässig arbeiten kann.

Für unsere Rezeptur ist – abhängig vom verwendeten Konservierungssystem – meist ein leicht saurer Bereich zwischen etwa pH 5,0 und 5,5 sinnvoll. Liegt der Wert darüber, kann er vorsichtig mit stark verdünnter Milchsäure abgesenkt werden. Dabei empfiehlt es sich, immer nur wenige Tropfen zuzugeben und anschließend erneut zu messen.

Schritt 6: Abfüllen und ausreifen lassen

Die fertige Creme wird möglichst direkt nach dem Rühren in einen desinfizierten Airless-Spender oder einen sauberen Cremetiegel abgefüllt.

Obwohl sie bereits jetzt verwendet werden könnte, entwickelt sich ihre endgültige Konsistenz meist erst innerhalb der nächsten 24 Stunden. Erst dann zeigt sich, ob die Emulsion die gewünschte Cremigkeit erreicht hat.

Anwendung

Für die tägliche Pflege genügt bereits eine sehr kleine Menge. Etwa die Größe eines Reiskorns reicht in der Regel für beide Augenpartien aus.

Die Creme wird sanft entlang des knöchernen Augenrandes aufgetragen und mit den Fingerspitzen vorsichtig eingeklopft. Direkten Kontakt mit den Augen solltest Du vermeiden.

Ob die Anwendung morgens, abends oder zweimal täglich erfolgt, hängt vor allem vom persönlichen Hautgefühl ab. Bei trockener Haut kann eine Anwendung am Morgen und am Abend sinnvoll sein.

Haltbarkeit

Wird die Creme hygienisch hergestellt, korrekt konserviert und möglichst kühl sowie lichtgeschützt gelagert, ist sie in der Regel etwa drei Monate haltbar.

Verändern sich Geruch, Farbe oder Konsistenz oder zeigen sich Anzeichen einer mikrobiellen Verunreinigung, sollte das Produkt unabhängig vom Herstellungsdatum entsorgt werden.

Kann ich auf den Konservierer verzichten?

Diese Frage wird fast immer gestellt – und sie ist verständlich. Viele Menschen verbinden Naturkosmetik mit möglichst wenigen Zusatzstoffen.

Aus mikrobiologischer Sicht spricht bei einer wasserhaltigen Creme jedoch wenig dafür, auf eine Konservierung zu verzichten. Selbst unter sehr sauberen Bedingungen gelangen spätestens bei der ersten Anwendung Mikroorganismen in das Produkt. Ohne geeigneten Schutz können sie sich vermehren, auch wenn die Creme im Kühlschrank aufbewahrt wird.

Wer bewusst vollständig auf Konservierungsstoffe verzichten möchte, sollte deshalb lieber einen wasserfreien Augenbalsam herstellen. Solche Produkte bestehen ausschließlich aus Ölen und Pflanzenbuttern und benötigen aufgrund des fehlenden Wassers keine klassische Konservierung.

Die Rezeptur an die eigenen Bedürfnisse anpassen

Das vorgestellte Rezept versteht sich nicht als starre Vorgabe. Vielmehr bildet es eine ausgewogene Grundlage, die sich mit zunehmender Erfahrung an unterschiedliche Hauttypen und persönliche Vorlieben anpassen lässt. Genau darin liegt einer der größten Vorteile selbst gerührter Naturkosmetik: Man ist nicht auf eine fertige Formulierung angewiesen, sondern kann jede einzelne Komponente bewusst auswählen und verändern.

Dabei lohnt es sich allerdings, behutsam vorzugehen. Werden mehrere Zutaten gleichzeitig ausgetauscht, lässt sich später kaum noch nachvollziehen, welche Veränderung für eine andere Konsistenz, ein verändertes Hautgefühl oder eine geringere Stabilität verantwortlich ist. Wer mit Rezepturen experimentiert, sollte deshalb möglichst immer nur einen Rohstoff nach dem anderen ersetzen und die Ergebnisse sorgfältig beobachten.

Für trockene und reife Haut

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammensetzung der Haut. Die Bildung hauteigener Lipide nimmt langsam ab, gleichzeitig kann die Hornschicht Feuchtigkeit weniger gut speichern. Viele Menschen empfinden ihre Haut deshalb als trockener oder weniger geschmeidig als in jüngeren Jahren.

In diesem Fall kann die Fettphase etwas reichhaltiger gestaltet werden. Ein Teil des Aprikosenkernöls lässt sich beispielsweise durch Avocadoöl ersetzen, das aufgrund seiner Fettsäurezusammensetzung häufig als besonders pflegend beschrieben wird. Auch pflanzliches Squalan kann eine sinnvolle Ergänzung sein, da es sich leicht verteilen lässt und ein seidiges Hautgefühl hinterlässt, ohne stark zu fetten.

Soll die Creme insgesamt etwas fester werden, kann der Anteil der Kaffeebutter geringfügig erhöht werden. Gleichzeitig sollte die Menge eines flüssigen Pflanzenöls entsprechend reduziert werden, damit das Verhältnis der Fettphase erhalten bleibt.

Für normale Haut

Für normale Haut ist die vorgestellte Rezeptur bereits gut ausgewogen. Wer eine leichtere Textur bevorzugt, kann den Anteil der Kaffeebutter etwas reduzieren und stattdessen ein leichtes Pflanzenöl ergänzen. Die Creme zieht dadurch meist etwas schneller ein und wirkt weniger reichhaltig.

Für empfindliche Haut

Empfindliche Haut profitiert häufig von möglichst einfachen Rezepturen. Je weniger unterschiedliche Inhaltsstoffe enthalten sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Bestandteile Irritationen oder Kontaktallergien auslösen.

Aus diesem Grund haben wir bewusst auf ätherische Öle und weitere Duftstoffe verzichtet. Wer besonders sensibel reagiert, kann außerdem das Rosenhydrolat durch destilliertes Wasser ersetzen. Dadurch wird die Creme nahezu geruchsneutral und enthält noch weniger potenziell reizende Pflanzenbestandteile.

Wie bei jedem neuen Pflegeprodukt empfiehlt es sich, die fertige Creme zunächst an einer kleinen Hautstelle zu testen. Treten Rötungen, Brennen oder Juckreiz auf, sollte sie nicht weiter verwendet werden.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Wer beginnt, eigene Rezepturen zu entwickeln, stellt schnell fest, dass bereits kleine Änderungen deutliche Auswirkungen haben können. Ein anderes Pflanzenöl verändert nicht nur das Hautgefühl, sondern oft auch die Viskosität der Creme. Eine höhere Fettphase macht die Emulsion reichhaltiger, beeinflusst aber gleichzeitig das Einziehverhalten. Selbst die Wahl des Emulgators kann darüber entscheiden, ob sich eine Creme leicht, samtig oder eher kompakt anfühlt.

Gerade deshalb lohnt es sich, beim Selberrühren nicht einfach Zutaten auszutauschen, weil sie gerade verfügbar sind. Jede Rezeptur ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen, die aufeinander abgestimmt sein sollten. Wer diese Zusammenhänge versteht, entwickelt mit der Zeit ein gutes Gespür dafür, welche Veränderungen sinnvoll sind und welche eine Formulierung aus dem Gleichgewicht bringen können.

Was beim Selberrühren am häufigsten schiefläuft

Wenn eine Creme misslingt, liegt das erstaunlich selten an den verwendeten Rohstoffen. In den meisten Fällen sind es kleine Fehler bei der Herstellung, die später zu Problemen führen.

Ein häufiger Grund ist ungenaues Arbeiten. Bereits geringe Abweichungen beim Abwiegen können das Verhältnis zwischen Wasser- und Fettphase verändern und damit die Stabilität der Emulsion beeinflussen. Ebenso wichtig ist eine sorgfältige Temperaturführung. Sind Wasser- und Fettphase beim Emulgieren unterschiedlich warm, entstehen häufig instabile Emulsionen, die sich später wieder trennen können.

Mindestens ebenso bedeutsam ist die Hygiene. Nicht ausreichend gereinigte Arbeitsgeräte, unzureichend desinfizierte Verpackungen oder das wiederholte Entnehmen der Creme mit den Fingern erhöhen das Risiko einer mikrobiellen Verunreinigung erheblich. Auch wenn eine Creme äußerlich noch unauffällig aussieht, können sich Mikroorganismen bereits stark vermehrt haben.

Schließlich wird der pH-Wert gerade von Einsteigerinnen und Einsteigern oft unterschätzt. Dabei hängt die Wirksamkeit vieler Konservierungssysteme entscheidend davon ab, dass sich die fertige Emulsion innerhalb eines bestimmten pH-Bereichs befindet. Wer regelmäßig Naturkosmetik herstellt, sollte deshalb nicht auf eine pH-Kontrolle verzichten.

Mehr als nur ein Rezept

Vielleicht ist Dir beim Lesen aufgefallen, dass wir vergleichsweise wenig über spektakuläre Wirkstoffe und erstaunliche Anti-Aging-Effekte gesprochen haben. Das war eine bewusste Entscheidung.

Die Welt der Naturkosmetik lebt von hochwertigen Pflanzenölen, interessanten Rohstoffen und jahrhundertealten Traditionen. Gleichzeitig kursieren gerade in diesem Bereich unzählige Behauptungen, die wissenschaftlich nur unzureichend belegt oder deutlich übertrieben sind. Uns ist deshalb wichtiger, verständlich zu erklären, welche Eigenschaften ein Rohstoff tatsächlich besitzt und welche Rolle er innerhalb einer Rezeptur übernimmt.

Kaffeebutter ist dafür ein gutes Beispiel. Sie ist weder ein Wundermittel gegen Falten noch ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Augencreme. Als Teil einer sorgfältig abgestimmten Fettphase kann sie jedoch zu einer angenehmen Konsistenz und einem geschmeidigen Hautgefühl beitragen. Genau deshalb haben wir sie für dieses Rezept ausgewählt – nicht wegen außergewöhnlicher Werbeversprechen, sondern wegen ihrer Eigenschaften.

Vielleicht nimmst Du aus diesem Artikel deshalb nicht nur eine neue Rezeptur mit, sondern auch einen etwas anderen Blick auf Naturkosmetik. Wer versteht, warum eine Creme funktioniert, kann Rezepturen kritisch beurteilen, an die eigenen Bedürfnisse anpassen und Werbeaussagen besser einordnen. Und genau dieses Verständnis ist aus unserer Sicht die wichtigste Grundlage, wenn aus einzelnen Rohstoffen eine wirklich gute Hautpflege entstehen soll.

Augencreme selber machen – natürliche Pflege mit Kaffeebutter

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

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    Tolles Rezept für die Augencreme, aber kann ich die Kaffeebutter auch durch Koffeeinpulver ersetzen und in welcher Konzentration für 50 ml Creme

    1. Avatar-Foto

      Vielen Dank. Nein, eine Butter kann nicht durch ein Pulver ersetzt werden.

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