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Wie wir mit Kräutern, Pflanzenölen und einer Prise Rührmagie eine Reinigung herstellen, die wirklich wirkt
Es gibt diese Abende, an denen wir uns ein wenig abgerieben fühlen. Die Haut spannt, die Stirn ist vom Tag warm, vielleicht klebt noch Sonnencreme am Haaransatz oder ein Rest Make-up hängt im Wimpernkranz. Und dann steht da unser Spiegelbild und signalisiert uns leise: Bitte behandle mich heute gut. Genau hier beginnt der Zauber der Reinigungsmilch – nicht schäumend, nicht streng, nicht überparfümiert. Sondern sanft, cremig und überraschend wirkungsvoll.
Wenn wir Reinigungsmilch selbst herstellen, merken wir schnell, warum sie so beliebt ist: Sie ist mild, hautfreundlich, flexibel und lässt sich wunderbar mit Kräutern kombinieren, deren Wirkung wissenschaftlich gut untersucht ist. Und es macht Freude, eine Pflege zu rühren, die so individuell ist wie die eigene Haut.
In diesem ausführlichen Artikel tauchen wir gemeinsam ein – wissenschaftlich fundiert, leicht verständlich, praxisnah und mit einer ordentlichen Portion Krautgeschwister-Vibe. Wir holen uns die Pflanzenkraft in die Küche, rühren eine Emulsion, die die Hautbarriere stärkt, und lernen, worauf es bei Hygiene, pH-Wert und Konservierung wirklich ankommt.
Mach Dir einen Tee, schnapp Dir Dein Rührglas – es wird wohltuend.
Warum Reinigungsmilch? Die wissenschaftliche Seite der Sanftheit
Reinigungsmilch ist eine Emulsion aus Öl und Wasser. Im Vergleich zu Tensid-gängigen Waschgelen wirkt sie deutlich sanfter – und die Forschung zeigt klar, warum.
Die Hautbarriere liebt Lipide
Unsere Haut besteht in der obersten Schicht aus Hornzellen und Lipiden – eine Art Mauerwerk aus Ziegeln und Mörtel. Aggressive Tenside können diesen Mörtel auswaschen, was zu Trockenheit, Rötungen oder Reizungen führt.
Studien zeigen, dass lipidbasierte Reiniger wie Reinigungsmilch den Natural Moisturizing Factor (NMF) weit weniger beeinträchtigen als schäumende Produkte (Rawlings 2010; Loden 2003).
Die doppelte Löslichkeit
Öl löst fettlösliche Rückstände wie Make-up, Talg, UV-Filter.
Wasser löst wasserlösliche Verschmutzungen.
Diese duale Lösungskraft macht Reinigungsmilch zu einem sehr effektiven, aber dennoch milden Produkt.
Schutz des Mikrobioms
Eine Studie aus 2021 zeigt, dass milde, nicht schäumende Reiniger das Hautmikrobiom kaum stören (Ogawa et al. 2021).
Ein stabiles Mikrobiom unterstützt die Barrierefunktion, hemmt Entzündungen und reduziert Trockenheit.
Reinigungsmilch arbeitet also nicht gegen die Haut – sondern mit ihr.
Der pH-Wert: warum er so wichtig ist
Der natürliche pH-Wert der Haut liegt etwa zwischen 5 und 5,5. Dieser leicht saure Schutzmantel ist essenziell für:
- den Schutz vor Bakterien
- die Funktion der Enzyme in der Hautbarriere
- die Stabilität des Mikrobioms
Reinigungsmilch liegt meist automatisch im idealen Bereich von 5–6. Trotzdem lohnt es sich, beim Selbstrühren den pH-Wert zu messen. Teststreifen reichen völlig aus. Falls die Emulsion zu basisch wird (zum Beispiel durch zu viel Aloe):
- mit Milchsäure tropfenweise nachregulieren
- erneut messen
Eine gut pH-balancierte Reinigungsmilch fühlt sich weicher an, die Haut spannt weniger und regeneriert sich schneller.
Pflanzenkraft in der Reinigungsmilch – was wirklich wirkt
Pflanzen in der Hautpflege sind dann wertvoll, wenn ihre Effekte nachweisbar sind. Für Reinigungsmilch suchen wir Pflanzenstoffe, die beruhigen, antioxidativ wirken, Feuchtigkeit binden oder die Hautbarriere unterstützen.
Kamille (Matricaria chamomilla)
Chamazulen und Bisabolol wirken stark entzündungshemmend und beruhigend. Besonders geeignet für empfindliche, gereizte oder gerötete Haut.
Ringelblume (Calendula officinalis)
Ihre Triterpensaponine fördern die Wundheilung. Flavonoide wirken antimikrobiell und antioxidativ. Ideal für trockene, irritierte Haut.
Rose (Rosa damascena)
Rosenhydrolat enthält Polyphenole, die freie Radikale neutralisieren. Die leichte Adstringenz sorgt für eine zarte Glättung.
Aloe vera (Aloe barbadensis)
Aloe bindet Wasser, schützt vor Austrocknung und wirkt antiinflammatorisch. Eine gute Basis für trockene oder gestresste Haut.
Melisse (Melissa officinalis)
Antioxidativ und antiviral. Ihr Duft macht jede Reinigungsmilch zu einem kleinen aromatischen Ritual.
Weiße Lupine (Lupinus albus)
Ein Geheimtipp für reife Haut: Lupinenextrakte unterstützen die Proteinbildung in der Haut und verbessern die Mikrozirkulation.
Die richtige Ölwahl – der Feinabstimmer für jede Haut
Öle beeinflussen die Reinigungsleistung, das Hautgefühl und den Pflegeaspekt der Emulsion.
Für trockene Haut:
Mandelöl, Avocadoöl, Pflaumenkernöl
Für sensible Haut:
Jojobaöl, Hanföl
Für reife Haut:
Arganöl, Granatapfelkernöl, Nachtkerzenöl
Für unreine/fettige Haut:
Traubenkernöl, Aprikosenkernöl
Ölsäurereiche Öle wirken weichmachend.
Linolsäurereiche Öle verbessern die Barriere.
Je nach Hauttyp entscheidet das Fettsäureprofil darüber, wie gut die Reinigungsmilch vertragen wird.
Hygiene beim Rühren – die wichtigste Grundlage
Eine Reinigungsmilch enthält Wasser und ist damit perfekter Nährboden für Keime. Gute Hygiene ist daher kein „nice to have“, sondern Pflicht.
Daran orientieren wir uns:
- Arbeitsfläche und Werkzeuge desinfizieren
- Glasflaschen auskochen oder mit Alkohol ausspülen
- Hände gründlich reinigen oder Handschuhe tragen
- Wasser- und Ölphase jeweils erhitzen (Kurzzeitpasteurisierung)
- Wirkstoffe erst unter 40 Grad hinzufügen
- möglichst luftdichte Spender verwenden
Eine hygienisch hergestellte Emulsion hält länger, riecht sauberer und ist sicherer für die Haut.
Konservierung – was wirklich zuverlässig ist
Viele DIY-Anleitungen führen in die Irre. Deshalb klar und deutlich:
Zuverlässige Konservierer (Naturkosmetik-geeignet)
Rokonsal (Dermosoft 1388 eco)
Einer der verbreitetsten, sehr gut verträglichen Konservierer in der DIY-Naturkosmetik.
Geogard 221 (Cosgard)
Mild, effektiv, breit einsetzbar. In vielen Naturkosmetikprodukten zugelassen.
Wie erkenne ich, dass eine Emulsion kippt?
- Veränderter, oft säuerlicher oder „dumpfer“ Geruch
- Schlierenbildung
- Gasbläschen
- veränderte Farbe
- veränderte Textur, z. B. flockig
Wenn eines dieser Zeichen auftritt: bitte entsorgen.
Das Basisrezept für selbstgemachte Reinigungsmilch
Wasserphase
60 ml Rosen- oder Kamillenhydrolat
5 ml Aloe-vera-Gel (nicht frisch von der Pflanze!)
Ölphase
30 ml Jojoba- oder Mandelöl
3 g Emulgator (z. B. Emulsan oder Lecithin, Menge bitte immer passend berechnen)
Wirkstoff- und Konservierungsphase
5–10 Tropfen Calendulaextrakt
3 Tropfen Vitamin E
1–2 Tropfen ätherisches Öl (optional)
Konservierer nach Herstellerangabe, z. B.:
– Rokonsal (Dermosoft 1388 eco): 3,0–4,0 %
– Cosgard/Geogard 221: 0,8–1,2 %
(Dosierung immer exakt nach Herstellerangabe – je nach Charge oder Marke leicht unterschiedlich.)
Zubereitung
Wasserphase und Ölphase getrennt auf etwa 70 Grad erhitzen. Ölphase langsam in die Wasserphase einrühren. Während des Abkühlens rühren, bis die Emulsion cremig wird.
Unter 40 Grad Wirkstoffe und Konservierer einarbeiten.
Zum Schluss pH-Wert prüfen (Zielbereich 5–5,5) und ggf. mit Milchsäure tropfenweise nachregulieren.
Haltbarkeit
Mit korrekter Konservierung und hygienischem Arbeiten ca. 3 Monate, kühl und dunkel gelagert.
Ohne Konservierung: maximal 7–10 Tage, bitte im Kühlschrank.
Ultra Sensitive – die minimalistische Variante für extrem empfindliche Haut
Viele Menschen reagieren nicht auf die Öle, sondern auf Extrakte, Aloe oder ätherische Öle. Für sie gibt es eine Variante, die nahezu jeder verträgt.
Minimalrezept:
- 60 ml Kamillen- oder Melissenhydrolat
- 30 ml Jojobaöl
- 3 g Lecithin
- 2–3 Tropfen Vitamin E
- Konservierer nach Herstellerangabe
Eine sanfte, nicht irritierende Emulsion, die ohne Duftstoffe und komplexe Wirkstoffe auskommt.
Anwendung – kleine Geste, große Wirkung
Reinigungsmilch funktioniert am besten auf trockener Haut. Eine kleine Menge reicht vollkommen aus.
Das wichtigste ist die Massage: Durch sie verbindet sich die Emulsion mit dem „Schmutzfilm“ des Tages. Danach mit einem warmen, weichen Tuch abnehmen.
Die Haut reagiert meist schon nach ein paar Tagen:
- weniger Spannungsgefühl
- weniger Rötungen
- ein geschmeidigeres Hautgefühl
- bessere Aufnahme der nachfolgenden Pflege
Wer möchte, kann im Anschluss mit einem Hydrolat nachwischen.
Rezeptvariationen für verschiedene Hauttypen
Trockene Haut
Rosenhydrolat, Mandelöl, etwas Aloe, Calendulaextrakt
Sensible Haut
Kamille, Jojobaöl, Haferextrakt, Melisse
Reife Haut
Arganöl, Rosengeranie, Lupinenextrakt, Vitamin E
Unreine Haut
Traubenkernöl, Salbeihydrolat (sparsam), Propolisextrakt
Nachhaltigkeit – die stille Schönheit hinter Reinigungsmilch
Was selbstgerührte Reinigungsmilch besonders macht:
- keine Mikroplastikpartikel
- keine unnötigen Duft- oder Farbstoffe
- wiederverwendbare Glasflaschen
- regionale Kräuter
- durchdachte, kurze Zutatenlisten
Das alles macht Reinigungsmilch nicht nur gut für die Haut, sondern auch für die Umwelt.
DIY-Experimente – entdecke Deine perfekte Reinigungsmilch
Es macht Spaß, in kleinen Mengen zu experimentieren:
- Hydrolate wöchentlich wechseln
- verschiedene Öle testen
- einen Teelöffel Hafermehl integrieren
- einmal komplett duftfrei rühren
Die Haut gibt meist nach wenigen Tagen ein deutliches Feedback.
Gegenanzeigen & Vorsichtshinweise
- Menschen mit Korbblütler-Allergie sollten Kamille und Calendula meiden
- ätherische Öle können reizen
- Aloe vera kann bei sensibler Haut kribbeln
- schwere Öle können Komedonen fördern
- unkonservierte Reinigungsmilch ist nur wenige Tage haltbar
Wenn sich Rötungen, Brennen oder vermehrte Unreinheiten zeigen: Rezeptur entschlacken oder Wirkstoffe einzeln testen.

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