Hairoiling

Hairoiling

Pflanzenöle für Haare und Kopfhaut wissenschaftlich erklärt – Wirkung, Anwendung und moderne Forschung rund um Hairoiling

Es gibt diese Momente im Badezimmer, in denen man sich fragt, wie Haarpflege eigentlich so kompliziert werden konnte. Seren für die Spitzen, Peelings für die Kopfhaut, Hitzeschutz, Leave-in-Produkte, Haarmasken, Silikone gegen Frizz, Koffein-Shampoos gegen Haarausfall und irgendwo dazwischen eine völlig überforderte Kopfhaut, die wahrscheinlich einfach gern in Ruhe gelassen werden möchte.

Und dann taucht plötzlich ein uraltes Ritual wieder auf: Hairoiling. Pflanzenöl auf Haare und Kopfhaut auftragen. Massieren. Einwirken lassen. Fertig.

Was zunächst wie ein weiterer Social-Media-Trend aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als erstaunlich spannendes Zusammenspiel aus traditioneller Pflanzenkunde, moderner Dermatologie und Biochemie. Denn viele Pflanzenöle können tatsächlich weit mehr, als Haare nur oberflächlich glänzend aussehen zu lassen. Manche beeinflussen die Haarstruktur, andere stabilisieren die Hautbarriere der Kopfhaut, reduzieren Entzündungsprozesse oder schützen vor oxidativem Stress. Einige werden inzwischen sogar in Studien zum Haarwachstum untersucht.

Besonders faszinierend ist dabei, dass traditionelle Anwendungen plötzlich wissenschaftlich nachvollziehbar werden. Ayurvedische Kopfölungen existieren seit Jahrhunderten. Heute sprechen Forschende über Lipidbarrieren, freie Radikale, Mikrozirkulation und entzündliche Signalwege im Haarfollikel – und landen dabei erstaunlich oft bei denselben Pflanzen.

Und nein: Hairoiling bedeutet nicht, tagelang mit fettigen Haaren herumzulaufen oder sich literweise Öl auf den Kopf zu kippen. Gute Haarölpflege hat erstaunlich wenig mit „mehr hilft mehr“ zu tun und sehr viel mit Biologie.

Warum Haare überhaupt Öl brauchen

Unsere Kopfhaut produziert natürlicherweise Sebum, also Hauttalg. Dieses Fettgemisch ist kein störendes Nebenprodukt, sondern ein hochentwickeltes Schutzsystem. Es hält die Kopfhaut geschmeidig, reduziert Feuchtigkeitsverlust und schützt Haare vor mechanischer Belastung.

Problematisch wird es erst, wenn dieses System dauerhaft gestört wird. Genau das passiert heute allerdings ständig. Häufiges Haarewaschen mit aggressiven Tensiden, trockene Heizungsluft, UV-Strahlung, Haarfärbungen, Glätteisen, Salzwasser oder Luftverschmutzung greifen die natürliche Lipidbarriere massiv an.

Die Folge merkt fast jede:r irgendwann:

  • trockene Spitzen
  • stumpfes Haar
  • Haarbruch
  • gereizte Kopfhaut
  • Spannungsgefühl
  • Frizz
  • Schuppen

Interessanterweise reagieren Haare biologisch ähnlich wie Haut. Wird die schützende Fettbarriere zerstört, steigt die Anfälligkeit für Schäden deutlich an.

Hier kommen Pflanzenöle ins Spiel. Sie können verlorene Lipide teilweise ersetzen, die Haaroberfläche schützen und in manchen Fällen sogar tief in die Haarfaser eindringen.

Haare sind nicht gleich Haare

Ein Punkt fehlt in fast allen Hairoiling-Trends: Nicht jedes Haar reagiert gleich auf Öl.

Das liegt unter anderem an der sogenannten Haarporosität. Sie beschreibt, wie offen oder geschlossen die äußere Schuppenschicht des Haares ist.

Haare mit niedriger Porosität besitzen eine eher geschlossene Struktur. Sie nehmen Feuchtigkeit und Öle schlechter auf. Schwere Öle können hier schnell fettig oder strähnig wirken.

Haare mit hoher Porosität – etwa durch Blondierungen, Locken oder Hitzeschäden – haben dagegen eine offenere Struktur. Sie verlieren leichter Feuchtigkeit und profitieren oft stärker von schützenden Pflanzenölen.

Genau deshalb schwören manche Menschen auf Kokosöl, während andere damit aussehen, als hätten sie versehentlich Frittierfett benutzt.

Welches Haaröl passt zu welchem Haartyp?

Genau hier wird Hairoiling wirklich interessant. Denn eines der größten Missverständnisse rund um Haaröle ist die Vorstellung, dass jedes Öl für jeden Menschen gleich gut funktioniert. Tatsächlich unterscheiden sich Pflanzenöle biochemisch enorm. Manche dringen tief in die Haarstruktur ein, andere wirken eher wie ein schützender Mantel auf der Oberfläche. Einige beruhigen empfindliche Kopfhaut, andere können bei sensibler Haut sogar irritierend wirken.

Und genau deshalb lieben manche Menschen Kokosöl, während andere nach der ersten Anwendung das Gefühl haben, ihre Haare hätten plötzlich das Gewicht eines nassen Wollpullovers angenommen und wieder anderen trocknet Kokosöl auf Dauer die Haut merkbar aus.

Wer Hairoiling sinnvoll nutzen möchte, sollte deshalb nicht nur auf Trends schauen, sondern verstehen, wie unterschiedliche Öle funktionieren und zu welchem Haar- und Kopfhauttyp sie passen.

Kokosöl – ideal für trockenes, strapaziertes und lockiges Haar

Kokosöl gehört zu den wenigen Pflanzenölen, die tatsächlich tief in die Haarfaser eindringen können. Verantwortlich dafür ist vor allem die enthaltene Laurinsäure. Studien zeigen, dass Kokosöl den Proteinverlust der Haare reduzieren kann – besonders vor oder nach dem Waschen.

Das macht es vor allem für trockene, spröde oder chemisch belastete Haare interessant. Auch lockiges Haar profitiert häufig von Kokosöl, weil Locken von Natur aus stärker zu Feuchtigkeitsverlust neigen.

Bei sehr feinem oder schnell fettendem Haar kann Kokosöl allerdings schnell beschweren. Hier reichen oft wenige Tropfen völlig aus. Manche Menschen vertragen es auch gar nicht und berichten über strohiges Haargefühl und trockene Kopfhaut. Das liegt vermutlich daran, dass Kokosöl bei bestimmten Haar- und Hautstrukturen zu stark in die Faser eingreift und das Gleichgewicht von Feuchtigkeit und Proteinen beeinflusst.

Jojobaöl – der Allrounder für empfindliche Kopfhaut

Streng genommen ist Jojobaöl biologisch gesehen gar kein klassisches Öl, sondern ein flüssiges Wachs. Genau deshalb ähnelt es dem menschlichen Hauttalg erstaunlich stark.

Jojobaöl wirkt meist leicht, reizarm und barrierestabilisierend. Viele Menschen mit empfindlicher oder schnell irritierter Kopfhaut vertragen es deutlich besser als schwerere Öle. Auch bei fettiger Kopfhaut kann Jojobaöl sinnvoll sein, weil es die Haut oft weniger „überpflegt“.

Für feines Haar eignet sich Jojobaöl meist deutlich besser als Kokos- oder Rizinusöl. Es hinterlässt weniger Schwere und wirkt eher regulierend als okklusiv.

Arganöl – antioxidativer Schutz für stumpfes Haar

Arganöl wurde lange fast ausschließlich als Luxus-Kosmetik vermarktet, biologisch betrachtet ist es aber tatsächlich interessant. Es enthält hohe Mengen antioxidativer Tocopherole sowie ungesättigte Fettsäuren, die die Haaroberfläche glätten und vor oxidativem Stress schützen können.

Besonders geeignet ist Arganöl für:

  • stumpfes Haar
  • trocken wirkende Längen
  • UV-belastetes Haar
  • glanzloses Haar
  • leicht strapazierte Spitzen

Arganöl ist vergleichsweise leicht und eignet sich deshalb auch gut als Leave-in-Öl in kleinen Mengen.

Rizinusöl – intensiv, schwer und oft missverstanden

Kaum ein Öl hat online einen solchen Mythos entwickelt wie Rizinusöl. Auf Social Media wird es oft fast wie ein Wundermittel für explosionsartiges Haarwachstum dargestellt.

Die wissenschaftliche Datenlage dafür bleibt allerdings begrenzt. Trotzdem besitzt Rizinusöl interessante Eigenschaften. Es enthält viel Ricinolsäure und bildet einen sehr dichten Schutzfilm auf Haut und Haaren. Dadurch wirkt es stark okklusiv und reduziert Feuchtigkeitsverlust.

Gerade dickes, trockenes oder lockiges Haar kann davon profitieren. Für feines Haar ist Rizinusöl dagegen oft zu schwer. Pur angewendet wirkt es schnell klebrig und lässt sich schwer auswaschen. In der Praxis funktionieren Mischungen meist deutlich besser als reines Rizinusöl.

Rosmarinöl – spannend bei dünner werdendem Haar

Rosmarinöl gehört zu den wenigen ätherischen Ölen, die inzwischen ernsthaft wissenschaftlich untersucht werden. Besonders interessant erscheint sein möglicher Einfluss auf Mikrozirkulation und entzündliche Prozesse der Kopfhaut.

Geeignet ist Rosmarinöl vor allem für Menschen mit:

  • diffusem Haarausfall
  • dünner werdendem Haar
  • müder Kopfhaut
  • fettiger Kopfhaut

Wichtig ist allerdings: Ätherisches Rosmarinöl sollte niemals pur verwendet werden. Bereits wenige Tropfen in einem Trägeröl reichen völlig aus.

Empfindliche Haut kann auf Rosmarinöl mit Reizungen reagieren. Gerade bei Psoriasis, Neurodermitis oder sensibler Kopfhaut ist Vorsicht sinnvoll.

Mandelöl – sanfte Pflege für empfindliche Haare

Mandelöl gehört zu den mildesten Haarölen überhaupt. Es enthält relativ viele ungesättigte Fettsäuren und wird von empfindlicher Haut oft gut vertragen.

Seine Wirkung ist weniger spektakulär als die von Kokos- oder Rizinusöl, dafür eignet es sich hervorragend für Menschen, die erstmals mit Hairoiling beginnen möchten.

Besonders geeignet ist Mandelöl bei:

  • empfindlicher Kopfhaut
  • feinem Haar
  • leicht trockenen Spitzen
  • sensibler Haut
  • Kinderhaarpflege

Traubenkernöl – leichtes Öl für schnell fettende Haare

Traubenkernöl wird erstaunlich selten erwähnt, obwohl es für fettige oder feine Haare oft hervorragend funktioniert. Es ist leicht, zieht schnell ein und enthält antioxidative Polyphenole.

Menschen, die schwere Öle nicht vertragen, kommen mit Traubenkernöl häufig deutlich besser zurecht. Gerade bei schnell fettender Kopfhaut kann es eine interessante Alternative zu reichhaltigeren Ölen sein.

Amlaöl – traditionelle Pflanzenpflege mit modernen Ansätzen

Amlaöl stammt aus der ayurvedischen Tradition und wird aus der indischen Stachelbeere hergestellt. Es enthält zahlreiche antioxidative Pflanzenstoffe und wird traditionell bei vorzeitigem Ergrauen und zur allgemeinen Kopfhautpflege eingesetzt.

Besonders spannend ist hier der hohe Gehalt an Polyphenolen. Diese Stoffe könnten oxidativen Stress der Haarfollikel reduzieren.

Der intensive Geruch von Amlaöl ist allerdings nicht jedermanns Sache. Manche lieben ihn, andere fühlen sich spontan an eine sehr ambitionierte Kräuterküche erinnert.

Nicht jedes Öl passt zu jedem Haar

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis beim Hairoiling: Es gibt kein universell perfektes Öl. Haare reagieren individuell, weil Haarstruktur, Kopfhaut, Genetik, Pflegegewohnheiten und sogar Klima eine Rolle spielen.

Deshalb lohnt sich Beobachtung deutlich mehr als blindes Nachmachen von Trends. Oft zeigt erst die Praxis, welche Pflanzenöle dem eigenen Haar tatsächlich guttun.

Haarfaser und Haarwurzel – ein wichtiger Unterschied

Hier lohnt ein kurzer biologischer Realitätscheck. Die sichtbaren Haarlängen bestehen aus abgestorbenem Keratin. Haare können deshalb streng genommen nicht „heilen“.

Wenn ein Produkt behauptet, kaputte Spitzen zu reparieren, ist Vorsicht angebracht. Meist wird die Oberfläche lediglich geglättet oder mit einem Film überzogen.

Das bedeutet aber nicht, dass Haaröle wirkungslos wären. Im Gegenteil.

Öle können:

  • Proteinverlust reduzieren
  • Haarbruch vermindern
  • Feuchtigkeitsverlust verringern
  • Reibung minimieren
  • die Schuppenschicht schützen

Dadurch wirken Haare oft kräftiger, gesünder und dichter. Das ist ein realer Effekt – nur eben kein magisches „Reparieren“.

Das eigentliche Haarwachstum entsteht dagegen tief in der Haarwurzel. Dort sitzen hochaktive Zellen, die extrem empfindlich auf Hormone, Entzündungen, oxidativen Stress und Durchblutung reagieren. Und genau deshalb interessiert sich inzwischen auch die Forschung für bestimmte Pflanzenöle.

Die Wissenschaft hinter Hairoiling

Lange galt Haaröl eher als traditionelle Schönheitspflege. Inzwischen beschäftigen sich aber Dermatologie und Trichologie zunehmend mit pflanzlichen Ölen.

Besonders intensiv untersucht wird oxidativer Stress. Freie Radikale können Haarfollikel schädigen und stehen vermutlich auch mit androgenetischem Haarausfall in Verbindung.

Viele Pflanzenöle enthalten antioxidative Stoffe wie:

Diese Substanzen könnten Haarfollikel vor oxidativen Schäden schützen.

Spannend ist auch der Einfluss auf Entzündungsprozesse. Chronische Mikroentzündungen der Kopfhaut könnten bei diffusem Haarausfall, sensibler Kopfhaut oder Schuppen eine Rolle spielen.

Einige Pflanzenstoffe zeigen hier entzündungshemmende Effekte.

Rosmarinöl und Haarwachstum – was Studien wirklich zeigen

Kaum ein Öl wird derzeit so gehypt wie Rosmarinöl. Tatsächlich existiert hierzu inzwischen eine oft zitierte Studie aus dem Jahr 2015. Dort wurde Rosmarinöl über sechs Monate mit Minoxidil 2 Prozent verglichen – einem klassischen Arzneistoff gegen Haarausfall.

Das Ergebnis war bemerkenswert: Beide Gruppen zeigten ähnliche Verbesserungen der Haardichte. Gleichzeitig traten bei Rosmarinöl weniger Nebenwirkungen wie Juckreiz auf.

Die Forschenden vermuten mehrere Mechanismen:

  • verbesserte Mikrozirkulation
  • antioxidative Effekte
  • entzündungshemmende Eigenschaften
  • Einfluss auf Wachstumsfaktoren der Haarwurzel

Das bedeutet allerdings nicht, dass Rosmarinöl plötzlich ein Wundermittel gegen jede Form von Haarausfall wäre. Die Studienlage bleibt noch begrenzt. Aber sie zeigt deutlich: Pflanzenstoffe können pharmakologisch relevante Effekte besitzen.

Pfefferminzöl – kühlender Effekt mit biologischer Wirkung

Auch Pfefferminzöl wird intensiv untersucht. In Tierstudien zeigte sich teilweise eine verstärkte Durchblutung und eine verlängerte Wachstumsphase der Haare.

Verantwortlich dürfte vor allem Menthol sein. Es aktiviert bestimmte Rezeptoren der Haut und erzeugt das typische Kältegefühl. Viele Menschen interpretieren dieses Kribbeln sofort als „das wirkt“. Tatsächlich kann zu viel Pfefferminzöl die Kopfhaut aber auch reizen. Gerade ätherische Öle werden häufig massiv überdosiert.

Penetrating Oils vs. Sealing Oils

Ein enorm wichtiger Unterschied, über den viel zu selten gesprochen wird. Nicht jedes Öl verhält sich biologisch gleich. Einige Öle können in die Haarstruktur eindringen. Andere bleiben überwiegend auf der Oberfläche und wirken dort schützend.

Kokosöl gilt als klassisches „penetrating oil“. Seine Laurinsäure besitzt eine Molekülstruktur, die tief in die Haarfaser eindringen kann. Studien zeigen, dass Kokosöl den Proteinverlust der Haare vor und nach dem Waschen reduziert.

Jojobaöl funktioniert dagegen anders. Es ähnelt dem menschlichen Hauttalg und wirkt eher barrierestabilisierend auf der Oberfläche.

Arganöl punktet vor allem durch antioxidative Tocopherole.

Rizinusöl bildet eher einen schweren Schutzfilm und reduziert Verdunstung.

Genau deshalb reagieren unterschiedliche Haare so unterschiedlich auf verschiedene Öle.

Hairoiling und Stress – ein unterschätzter Zusammenhang

Hier wird das Thema plötzlich größer als reine Kosmetik. Chronischer Stress beeinflusst nachweislich den Haarzyklus. Hohe Cortisolspiegel, Schlafmangel und entzündliche Prozesse können diffusem Haarausfall Vorschub leisten.

Gleichzeitig wirken Berührung und langsame Kopfhautmassagen auf das vegetative Nervensystem. Viele Menschen merken bereits nach wenigen Minuten, wie Spannung abnimmt. Vielleicht ist genau das einer der unterschätztesten Effekte von Hairoiling: Dieses Ritual zwingt uns für einen Moment zur Langsamkeit.

Nicht alles daran lässt sich in Milligramm messen. Aber genau deshalb ist es nicht automatisch unwissenschaftlich.

Warum Kopfhautmassagen wahrscheinlich wichtiger sind als gedacht

Eine kleine Studie zeigte sogar, dass regelmäßige Kopfhautmassagen die Haardicke erhöhen könnten. Mechanischer Druck beeinflusst offenbar bestimmte Signalwege der Haarwurzel. Gleichzeitig verbessert sich die lokale Durchblutung.

Das bedeutet nicht, dass man die Kopfhaut aggressiv bearbeiten sollte. Im Gegenteil. Zu kräftige Massagen können Haare sogar mechanisch schädigen. Sanfter Druck reicht völlig aus.

DIY-Hairoiling – eine moderne Mischung für Zuhause

Für ein gutes Haaröl braucht niemand Luxusprodukte mit Rosenquarz-Roller und Marketingpoesie. Eine einfache Mischung reicht völlig.

Beruhigendes Kopfhautöl

Alles in eine dunkle Glasflasche geben und leicht erwärmen. Dann mit den Fingerspitzen sanft in die Kopfhaut einmassieren. Nicht kratzen. Nicht rubbeln. Nicht die halbe Flasche verwenden.

Die Mischung mindestens 30 Minuten einwirken lassen oder über Nacht anwenden.

Wann Hairoiling problematisch sein kann

Das wird online oft komplett verschwiegen. Nicht jede Kopfhaut profitiert automatisch von Öl. Bei seborrhoischer Dermatitis etwa spielt häufig der Hefepilz Malassezia eine Rolle. Manche Öle könnten dieses Milieu sogar verschlechtern.

Auch bei:

  • Psoriasis
  • atopischer Haut
  • Follikulitis
  • Kontaktallergien
  • stark entzündlicher Kopfhaut

ist Vorsicht sinnvoll. Gerade ätherische Öle können Kontaktreaktionen auslösen. Ein Patchtest ist deshalb immer sinnvoll.

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Warum manche Menschen plötzlich mehr Haare verlieren

Das sorgt regelmäßig für Panik. Nach Beginn von Hairoiling berichten manche Menschen über vermehrten Haarausfall. Häufig handelt es sich dabei allerdings um Haare, die sich ohnehin bereits in der sogenannten Telogenphase befanden. Die Massage löst diese Haare lediglich früher aus.

Natürlich können aber auch Probleme dahinterstecken:

  • zu aggressive Massage
  • irritierende ätherische Öle
  • Unverträglichkeiten
  • falsches Auswaschen
  • bereits bestehender Haarausfall

Deshalb lohnt Beobachtung statt blinder Trendgläubigkeit.

Haare altern ebenfalls

Ein faszinierender Forschungsbereich ist das sogenannte Hair Aging. Haare und Haarfollikel altern biologisch. UV-Strahlung, Luftverschmutzung, oxidativer Stress und chronische Entzündungen beeinflussen den gesamten Haarzyklus. Hier geraten antioxidative Pflanzenstoffe zunehmend in den Fokus.

Besonders spannend: Viele traditionelle Haaröle enthalten genau solche Stoffe bereits seit Jahrhunderten. Manchmal holt die moderne Forschung alte Pflanzenkunde einfach nur wieder ein.

UV-Strahlung und Haaröle

Auch das ist ein oft übersehener Punkt. UV-Strahlung schädigt nicht nur Haut, sondern auch Haare. Haarproteine können oxidieren, die Haaroberfläche wird rauer und Feuchtigkeit geht verloren. Einige Pflanzenöle könnten hier teilweise schützen, indem sie oxidativen Stress reduzieren.

Gleichzeitig oxidieren manche empfindliche Öle selbst relativ schnell. Deshalb sollten hochwertige Öle möglichst dunkel und kühl gelagert werden. Ranziges Öl gehört definitiv nicht auf die Kopfhaut.

Weniger aggressive Haarpflege – vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt

Manchmal entsteht der größte Effekt nicht durch ein neues Produkt, sondern durch das Weglassen problematischer Routinen. Viele moderne Haarpflegeprodukte entfetten die Kopfhaut extrem stark. Die Folge: Die Haut produziert oft noch mehr Sebum als Gegenreaktion.

Traditionelle Haarpflege war häufig deutlich weniger aggressiv. Hairoiling erinnert uns daran, dass Pflege nicht immer bedeutet, möglichst viel zu entfernen. Manchmal braucht die Kopfhaut schlicht Schutz statt Dauerreinigung.

Ein kleines Experiment für Euch

Wenn Ihr Hairoiling ausprobiert, beobachtet einmal bewusst:

Wie fühlt sich Eure Kopfhaut direkt nach der Massage an? Verändert sich das Spannungsgefühl? Müssen die Haare eventuell seltener gewaschen werden? Wirken die Spitzen weniger trocken? Wird die Kopfhaut ruhiger?

Solche Veränderungen passieren oft langsam. Gerade deshalb werden sie leicht übersehen.

Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke von Hairoiling. Nicht im schnellen Vorher-Nachher-Effekt, sondern in der langfristigen Veränderung des biologischen Umfelds der Kopfhaut.

Zwischen Pflanzenkunde, Dermatologie und moderner Selbstfürsorge entsteht hier plötzlich etwas überraschend Sinnvolles: eine Form der Haarpflege, die weder mystifiziert noch rein kosmetisch gedacht werden muss. Manchmal reichen eben wenige Tropfen Pflanzenöl, ein bisschen Wissen über Hautbarrieren und zehn ruhige Minuten, um zu merken, dass gute Pflege oft deutlich weniger spektakulär ist als die Werbung uns glauben machen möchte.

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