Inhaltsverzeichnis
Schmerzzeichen, Ursachen, Behandlung und pflanzliche Begleitung
Ein Hund, der plötzlich nicht mehr auf das Sofa springt, ist vielleicht einfach älter geworden. Eine Katze, die sich unter dem Bett verkriecht, hat womöglich nur schlechte Laune. Und wenn der sonst so freundliche Vierbeiner beim Streicheln knurrt oder faucht, war ihm die Berührung vermutlich gerade unangenehm. Solche Erklärungen liegen nahe – und manchmal stimmen sie sogar. Häufig steckt hinter einer scheinbar kleinen Verhaltensänderung jedoch Schmerz.
Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen: Hund und Katze können uns nicht sagen, wo es wehtut, wie stark der Schmerz ist oder ob er brennt, zieht, pocht oder sticht. Sie zeigen ihn auf ihre Weise. Manche Tiere werden unruhig, andere ziehen sich zurück. Einige lahmen deutlich, während andere lediglich langsamer laufen, weniger spielen oder plötzlich unsauber werden.
Schmerzmedizin bei Tieren hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Schmerzen gelten heute nicht mehr als unvermeidbare Begleiterscheinung von Operationen, Alter oder Erkrankungen, sondern als eigenständiges gesundheitliches Problem, das erkannt, beurteilt und behandelt werden muss. Internationale tiermedizinische Leitlinien empfehlen deshalb eine systematische Schmerzerfassung und eine individuell zusammengestellte, multimodale Therapie. Dabei werden mehrere Behandlungsansätze kombiniert, die an unterschiedlichen Stellen der Schmerzentstehung ansetzen.
Die Wirksamkeit tierärztlich eingesetzter Schmerzmittel ist je nach Wirkstoff und Erkrankung gut bis sehr gut untersucht. Für physiotherapeutische Maßnahmen, Gewichtsmanagement und bestimmte Anpassungen im Alltag gibt es ebenfalls überzeugende Erkenntnisse. Deutlich dünner ist die Datenlage bei Heilpflanzen, Pflanzenextrakten und vielen Nahrungsergänzungsmitteln. Einige Präparate zeigen interessante Ergebnisse, vor allem bei Hunden mit Arthrose. Sie können eine fachgerecht geplante Schmerztherapie jedoch ergänzen, nicht pauschal ersetzen.
Schmerz ist mehr als ein Signal aus dem verletzten Körperteil
Wir stellen uns Schmerz gern wie eine Alarmanlage vor: Irgendwo wird Gewebe verletzt, ein Nerv meldet den Schaden ans Gehirn und dort entsteht das Schmerzgefühl. Im Grundsatz stimmt das, doch das tatsächliche System ist wesentlich raffinierter.
Spezialisierte freie Nervenendigungen, die Nozizeptoren, reagieren auf potenziell schädliche Reize. Das können starke Hitze, Kälte, Druck, Verletzungen oder entzündliche Botenstoffe sein. Die entstehenden elektrischen Signale wandern über Nervenfasern zum Rückenmark und von dort weiter in verschiedene Bereiche des Gehirns. Erst dort wird aus der eingehenden Information ein individuelles Schmerzerleben.
Die Nozizeption, also die Aufnahme und Weiterleitung schädigender Reize, ist deshalb nicht dasselbe wie Schmerz. Ein Körper kann Signale verarbeiten, während das Tier unter Narkose kein bewusstes Schmerzerleben hat. Umgekehrt kann ein Tier Schmerzen empfinden, obwohl sich keine akute Verletzung mehr erkennen lässt. Das Nervensystem ist kein passives Kabel, sondern verändert und bewertet Informationen fortlaufend.
Angst, Stress, Schlafmangel, frühere Erfahrungen und die Umgebung können die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Das bedeutet nicht, dass Schmerzen „nur psychisch“ wären. Vielmehr arbeiten Nervensystem, Immunsystem, Hormone und emotionale Zentren eng zusammen. Ein verängstigtes Tier in einer fremden Praxis kann Schmerzen anders zeigen als zu Hause. Manche Hunde wirken dort plötzlich erstaunlich beweglich, während Katzen häufig so still werden, dass ihr Unwohlsein leicht unterschätzt wird.
Akuter Schmerz schützt – chronischer Schmerz verändert
Akuter Schmerz erfüllt eine wichtige Schutzfunktion. Er sorgt dafür, dass ein verletztes Bein geschont, eine Wunde nicht ständig beleckt oder ein entzündeter Körperbereich möglichst wenig belastet wird. Typische Auslöser sind Operationen, Unfälle, Bissverletzungen, akute Entzündungen, Harnwegsprobleme, Erkrankungen der Zähne oder der Bauchorgane.
Wird die Ursache behandelt und heilt das Gewebe, klingt normalerweise auch der Schmerz wieder ab. Eine gute Schmerztherapie ist trotzdem wichtig. Sie vermindert Leiden, erleichtert die Erholung und kann verhindern, dass das Nervensystem über längere Zeit mit starken Schmerzsignalen überflutet wird.
Chronischer Schmerz besteht dagegen über Wochen oder Monate. Er begleitet beispielsweise Arthrose, Wirbelsäulenerkrankungen, chronische Entzündungen, Tumorerkrankungen oder Nervenschäden. Mit der Zeit kann sich die Reizverarbeitung verändern. Nervenzellen reagieren dann leichter und stärker, vergleichbar mit einem Rauchmelder, der irgendwann nicht mehr nur bei dichtem Rauch, sondern bereits beim Toasten losschrillt.
Diese verstärkte Reaktionsbereitschaft wird als Sensibilisierung bezeichnet. Bei einer peripheren Sensibilisierung werden die Schmerzrezeptoren im betroffenen Gewebe empfindlicher. Bei einer zentralen Sensibilisierung verändern sich Verarbeitungsprozesse im Rückenmark und Gehirn. Reize, die normalerweise kaum stören, können nun schmerzhaft werden. Eine leichte Berührung, das Bürsten oder das Anlegen eines Geschirrs reicht dann möglicherweise aus, um Abwehrverhalten auszulösen.
Chronischer Schmerz ist damit nicht einfach akuter Schmerz, der länger dauert. Er kann zu einer eigenständigen Erkrankung werden und das Verhalten, den Schlaf, die Bewegungsabläufe, den Appetit und die soziale Interaktion verändern.
Wie Hund und Katze Schmerzen zeigen
Ein Tier muss nicht winseln oder laut miauen, um Schmerzen zu haben. Lautäußerungen treten zwar auf, sind aber als alleiniger Maßstab unzuverlässig. Besonders chronische Schmerzen entwickeln sich schleichend. Viele Veränderungen werden deshalb zunächst dem Alter, dem Charakter oder einer vermeintlichen Sturheit zugeschrieben.
Beim Hund können Schmerzen unter anderem durch folgende Veränderungen auffallen:
- Lahmheit, steifer Gang oder verkürzte Schritte
- Schwierigkeiten beim Aufstehen, Hinlegen oder Treppensteigen
- Vermeiden von Sprüngen ins Auto oder auf Möbel
- häufiges Wechseln des Liegeplatzes
- Unruhe, Hecheln oder Zittern ohne erkennbare äußere Ursache
- übermäßiges Belecken oder Beknabbern einer Körperstelle
- gekrümmte Körperhaltung oder angespannte Bauchmuskulatur
- weniger Spielfreude und geringere Ausdauer
- Rückzug, Anhänglichkeit, Gereiztheit oder Abwehr bei Berührung
- Veränderungen beim Fressen, Schlafen, Kot- oder Harnabsatz
Bei Katzen sind die Hinweise häufig noch subtiler. Viele Katzen verbergen körperliche Schwäche möglichst lange. Das dürfte zumindest teilweise mit ihrer evolutionären Rolle zusammenhängen: Katzen sind Jägerinnen, können in freier Umgebung aber selbst zur Beute größerer Tiere werden. Auffälliges Schwächeverhalten wäre dort ein Nachteil.
Mögliche Schmerzzeichen bei Katzen sind:
- weniger oder niedrigere Sprünge
- Zögern vor Treppen, Fensterbänken oder erhöhten Liegeplätzen
- steifes Laufen, besonders nach dem Ruhen
- Rückzug oder ungewöhnliches Verstecken
- nachlassende Fellpflege oder struppiges Fell
- übermäßiges Putzen einzelner Körperstellen
- Harn- oder Kotabsatz außerhalb der Katzentoilette
- Schwierigkeiten beim Einstieg in eine hohe Toilette
- verändertes Schlafverhalten
- weniger Spielen, Jagen oder Klettern
- Abwehr beim Hochheben oder Streicheln
- Fauchen, Knurren oder plötzliche Aggression
- verminderter Appetit oder ein verändertes Kauverhalten
Gerade bei Katzen mit Arthrose fehlt oft eine deutlich sichtbare Lahmheit. Betrifft die Erkrankung mehrere Gelenke gleichzeitig, gibt es kein einzelnes Bein, das klar entlastet wird. Stattdessen wird die gesamte Bewegung vorsichtiger und kleiner. Die Katze springt nicht mehr auf den Schrank, sondern schläft neuerdings unten auf dem Sessel. Das wirkt wie eine Vorliebe, kann aber eine kluge Strategie zur Schmerzvermeidung sein.
Verhaltensänderungen sind deshalb keine Nebensache. Bei Tieren sind sie ein wichtiges diagnostisches Fenster. Fachgesellschaften betonen, dass Tierhaltende, die das Verhalten im vertrauten Umfeld kennen, einen wesentlichen Beitrag zur Beurteilung chronischer Schmerzen leisten.
Das Schmerzgesicht: Was Ohren, Augen und Schnurrhaare verraten
Schmerzen verändern nicht nur den Bewegungsablauf, sondern auch die Mimik. Besonders gut untersucht ist dies bei Katzen. Bei der sogenannten Feline-Grimace-Scale werden verschiedene Merkmale des Gesichts beurteilt: die Stellung der Ohren, das Zusammenkneifen der Augen, die Spannung der Schnauze, die Ausrichtung der Schnurrhaare und die Haltung des Kopfes.
Eine schmerzfreie Katze trägt die Ohren meist nach vorn, hält die Augen offen und zeigt eine entspannte Schnauzenpartie. Bei Schmerzen können die Ohren seitlich abkippen, die Augen schmaler werden, die Schnauze gespannter wirken und der Kopf tiefer sinken.
Auch bei Hunden gibt es typische mimische und körperliche Veränderungen. Dazu gehören ein angespannter Gesichtsausdruck, zurückgelegte Ohren, geweitete Pupillen, eine gefurchte Stirn oder eine ungewöhnlich starre Körperhaltung. Allerdings unterscheiden sich Hunderassen in Kopfform, Fell, Ohrenstellung und Mimik so stark, dass die Beurteilung schwieriger sein kann.
Ein einzelner Gesichtsausdruck ersetzt keine Untersuchung. Zusammen mit Bewegung, Körperhaltung und Verhalten kann er jedoch wertvolle Hinweise liefern. In der Forschung werden inzwischen sogar computergestützte Systeme erprobt, die Mimik und Bewegungsmuster aus Videos analysieren sollen. Noch sind solche Verfahren keine Kristallkugel für tierische Gefühle, doch sie zeigen, wie ernst die Verhaltensbeobachtung inzwischen genommen wird.
Wenn Schmerz wie ein Verhaltensproblem aussieht
Ein Tier, das schnappt, faucht oder Berührungen abwehrt, gilt schnell als schwierig. Schmerz gehört jedoch zu den wichtigsten medizinischen Ursachen für plötzlich auftretendes aggressives Verhalten. Das gilt besonders, wenn die Reaktion beim Anfassen, Hochheben, Bürsten, Geschirranziehen oder Pfotensäubern auftritt.
Auch Unsauberkeit kann mit Schmerzen zusammenhängen. Eine Katze mit Arthrose steigt möglicherweise nicht mehr gern über den hohen Rand ihrer Toilette. Ein Hund mit Rückenschmerzen schafft es eventuell nicht rechtzeitig nach draußen oder vermeidet die Haltung beim Kotabsatz. Nächtliche Unruhe wiederum kann bei älteren Tieren sowohl durch Schmerzen als auch durch kognitive Veränderungen entstehen. Beides kann gleichzeitig vorliegen.
Deshalb sollte vor einer rein verhaltensorientierten Erklärung immer geprüft werden, ob eine körperliche Ursache beteiligt ist. Das heißt nicht, dass jedes Knurren krankhaft ist. Knurren ist zunächst Kommunikation. Es verdient jedoch besondere Aufmerksamkeit, wenn es neu auftritt oder an bestimmte Bewegungen und Berührungen gekoppelt ist.
Häufige Ursachen für Schmerzen
Schmerz ist ein Symptom und keine Diagnose. Hinter ihm können sehr unterschiedliche Erkrankungen stecken. Bei Hunden und Katzen zählen Erkrankungen des Bewegungsapparates zu den häufigsten Ursachen chronischer Schmerzen. Arthrose ist keineswegs nur ein Problem sehr alter Tiere. Fehlstellungen, frühere Verletzungen, Gelenkerkrankungen, Übergewicht und genetische Faktoren können den Gelenkverschleiß beschleunigen.
Zahnschmerzen werden ebenfalls leicht übersehen. Viele Tiere fressen trotz erheblicher Erkrankungen der Zähne oder des Zahnfleisches weiter. Sie kauen möglicherweise einseitig, schlucken Trockenfutter unzerkaut hinunter, lassen Futter fallen oder bevorzugen plötzlich weiche Nahrung. Dass ein Tier frisst, beweist daher nicht, dass sein Maul schmerzfrei ist.
Weitere mögliche Ursachen sind Ohrentzündungen, Hauterkrankungen, Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Harnsteine, Blasenentzündungen, Verstopfung, Augenverletzungen, Bandscheibenerkrankungen, Nervenschäden, Tumoren und postoperative Wunden. Bei Katzen können Erkrankungen der unteren Harnwege starke Schmerzen verursachen. Ein Kater, der wiederholt auf die Toilette geht, presst und kaum oder keinen Urin absetzt, benötigt sofort tierärztliche Hilfe. Ein Harnröhrenverschluss ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
Plötzlich auftretende starke Schmerzen, Atemnot, Lähmungserscheinungen, ein aufgeblähter Bauch, anhaltendes Erbrechen, Zusammenbrechen, schwere Verletzungen oder erfolgloses Harnpressen gehören ebenfalls umgehend in tierärztliche Hände.
Wie Schmerzen in der Praxis beurteilt werden
Es gibt keinen routinemäßigen Blutwert, der zuverlässig verrät, wie stark ein Tier leidet. Puls, Atemfrequenz, Blutdruck und Stresshormone können sich bei Schmerzen verändern, werden aber auch durch Angst, Aufregung, Medikamente und zahlreiche Erkrankungen beeinflusst.
Deshalb arbeitet die Tiermedizin mit validierten Schmerzskalen. Für akute Schmerzen bei Hunden wird beispielsweise die Glasgow-Composite-Measure-Pain-Scale verwendet. Für Katzen stehen unter anderem die Glasgow-Feline-Composite-Measure-Pain-Scale und die Feline-Grimace-Scale zur Verfügung. Bei chronischen Schmerzen fließen Beobachtungen aus dem Alltag stärker ein. Gefragt wird etwa, ob der Hund aufsteht, Treppen bewältigt und spazieren gehen möchte oder ob die Katze springt, spielt, sich putzt und ihre Toilette problemlos erreicht.
Besonders hilfreich sind kurze Videos aus dem vertrauten Zuhause. In der Praxis bewegen sich manche Tiere wegen Stress, glattem Boden oder Aufregung anders als gewöhnlich. Eine Aufnahme vom Aufstehen nach dem Schlafen, vom Treppensteigen oder vom Sprung auf den Lieblingsplatz kann mehr zeigen als eine Momentaufnahme auf dem Untersuchungstisch.
Ein einfaches Schmerztagebuch ergänzt diese Beobachtungen. Darin können gute und schlechte Tage, Aktivität, Appetit, Schlaf, Beweglichkeit und auffällige Situationen notiert werden. Nicht jeder Tag muss zum literarischen Großprojekt werden. Ein paar wiederkehrende Kriterien genügen, um Entwicklungen sichtbar zu machen.
Moderne Schmerztherapie setzt an mehreren Stellen an
Schmerzen entstehen durch ein Netzwerk verschiedener Prozesse. Deshalb genügt bei chronischen Erkrankungen oft nicht ein einzelnes Mittel. Multimodale Schmerztherapie bedeutet, mehrere geeignete Maßnahmen zu kombinieren: Medikamente, Gewichtsmanagement, kontrollierte Bewegung, Physiotherapie, Anpassungen der Umgebung und gegebenenfalls ergänzende Verfahren.
Dadurch können verschiedene Schmerzmechanismen gleichzeitig beeinflusst werden. Entzündungshemmende Medikamente vermindern beispielsweise die Bildung oder Wirkung bestimmter Entzündungsbotenstoffe. Lokalanästhetika blockieren vorübergehend die Weiterleitung elektrischer Signale in Nerven. Opioide wirken an Opioidrezeptoren im Nervensystem. Andere Medikamente beeinflussen die Verarbeitung neuropathischer, also durch geschädigte oder überempfindliche Nerven verursachter Schmerzen.
Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt von Ursache, Dauer und Stärke der Schmerzen sowie von Alter, Tierart, Begleiterkrankungen und weiteren Medikamenten ab. Hund und Katze sind dabei keine kleinen Menschen – und die Katze ist auch kein kleiner Hund mit etwas mehr Eigensinn.
Entzündungshemmende Schmerzmittel
Nicht steroidale Antiphlogistika, kurz NSAIDs, gehören zu den wichtigsten Medikamenten bei entzündlich bedingten Schmerzen. Sie werden unter anderem bei Arthrose und nach Operationen eingesetzt. Ihre Wirkung beruht vor allem darauf, dass sie Enzyme der Cyclooxygenase-Gruppe beeinflussen und dadurch die Bildung bestimmter Prostaglandine vermindern. Prostaglandine fördern Entzündung, Fieber und Schmerzempfindlichkeit, erfüllen im Körper aber auch Schutzfunktionen, etwa in Magen, Nieren und Blutgefäßen.
Aus diesem Grund können NSAIDs Magen-Darm-Trakt, Nieren und Leber belasten. Das Risiko steigt unter anderem bei Austrocknung, bestehenden Nieren-, Herz- oder Lebererkrankungen und bei bestimmten Medikamentenkombinationen. Vor einer längeren Behandlung können Blut- und Urinuntersuchungen sinnvoll sein. Während der Therapie dienen Kontrolluntersuchungen dazu, Wirkung und Verträglichkeit zu beurteilen.
Warnzeichen sind beispielsweise Erbrechen, Durchfall, schwarzer Kot, Appetitverlust, auffällige Müdigkeit oder Veränderungen beim Trinken und Harnabsatz. Treten solche Symptome auf, sollte das Medikament nicht einfach weitergegeben, sondern die behandelnde Praxis kontaktiert werden. NSAIDs dürfen außerdem nicht ohne tierärztliche Anweisung miteinander oder mit Kortikosteroiden kombiniert werden.
Für Katzen gelten besondere Anforderungen. Ihr Stoffwechsel verarbeitet verschiedene Substanzen anders als der von Hunden oder Menschen. Dennoch bedeutet das nicht, dass Katzen grundsätzlich keine entzündungshemmenden Schmerzmittel erhalten dürfen. Unter sorgfältiger Auswahl, Dosierung und Überwachung können bestimmte Präparate auch bei Katzen eine wichtige Rolle spielen. Aktuelle Leitlinien zur Langzeitanwendung betonen die individuelle Risikoabwägung und regelmäßige Kontrollen.
Neue Wege: monoklonale Antikörper gegen Arthroseschmerz
Eine vergleichsweise neue Möglichkeit zur Behandlung von Arthroseschmerzen sind monoklonale Antikörper gegen den Nervenwachstumsfaktor NGF. Dieser Botenstoff ist unter anderem an der Sensibilisierung schmerzleitender Nerven beteiligt. Wird er gebunden, können Schmerzsignale aus arthrotischen Gelenken abgeschwächt werden.
Entsprechende Präparate stehen für Hunde und Katzen zur Verfügung und werden in festgelegten Abständen injiziert. Sie werden nicht wie klassische NSAIDs verstoffwechselt, wirken jedoch ebenfalls nicht bei jedem Tier gleich gut. Auch hier müssen mögliche Nebenwirkungen und Begleiterkrankungen berücksichtigt werden. Die Behandlung gehört deshalb in tierärztliche Hände und sollte anhand konkreter Veränderungen im Alltag bewertet werden.
Gerade bei Katzen ist dieser Ansatz interessant, weil Arthrose häufig vorkommt, lange übersehen wird und die Möglichkeiten einer dauerhaften medikamentösen Behandlung stärker eingeschränkt sein können. Eine Injektion ersetzt dennoch weder die Diagnose noch die Anpassung der Lebensumgebung. Eine schmerzärmere Katze kann sich wieder mehr bewegen – ein rutschiger Fußboden oder eine unerreichbar hohe Toilette bleibt trotzdem unpraktisch.
Warum menschliche Schmerzmittel für Tiere gefährlich sind
Die Hausapotheke ist kein Selbstbedienungsladen für Haustiere. Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac und Paracetamol dürfen Hund oder Katze nicht eigenmächtig gegeben werden. Bereits vergleichsweise kleine Mengen können schwere Vergiftungen verursachen.
Ibuprofen kann Magen-Darm-Geschwüre, Blutungen, Nierenschäden und neurologische Symptome auslösen. Katzen reagieren aufgrund ihrer eingeschränkten Fähigkeit zur Glucuronidierung besonders empfindlich. Dabei handelt es sich um einen Stoffwechselweg, über den der Körper bestimmte Substanzen wasserlöslicher macht und ausscheidet.
Paracetamol ist für Katzen besonders gefährlich. Es kann rote Blutkörperchen und Leber schwer schädigen. Auch Hunde können vergiftet werden. Die Tatsache, dass ein Präparat rezeptfrei erhältlich und für Menschen gut verträglich ist, sagt nichts über seine Sicherheit für Tiere aus.
Selbst äußerlich angewendete Schmerzgele sind problematisch. Katzen oder Hunde können Wirkstoffe beim Ablecken der Haut, über Hände, Kleidung, Bettwäsche oder verschüttete Reste aufnehmen. Die FDA berichtete von schweren und tödlichen Vergiftungen bei Katzen nach Kontakt mit flurbiprofenhaltigen Schmerzcremes ihrer Halter. Schon geringe Rückstände können gefährlich sein.
Hat ein Tier Tabletten gefressen oder eine Creme abgeleckt, sollte nicht auf erste Symptome gewartet werden. Verpackung, Wirkstoff, Stärke, mögliche Menge und Zeitpunkt der Aufnahme sind wichtige Informationen für die Tierarztpraxis oder Tierklinik.
Heilpflanzen und Pflanzenextrakte: interessant, aber nicht automatisch sanft
Die Pflanzenheilkunde kann bei chronischen Erkrankungen ergänzende Möglichkeiten bieten. Besonders häufig werden Extrakte aus Weihrauch und Kurkuma sowie verschiedene Mischpräparate für Hunde mit Arthrose angeboten. Ihre vermeintliche Natürlichkeit ist jedoch kein Qualitätsnachweis. Entscheidend sind Inhaltsstoffe, Extraktionsverfahren, Konzentration, Reinheit, Bioverfügbarkeit und eine für die jeweilige Tierart geeignete Dosierung.
Bei pflanzlichen Präparaten ist zudem zu unterscheiden zwischen traditioneller Verwendung, pharmakologischen Laborbefunden und klinisch nachgewiesener Wirkung beim erkrankten Tier. Ein Extrakt kann im Reagenzglas Entzündungssignale hemmen, ohne bei einem Hund oder einer Katze in üblicher Dosierung ausreichend aufgenommen zu werden. Umgekehrt kann ein Vielstoffgemisch wirken, obwohl noch nicht jeder beteiligte Mechanismus vollständig geklärt ist.
Weihrauch
Verwendet wird das Harz verschiedener Boswellia-Arten. Zu den charakteristischen Inhaltsstoffen gehören Boswelliasäuren. Einige von ihnen können Enzyme und Signalwege beeinflussen, die an entzündlichen Prozessen beteiligt sind. Dazu zählt unter anderem die 5-Lipoxygenase, die an der Bildung bestimmter Leukotriene beteiligt ist.
Kleine Studien und Untersuchungen mit Kombinationspräparaten liefern Hinweise darauf, dass standardisierte Boswellia-Extrakte die Beweglichkeit und Beschwerden von Hunden mit Arthrose verbessern könnten. Häufig wurden jedoch mehrere Inhaltsstoffe gleichzeitig eingesetzt, die Tierzahlen waren überschaubar oder die Produkte unterschieden sich erheblich. Das macht es schwer, die Ergebnisse auf beliebige Weihrauchpräparate zu übertragen.
Mögliche Nebenwirkungen betreffen vor allem den Magen-Darm-Trakt. Außerdem sind Wechselwirkungen denkbar, etwa mit gerinnungshemmenden oder entzündungshemmenden Medikamenten. Daten zur Anwendung bei Katzen sind sehr begrenzt. Weihrauch sollte daher nicht nach Dosierungsangaben für Menschen oder Hunde auf Katzen übertragen werden.
Kurkuma und Curcumin
Kurkuma enthält Curcuminoide, zu denen Curcumin gehört. In Laboruntersuchungen beeinflusst Curcumin zahlreiche Signalwege, darunter den Transkriptionsfaktor NF-κB und verschiedene entzündungsfördernde Botenstoffe. Diese breite Aktivität klingt eindrucksvoll, bedeutet aber nicht automatisch, dass oral verabreichtes Kurkumapulver denselben Effekt im Gelenk eines Tieres erreicht.
Curcumin wird aus dem Verdauungstrakt nur begrenzt aufgenommen und rasch umgewandelt. Deshalb verwenden viele Präparate spezielle Formulierungen, Fette, Phospholipidkomplexe oder Piperin aus schwarzem Pfeffer, um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen. Gerade Piperin kann jedoch Arzneimittel abbauende Enzyme und Transportproteine beeinflussen. Mehr Aufnahme bedeutet nicht nur potenziell mehr Wirkung, sondern möglicherweise auch mehr Wechselwirkungen.
Studien mit Hunden zeigen kein einheitliches Bild. Einzelne standardisierte Produkte oder Kombinationen führten zu Verbesserungen, andere Untersuchungen konnten keinen überzeugenden Effekt belegen. Für Katzen fehlen aussagekräftige klinische Daten weitgehend. Küchenkurkuma nach Augenmaß ist deshalb keine kontrollierbare Schmerztherapie.
Kurkuma kann den Magen-Darm-Trakt reizen und sollte bei Erkrankungen der Gallenwege sowie bei erhöhtem Blutungsrisiko nur nach fachlicher Rücksprache eingesetzt werden. Eine sogenannte Goldene Paste ist nicht automatisch für jedes Tier geeignet, besonders dann nicht, wenn bereits Medikamente gegeben werden.
Teufelskralle und Weidenrinde
Teufelskrallenwurzel enthält Iridoidglykoside wie Harpagosid. Weidenrinde liefert Salicylatvorstufen, die im Körper zu salicylatähnlichen Verbindungen umgewandelt werden. Beide Pflanzen werden traditionell bei Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt, die tiermedizinische Datenlage ist jedoch begrenzt.
Weidenrinde ist gerade für Katzen keine harmlose pflanzliche Alternative zu Schmerzmitteln. Salicylate werden von Katzen langsamer verstoffwechselt und können sich anreichern. Auch bei Hunden sind Magen-Darm-Reizungen, Blutungsneigung und Wechselwirkungen mit NSAIDs, Kortikosteroiden oder gerinnungshemmenden Mitteln möglich.
Teufelskralle kann ebenfalls Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Bei Magengeschwüren, bestimmten Gallenwegserkrankungen, Diabetes oder gleichzeitiger Medikamentengabe ist besondere Vorsicht erforderlich. Belastbare Dosierungen lassen sich nicht pauschal aus der Pflanzenmenge ableiten, weil Extrakte sehr unterschiedlich konzentriert sind.
Arnika, Beinwell und ätherische Öle
Arnika ist traditionell für die äußerliche Anwendung bei stumpfen Verletzungen bekannt. Auf offene Wunden gehört sie nicht, innerlich kann sie giftig sein. Bei Tieren besteht zusätzlich das Problem des Ableckens. Gleiches gilt für Beinwellpräparate: Äußerlich verwendete, kontrolliert hergestellte Produkte sind nicht mit selbst angesetzten Auszügen zur inneren Einnahme gleichzusetzen. Bestimmte Beinwellarten und Pflanzenteile enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen können.
Ätherische Öle werden bei Schmerzen häufig vorschnell empfohlen. Ihre hochkonzentrierten Inhaltsstoffe können Haut und Schleimhäute reizen und nach Aufnahme toxisch wirken. Katzen sind aufgrund besonderer Stoffwechselwege gegenüber verschiedenen ätherischen Ölbestandteilen empfindlich. Auch Hunde können nach Einatmen, Ablecken oder Hautkontakt Vergiftungserscheinungen entwickeln.
Ein diffus vernebelter Raumduft ist für ein Tier keine selbst gewählte Aromatherapie. Hund und Katze können den Raum oft nicht verlassen und besitzen einen wesentlich empfindlicheren Geruchssinn als wir. Bei Schmerzen ist ein ruhiger, zugänglicher Rückzugsort meist sinnvoller als eine Duftwolke aus vermeintlich entspannenden Ölen.
CBD: zwischen Hoffnung, Produktboom und unsicherer Evidenz
Cannabidiol, kurz CBD, wird besonders häufig bei Arthrose, Schmerzen und Unruhe angeboten. Einige kleine kontrollierte Studien mit Hunden zeigten Verbesserungen bestimmter Schmerz- oder Aktivitätswerte. Systematische Auswertungen beurteilen die klinische Aussagekraft bislang jedoch als unsicher, unter anderem wegen kleiner Studiengruppen, unterschiedlicher Produkte, Dosierungen und Messmethoden. Für Katzen ist die Datenlage noch deutlich schwächer.
CBD kann Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Veränderungen von Leberenzymen verursachen. Es wird über Enzymsysteme verstoffwechselt, die auch am Abbau anderer Medikamente beteiligt sind. Dadurch sind Wechselwirkungen möglich, beispielsweise mit bestimmten Antiepileptika, Beruhigungsmitteln oder anderen zentral wirksamen Arzneimitteln.
Hinzu kommt die schwankende Produktqualität. Der tatsächliche CBD-Gehalt kann von der Deklaration abweichen, und je nach Herstellung können unerwünschte Mengen Tetrahydrocannabinol enthalten sein. THC ist für Hunde und Katzen nicht harmlos. Produkte aus dem Humanbereich können außerdem Süßstoffe, Aromen oder weitere ungeeignete Zusätze enthalten.
CBD ist deshalb weder grundsätzlich wirkungslos noch der pflanzliche Ersatz für jedes Schmerzmittel. Es ist ein pharmakologisch aktiver Stoff, dessen Einsatz mit der behandelnden Tierarztpraxis abgestimmt werden sollte.
Warum eine pauschale Dosierung unseriös wäre
Bei Pflanzenextrakten klingt eine Angabe in Milligramm pro Kilogramm zunächst präzise. Sie ist aber nur sinnvoll, wenn klar ist, worauf sich die Milligramm beziehen. Zehn Milligramm Pflanzenpulver sind nicht dasselbe wie zehn Milligramm Trockenextrakt. Ein Extrakt im Verhältnis 5:1 unterscheidet sich von einem 20:1-Extrakt, und beide können auf verschiedene Leitsubstanzen standardisiert sein.
Außerdem beeinflussen Alter, Gewicht, Leber- und Nierenfunktion, Erkrankung, Tierart und weitere Medikamente die Verträglichkeit. Besonders Katzen dürfen nicht nach verkleinerten Hundedosierungen behandelt werden. Selbst beim Hund kann die geeignete Menge eines standardisierten Präparats nicht auf eine selbst gemischte Pulverzubereitung übertragen werden.
Eine verantwortbare Anwendung beginnt daher nicht mit „Wie viele Teelöffel?“, sondern mit anderen Fragen: Was verursacht den Schmerz? Welche Therapie erhält das Tier bereits? Welcher konkrete Extrakt soll verwendet werden? Welche Inhaltsstoffe und Konzentrationen sind enthalten? Gibt es Untersuchungen genau zu diesem Produkt oder wenigstens zu einer vergleichbaren Zubereitung? Und woran erkennen wir nach einem festgelegten Zeitraum, ob es tatsächlich hilft?
Physiotherapie, Bewegung und das richtige Maß
Bei Schmerzen des Bewegungsapparates gehört Bewegung häufig zur Therapie. Gemeint ist jedoch keine möglichst große Zahl an Schritten um jeden Preis. Zu viel Belastung kann Beschwerden verstärken, vollständige Schonung führt dagegen zu Muskelabbau, Gelenksteife und weiterer Unsicherheit.
Viele Hunde mit Arthrose profitieren von regelmäßigen, kontrollierten Spaziergängen auf möglichst ebenem Boden. Mehrere kürzere Runden sind oft besser verträglich als ein langer Ausflug am Wochenende. Schnelle Stopps, wilde Ballspiele und rutschige Wendungen können problematisch sein, besonders wenn Gelenke oder Wirbelsäule betroffen sind.
Physiotherapeutische Übungen dienen unter anderem dazu, Muskulatur aufzubauen, Beweglichkeit zu erhalten und Ausweichbewegungen zu reduzieren. Wärme oder Kälte kann je nach Erkrankung hilfreich sein, sollte aber gezielt eingesetzt werden. Auf eine akute heiße Schwellung gehört nicht automatisch ein Wärmekissen, und ein Tier mit eingeschränktem Empfinden darf weder durch Kühlpacks noch durch Wärmequellen geschädigt werden.
Katzen lassen sich selten für ein offizielles Trainingsprogramm mit Klemmbrett begeistern. Ihre Bewegung kann trotzdem gefördert werden: durch gut erreichbare Liegeplätze, kurze Spieleinheiten, flache Kratzmöglichkeiten und kleine, sichere Höhenunterschiede. Entscheidend ist, dass die Aktivität freiwillig bleibt und nicht in schmerzhafte Sprünge zwingt.
Übergewicht ist kein Charakterzug, sondern ein Schmerzverstärker
Zusätzliches Körpergewicht erhöht die mechanische Belastung von Gelenken. Fettgewebe ist außerdem stoffwechselaktiv und bildet Botenstoffe, die Entzündungsprozesse beeinflussen können. Bei übergewichtigen Tieren mit Arthrose gehört eine langsame, kontrollierte Gewichtsreduktion deshalb zu den wirksamsten begleitenden Maßnahmen.
Das klingt weniger spektakulär als ein exotischer Pflanzenextrakt, kann für das Tier aber einen größeren Unterschied machen. Wichtig ist ein Plan, der den Energiebedarf berücksichtigt und eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß und Nährstoffen sicherstellt. Radikale Futterkürzungen sind besonders bei Katzen gefährlich, da längeres starkes Fasten eine hepatische Lipidose, also eine schwere Leberverfettung, begünstigen kann.
Auch Leckerlis, Kauartikel und Zusätze müssen in die Tagesration eingerechnet werden. Ein Ergänzungspräparat kann noch so sinnvoll ausgewählt sein – wird es in einer energiereichen Paste versteckt und mehrmals täglich zusammen mit Käse gereicht, entwickelt es möglicherweise eine unerwünschte Nebenwirkung namens Gewichtszunahme.
Ein schmerzärmeres Zuhause beginnt am Boden
Umgebungsanpassungen wirken nicht direkt auf Schmerzrezeptoren, können aber schmerzhafte Belastungen deutlich reduzieren. Auf glatten Böden helfen rutschfeste Läufer oder Matten. Krallen sollten so gepflegt sein, dass sie den Halt nicht zusätzlich erschweren. Gepolsterte, gut erreichbare Liegeplätze entlasten Druckpunkte, während ein orthopädisches Bett wenig nützt, wenn sein hoher Rand kaum überwunden werden kann.
Für Hunde können Rampen am Auto oder kurze, stabile Stufen an Sofa und Bett sinnvoll sein. Eine Rampe muss flach genug, rutschfest und sicher befestigt sein. Wird sie erst aufgestellt, wenn jeder Schritt wehtut, erscheint sie vielen Tieren fremd und bedrohlich. Das Training lohnt sich deshalb bereits früher.
Bei Katzen helfen Zwischenstufen zu beliebten Fensterplätzen. Futter, Wasser, Schlafplätze und Toiletten sollten ohne große Sprünge erreichbar sein. Katzentoiletten mit niedrigem Einstieg erleichtern die Nutzung bei Arthrose. In Haushalten mit mehreren Etagen ist mindestens eine gut zugängliche Toilette pro relevanter Wohnebene sinnvoll.
Futter- und Wassernäpfe können so positioniert werden, dass das Tier keine stark gebeugte oder verdrehte Haltung einnehmen muss. Eine pauschale Erhöhung ist jedoch nicht bei jeder Erkrankung vorteilhaft. Auch hier zählt die individuelle Beobachtung: Welche Haltung wirkt entspannt, und wann weicht das Tier zurück?
Berührung ist nicht immer Entspannung
Massage kann angenehm sein, Muskelspannung lösen und die Körperwahrnehmung fördern. Sie kann aber ebenso unangenehm oder schmerzhaft sein, wenn entzündete Gelenke, verletzte Gewebe, Tumoren oder überempfindliche Nerven betroffen sind. Kräftiges Kneten an einer unbekannten schmerzhaften Stelle ist keine harmlose Wellnessbehandlung.
Hilfreicher ist zunächst eine sanfte, freiwillige Berührung an Bereichen, die das Tier als angenehm empfindet. Abwenden, Muskelanspannung, Hautzucken, angelegte Ohren, Lecken über die Lippen, Schwanzschlagen, Knurren oder Fauchen sind Gründe, aufzuhören.
Schmerzpatient:innen sollten außerdem nicht gegen ihren Willen in Dehnpositionen gedrückt werden. Gezielte Mobilisationsübungen gehören in die Anleitung qualifizierter Tierphysiotherapeut oder Tierärzt. Der beste Griff ist manchmal schlicht der, den wir nicht machen.
Was im Alltag wirklich weiterhilft
Bei chronischen Schmerzen lohnt es sich, gemeinsam mit der behandelnden Praxis zwei oder drei konkrete Alltagsziele festzulegen. Beim Hund könnte das bedeuten: morgens ohne Hilfe aufstehen, eine bestimmte Runde entspannt bewältigen und wieder selbst ins Auto steigen. Bei der Katze könnten es der Sprung auf das Sofa, regelmäßige Fellpflege und die sichere Nutzung der Toilette sein.
Solche Ziele sind aussagekräftiger als die allgemeine Frage, ob das Tier „besser wirkt“. Schmerz schwankt. Wetter, Aktivität, Aufregung und Tagesform können einzelne Beobachtungen beeinflussen. Entscheidend ist die Entwicklung über mehrere Tage oder Wochen.
Medikamente sollten zuverlässig nach Plan gegeben werden. Eine Schmerztherapie nur an offensichtlich schlechten Tagen kann bei manchen chronischen Erkrankungen dazu führen, dass gute Tage gar nicht erst entstehen. Umgekehrt darf die Dosis nicht eigenmächtig erhöht oder ein zweites Mittel ergänzt werden.
Für die tierärztliche Kontrolle sind folgende Informationen besonders nützlich:
- Welche Aktivitäten fallen leichter oder schwerer?
- Wie lange hält eine Verbesserung nach der Medikamentengabe an?
- Haben sich Appetit, Kot, Urinmenge oder Trinkverhalten verändert?
- Wirkt das Tier ungewöhnlich müde, unruhig oder desorientiert?
- Welche Medikamente, Ergänzungsfuttermittel, Pflanzenpräparate und äußerlichen Produkte werden insgesamt verwendet?
Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Auch Pulver, Öle, Tees, Salben und „rein natürliche“ Präparate gehören auf die Medikamentenliste. Nur so können mögliche Wechselwirkungen erkannt werden.
Kann Schnurren bedeuten, dass eine Katze keine Schmerzen hat?
Leider nein. Katzen schnurren nicht ausschließlich in entspannten Situationen. Manche schnurren bei Angst, Erkrankung, während der Geburt oder in schmerzhaften Situationen. Vermutlich erfüllt Schnurren mehrere soziale und selbstregulierende Funktionen.
Auch Schwanzwedeln beim Hund ist kein zuverlässiger Beweis für Wohlbefinden. Hunde wedeln bei positiver Erwartung, Aufregung, Unsicherheit und Konflikten. Einzelne Signale müssen immer im Zusammenhang mit Körperhaltung, Situation und gewohntem Verhalten betrachtet werden.
Das vielleicht überraschendste Merkmal von Schmerz bei Hund und Katze ist deshalb nicht eine bestimmte Körperhaltung. Es ist die Veränderung. Der Hund, der nie mehr zur Tür rennt. Die Katze, die ihren Lieblingsplatz aufgibt. Das Tier, das Berührung plötzlich nicht mehr genießen kann.
Schmerzfreiheit zeigt sich oft nicht als Ruhe, sondern als zurückkehrendes Leben
Eine erfolgreiche Schmerztherapie erkennt man nicht immer daran, dass ein Tier stiller wird. Häufig geschieht das Gegenteil. Der Hund bringt wieder sein Spielzeug, schnüffelt länger und möchte eine zusätzliche Runde drehen. Die Katze putzt plötzlich jene Stelle am Rücken, die sie monatelang nicht erreicht hat, steigt wieder auf die Fensterbank oder beginnt, nachts ausgesprochen wichtige Dinge durch den Flur zu tragen.
Solche Veränderungen erinnern uns daran, dass Schmerz weit mehr nimmt als körperliche Bequemlichkeit. Er verkleinert den Alltag. Er macht Bewegungen vorsichtiger, Beziehungen anstrengender und die Welt schwerer erreichbar.
Unsere wichtigste Aufgabe besteht deshalb nicht darin, Hund oder Katze jede Alterserscheinung wegzutherapieren. Wir müssen genau hinsehen, Veränderungen ernst nehmen und gemeinsam mit Tierärzt:innen herausfinden, was hinter ihnen steckt. Heilpflanzen und Naturstoffe können dabei an ausgewählten Stellen eine ergänzende Rolle spielen. Den größten Unterschied macht jedoch oft etwas viel Grundsätzlicheres: dass wir das leise Verhalten unserer Tiere nicht mit Schmerzfreiheit verwechseln.

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