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Die dunkle Beere, die mehr kann als viele ahnen
Es gibt Pflanzen, die uns auf den ersten Blick vertraut erscheinen und trotzdem jedes Mal überraschen, sobald wir uns etwas tiefer mit ihnen beschäftigen. Die Schwarze Johannisbeere ist genau so eine stille Heldin. Sie steht oft am Rand des Gartens, treu, genügsam, unauffällig. Doch sobald wir uns ihr zuwenden, öffnet sich ein kleines Universum an Wirkstoffen, Synergien und Heilwirkungen, das selbst in der modernen Forschung immer wieder für Aha-Momente sorgt.
Vielleicht gehörst Du zu den Menschen, die die intensiven Beeren schon als Kind geliebt haben, auch wenn sie einem manchmal das Gefühl gegeben haben, die Zunge sei plötzlich aus Samt. Vielleicht kennst Du sie als kräftig lila Saft bei Erkältungen. Oder vielleicht stehst Du ihr sogar etwas skeptisch gegenüber, weil sie so herb schmeckt. Ganz egal wie: Die Schwarze Johannisbeere ist eine Pflanze, die man nur einmal wirklich kennenlernen muss, um sie nie wieder zu unterschätzen.
Anthocyane – warum die tiefe Farbe ein echtes Gesundheitsversprechen ist
Die fast schwarze Farbe der Johannisbeere ist kein Zufall. Sie ist das sichtbare Zeichen einer enormen Konzentration an Anthocyanen, besonders Delphinidin-3-rutinosid. Diese Farbstoffe gehören zu den stärksten antioxidativen Pflanzenstoffen, die wir kennen. Forscherinnen und Forscher konnten zeigen, dass die antioxidative Aktivität der Schwarzen Johannisbeere sogar über der von Blaubeeren liegt, was in der Welt der Beeren schon fast einem Ritterschlag gleichkommt.
Diese Stoffe neutralisieren freie Radikale, schützen Zellmembranen und stabilisieren die Energieproduktion in den Mitochondrien. Besonders spannend ist, dass Anthocyane Entzündungsmarker senken können, darunter IL-6 und TNF alpha. Das macht die Johannisbeere zu einer natürlichen Partnerin bei entzündlichen Prozessen, ganz gleich ob im Immunsystem, in Gelenken oder im Verdauungssystem.
Sogar bei viralen Infekten gibt es interessante Ergebnisse: Einige Studien zeigen, dass Anthocyane das Andocken bestimmter Viren an Schleimhäuten erschweren können. Kein Wundermittel, aber ein cleverer natürlicher Schutzfaktor.
Vitamin C – und zwar nicht zu knapp
Eine Zitrone wirkt neben der Schwarzen Johannisbeere plötzlich bescheiden. Während Zitrusfrüchte etwa 50 mg Vitamin C pro 100 g liefern, bringt die dunkle Beere bis zu 180 mg auf die Waage. Und zwar in einer Form, die besonders gut verwertbar ist, weil die in der Frucht enthaltenen Flavonoide das Vitamin schützen und länger stabil halten.
Vitamin C spielt nicht nur beim Immunsystem eine Rolle, sondern auch bei der Kollagenbildung, der Regeneration von Haut und Gefäßen und der Regulation von Stresshormonen. In Studien sinken oxidative Stressmarker im Blut deutlich, wenn Menschen regelmäßig anthocyanreiche Johannisbeerprodukte konsumieren. Sportlerinnen und Sportler berichten von schnellerer Erholung, und auch die kognitive Leistungsfähigkeit kann profitieren. Eine neuseeländische Studie zeigte zum Beispiel, dass Teilnehmende nach Johannisbeerextrakt bei mentalen Aufgaben fokussierter und schneller reagierten.
Moderne Forschung: Gehirn, Stoffwechsel und Reaktionsgeschwindigkeit
In den letzten Jahren ist rund um die Schwarze Johannisbeere ein neues Forschungsfeld entstanden. Es geht darum, wie Anthocyane im Körper wirken, nachdem sie aufgenommen wurden. Man weiß inzwischen, dass sie die Durchblutung im Gehirn verbessern können. Das klingt nach einem Detail, ist aber ein enorm spannender Hinweis darauf, wie Pflanzenstoffe mentale Leistungsfähigkeit beeinflussen könnten.
Bei Jugendlichen wurde sogar ein leichter Anstieg der Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit gemessen. Bei Erwachsenen scheinen die Effekte subtiler zu sein, aber spürbar. Einige Forscherinnen vermuten, dass Anthocyane bestimmte Enzyme hemmen können, die Stresshormone abbauen. Das könnte erklären, warum manche Menschen sich nach einem anthocyanreichen Getränk wacher und gleichzeitig entspannter fühlen.
Auch beim Stoffwechsel tut sich einiges. Anthocyanreiche Extrakte der Schwarzen Johannisbeere scheinen die Insulinsensitivität zu verbessern und Blutzuckerspitzen abzuflachen. Das sind noch keine therapeutischen Ergebnisse, aber klare Hinweise darauf, dass die Beere für Menschen mit Stoffwechselstress interessant sein könnte.
Die Blätter – unterschätzte Kraft mit cortisonähnlichem Effekt
Viele Menschen wissen gar nicht, dass die Blätter der Schwarzen Johannisbeere mindestens genauso wertvoll sind wie die Beeren. Sie enthalten Gerbstoffe, Flavonoide und ein ätherisches Öl mit Terpenen, das entzündungshemmend, antiallergisch und leicht entwässernd wirkt.
Frankreich ist in der Forschung zu den Blättern führend. In mehreren Studien wurden Extrakte untersucht, die tatsächlich eine cortisonähnliche Wirkung zeigten, allerdings ohne die typischen Nebenwirkungen synthetischer Steroide. Das macht die Blätter so spannend für alle, die ihr Immunsystem regulieren möchten, sei es bei Hautreaktionen, Allergien oder rheumatischen Beschwerden.
Gemmotherapie – warum die Knospen so besonders sind
Die Knospen der Schwarzen Johannisbeere enthalten eine Konzentration an Wachstums- und Schutzstoffen, die sich von Blättern und Beeren deutlich unterscheidet. In der Gemmotherapie gelten sie als Pflanzenform, die Zugang zu den regenerativen, entwicklungsbezogenen Kräften des Gewächses bietet.
Traditionell werden Johannisbeerknospen eingesetzt bei:
- Stressreaktionen
- Reizüberlastung
- saisonalen Allergien
- Erschöpfung des Immunsystems
- wiederkehrenden Infekten
Knospenextrakte wirken milder als klassische Tinkturen, aber oft tiefgreifend. Die typische Dosierung liegt bei 5 bis 15 Tropfen, zwei bis dreimal täglich. Viele Menschen berichten von einer stabileren Stressbalance und einem gleichmäßigeren Energielevel.
Haut, Allergien und Verdauung – das stille Dreieck der Johannisbeere
Die Schwarze Johannisbeere zeigt ihre Wirkung gerne dort, wo Inflammation, Hautbarriere und Immunbalance miteinander verknüpft sind. Anthocyane können die Ausschüttung von Histamin reduzieren, was sie für Allergiker interessant macht. Die Kombination aus Blattextrakt und Vitamin C wirkt gleichzeitig antioxidativ, beruhigend und stabilisierend auf die Haut.
Im Verdauungssystem helfen die Gerbstoffe aus den Blättern, die Schleimhäute zu stärken. Manche Menschen mit sensibler Haut oder Reizdarmsyndrom reagieren positiv auf Johannisbeerblättertee, weil dieser mehrere Ebenen gleichzeitig unterstützt.
Herz und Kreislauf – bessere Gefäßfunktion dank Anthocyanen
Die vasodilatierende Wirkung ist eines der unterschätzten Talente der Schwarzen Johannisbeere. Anthocyane regen die Produktion von Stickstoffmonoxid an, einem Molekül, das die Blutgefäße entspannt. Schon zwei Stunden nach dem Konsum eines Extrakts lässt sich eine bessere Endothelfunktion messen.
Dieser Effekt kann sich zeigen als:
- stabilerer Blutdruck
- wärmere Hände und Füße
- besseres Konzentrationsvermögen
- weniger schwere Beine
Gerade für Menschen, die viel sitzen oder leichte Durchblutungsstörungen haben, kann dies ein spürbarer natürlicher Helfer sein.
Die Wurzel – ein selten genutztes, aber spannendes Pflanzenteil
Wurzelzubereitungen der Schwarzen Johannisbeere sind selten geworden, dabei wurden sie früher häufiger genutzt. Die Wurzel enthält harzige Stoffe, die leicht wärmend und stoffwechselanregend wirken. In manchen Regionen Osteuropas ist Wurzeltee aus Johannisbeere ein traditionelles Wintergetränk, das den Stoffwechsel aktivieren und das Immunsystem stärken soll.
Für den Hausgebrauch ist dieser Bereich eher etwas für Kräuterliebhaber, die gerne experimentieren, aber es zeigt, wie vielfältig die Pflanze ist.
Sortenwissen – warum manche Beeren aromatischer und wirkstoffreicher sind
Nicht jede Schwarze Johannisbeere schmeckt gleich. Manche Sorten enthalten mehr Vitamin C, andere mehr Anthocyane. Besonders reich an Wirkstoffen sind:
- Ben Sarek
- Titania
- Ben Hope
- Otelo
Diese Sorten wurden teilweise speziell auf hohe Polyphenolgehalte gezüchtet. Sie schmecken intensiver und eignen sich hervorragend für Säfte, Extrakte und Tees.
Verarbeitung und Schonung der Wirkstoffe
Damit die wertvollen Stoffe erhalten bleiben, lohnt es sich, auf schonende Verarbeitung zu achten. Vitamin C ist hitzeempfindlich, Anthocyane sind lichtsensibel.
- Einfrieren ist ideal, da weder Vitamin C noch Polyphenole stark verloren gehen.
- Schonendes Erhitzen ist möglich, wenn Du die Beeren nur kurz erhitzt, zum Beispiel für einen Sirup mit niedriger Temperatur.
- Trocknen funktioniert am besten bei etwa 40 Grad, weil die Polyphenole dann weitgehend stabil bleiben.
- Saft sollte möglichst Direktsaft sein. Konzentrat enthält oft weniger Anthocyane.
Ein Tipp aus der Praxis: Wer Beeren püriert und sofort einfriert, behält fast alle Wirkstoffe.
Praktische Anwendungen für den Alltag
Die Schwarze Johannisbeere lässt sich leicht in den Tagesablauf integrieren.
Frische Beeren vom Strauch sind die wirkstoffreichste Form. Im Winter helfen Saft, Extrakt, Tee oder Knospenzubereitungen. Johannisbeerblatttee schmeckt mild und leicht herb und lässt sich auch wunderbar mit Melisse, Zitronenverbene oder Brennnessel kombinieren.
Knospenextrakte bieten sich an, wenn das Immunsystem erschöpft ist oder die Allergiesaison naht. Die Wirkung ist sanft, aber beständig.
Für Kinder ist der Sirup oft der beste Zugang zur Pflanze. Er ist aromatisch, mild säuerlich und unglaublich farbintensiv.
DIY Projekte mit Schwarzer Johannisbeere
Du kannst die Pflanze wunderbar in Deine eigene kleine Naturapotheke integrieren.
Ein Oxymel aus den Blättern wirkt erfrischend, stoffwechselanregend und beruhigend für die Schleimhäute.
Schwarze Johannisbeere-Eiswürfel eignen sich zum Kühlen müder Augen oder als intensives Geschmackserlebnis im Wasser.
Ein Ölmazerat aus frischen Blättern hat ein überraschend schönes Kräuteraroma und kann in Salben eingearbeitet werden, die die Haut beruhigen sollen.
Beobachtungen für zuhause
Vielleicht möchtest Du die Wirkung dieser Pflanze einmal bewusst an Dir selbst beobachten. Eine dreitägige Saftkur mit 100 Prozent Johannisbeersaft zeigt manchen Menschen deutlich, wie sich Energie, Konzentration und Hautgefühl verändern.
Auch während der Pollenzeit kann eine kleine Teeprobe spannend sein. Wenn Du jeden Tag eine Tasse Johannisbeerblatttee trinkst, wirst Du schnell merken, ob Deine Schleimhäute darauf reagieren.
Wer viel sitzt oder mit kalten Händen zu tun hat, kann vor einem Arbeitstag einen anthocyanreichen Extrakt ausprobieren und beobachten, ob sich die Durchblutung oder Konzentration verändert.
Nebenwirkungen und Vorsichtshinweise
Die Schwarze Johannisbeere ist gut verträglich, doch es gibt ein paar Punkte, die man kennen sollte.
Menschen mit starken Gerinnungsstörungen sollten hohe Mengen an Anthocyanen meiden, da diese die Blutgerinnung leicht beeinflussen können.
Bei schwerer Niereninsuffizienz sollte der Blatttee vermieden werden, weil er leicht entwässernd wirkt.
Allergien gegen Ribes Arten sind selten, aber möglich.
Knospenextrakte sollten in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, die Beeren dagegen sind völlig unbedenklich.
Inhaltsstoffe:
- Anthocyane (v. a. Delphinidin 3 rutinosid, Cyanidin 3 rutinosid)
- Flavonoide
- Polyphenole
- Vitamin C
- Vitamin E
- Gerbstoffe
- Terpene (v. a. aus dem Blattöl)
- Gamma Linolensäure (im Samenöl)
- Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren (im Samenöl)
- Pektine
- Fruchtsäuren
- Kalium
- Calcium
- Magnesium
- Eisen
- Beta Carotin
Heilwirkungen:
- antioxidativ
- entzündungshemmend
- immunstärkend
- antiallergisch
- gefäßschützend
- stoffwechselanregend
- leicht diuretisch
- hautberuhigend
- schleimhautstärkend
- regenerationsfördernd
- blutdruckregulierend
- durchblutungsfördernd
- antihistaminisch
- gelenkunterstützend
Anwendungsgebiete:
- Erkältungen
- geschwächtes Immunsystem
- Allergien
- Heuschnupfen
- entzündliche Hautzustände
- rheumatische Beschwerden
- Gicht
- leichte Harnwegsinfekte
- Erschöpfung
- Stressreaktionen
- Durchblutungsstörungen
- müde Beine
- oxidative Belastung
- saisonale Infektanfälligkeit

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