Cleansingbalm selber machen: sanfte Gesichtsreinigung mit Öl

Cleansingbalm selber machen: sanfte Gesichtsreinigung mit Öl

Rührwoche, Tag 1: Ein abwaschbarer Reinigungsbalsam mit einer übersichtlichen Basis und Varianten für trockene, empfindliche, fettige und reife Haut.

Ein Balsam, der auf der Haut weich wird und sich beim Kontakt mit Wasser in eine milchige Reinigung verwandelt: Mit einem Cleansingbalm starten wir in unsere Rührwoche. An sieben Tagen entstehen sieben verschiedene Produkte – von der Reinigung über Gesichtswasser und Serum bis hin zu Gesichtscreme, Augencreme und Maske.

Unser Cleansingbalm besteht aus einer Ölgrundlage, einem Konsistenzgeber und einem Emulgator, der das Abspülen erleichtert. Wir verzichten auf Parfüm und ätherische Öle. Aus dieser Basis entwickeln wir anschließend vier Varianten, bei denen Du einzelne Öle austauschst oder einen passenden öllöslichen Pflegezusatz ergänzt.

Was ist ein Cleansingbalm?

Ein Cleansingbalm ist ein ölbasierter Reinigungsbalsam. Er wird auf die trockene Haut aufgetragen und dort verteilt. Dabei können sich fettlösliche Rückstände mit der Ölphase verbinden.

Der entscheidende Schritt folgt beim Abspülen: Ein geeigneter Emulgator hilft dabei, das Öl mit Wasser zu vermischen. Aus dem Balsam entsteht eine milchige Flüssigkeit, die sich leichter entfernen lässt als reines Öl.

Wie gründlich ein bestimmtes Make-up oder ein Sonnenschutz entfernt wird, hängt vom jeweiligen Produkt und von der fertigen Rezeptur ab. Eine zuverlässige Entfernung wasserfester Produkte können wir für einen selbst entwickelten Balm ohne entsprechende Tests nicht versprechen. Im Zweifel reinigen wir daher danach noch mit einem Waschgel. Das Rezept dafür gibts morgen.

Die Cleansingbalm-Grundlage: wenige Rohstoffe mit klarer Aufgabe

Sonnenblumenöl als Basis

Wir verwenden raffiniertes Sonnenblumenöl in kosmetischer Qualität. Es bildet den größten Teil der Rezeptur und dient als Grundlage zum Verteilen und Anlösen fettlöslicher Rückstände.

Die Wahl des Öls hängt hier auch mit dem Emulgator zusammen: Dragonspice nennt Sonnenblumenöl ausdrücklich als geeigneten Partner für das verwendete PGMO.

PGMO für die Abwaschbarkeit

Unser Emulgator heißt PGMO Polyglyceryl-4-oleate für Duschöl. Der Anbieter beschreibt ihn für Ölformulierungen, die bei Wasserkontakt eine abwaschbare Milch bilden. Für solche Reinigungsöle werden 10–15 % empfohlen.

Wichtig ist die genaue Handelsqualität. Dragonspice führt auch andere Rohstoffe mit ähnlicher Bezeichnung. Sie sind nicht automatisch austauschbar. Außerdem funktioniert dieses PGMO laut Anbieter nicht mit jeder Ölgrundlage: Unter anderem werden Neutralöl, Jojobaöl, Sheabutter und Kokosöl als ungeeignete Partner genannt. Deshalb verwenden wir diese Zutaten hier nicht als Basis.

Ceralan für die Balsamstruktur

Ceralan mit der INCI-Bezeichnung Polyglyceryl-3 Beeswax dient als Ölgelbildner. Es soll unserer flüssigen Ölgrundlage eine weiche, entnehmbare Struktur geben. Der Anbieter nennt für Ölgele Einsatzkonzentrationen bis 8 % und einen Schmelzbereich von 63–73 °C. Da es sich um ein Bienenwachsderivat handelt, ist diese Rezeptur nicht vegan.

Die Kombination mit PGMO ist ein eigener Rezepturentwurf. Wie fest sie bei unterschiedlichen Raumtemperaturen wird und wie gut sie sich abspülen lässt, muss am fertigen Ansatz geprüft werden.

Vitamin E als Oxidationsschutz

Vitamin E ergänzt die Grundlage als Antioxidans. Es kann die Oxidation der eingesetzten Öle verzögern. Wir verwenden die angebotene Mischung mit den INCI Tocopherol, Helianthus Annuus Seed Oil in einer Dosierung von 1 %. Vitamin-E-Acetat ist dafür kein gleichwertiger Ersatz.

Vitamin E ist kein Konservierungsmittel gegen Bakterien, Hefen oder Schimmel.

Grundrezept für 100 g Cleansingbalm

Die Basis enthält keine zusätzlichen hauttypspezifischen Wirkstoffe. Bei einem Ansatz von 100 g entsprechen die Grammangaben zugleich den Prozentanteilen.

PhaseRohstoffMengeFunktion
ASonnenblumenöl, raffiniert, kosmetische Qualität76,00 gÖlgrundlage
ACeralan, INCI: Polyglyceryl-3 Beeswax8,00 gKonsistenzgeber
BPGMO Polyglyceryl-4-oleate für Duschöl15,00 gEmulgator für die Abwaschbarkeit
CVitamin E, INCI: Tocopherol, Helianthus Annuus Seed Oil1,00 gAntioxidans
Gesamt100,00 g

Du kannst für einen ersten Versuch auch 50 g herstellen. Dafür halbierst Du sämtliche Mengen.

Das brauchst Du zum Rühren

Bereite eine Feinwaage mit 0,01-g-Auflösung, hitzebeständige Bechergläser, einen Spatel, ein Thermometer und ein Wasserbad vor. Zum Abfüllen eignet sich ein vollständig trockener Kosmetiktiegel mit gut schließendem Deckel.

Reinige und desinfiziere geeignete Geräte und Verpackungen nach den Anwendungshinweisen des verwendeten Desinfektionsmittels. Lasse alles vollständig trocknen. Beachte außerdem die Sicherheits- und Verarbeitungshinweise der einzelnen Rohstoffe.

Cleansingbalm herstellen: Schritt für Schritt

1. Ölgrundlage und Ceralan abwiegen

Wiege Sonnenblumenöl und Ceralan in ein hitzebeständiges Becherglas ein.

Bei einer Variante mit zusätzlichen Ölen beachtest Du die unten angegebenen Austauschmengen. Hagebuttenkernöl bleibt zunächst separat und wird erst beim Abkühlen zugegeben.

2. Ceralan vollständig schmelzen

Erwärme die Mischung im Wasserbad unter gelegentlichem Rühren auf etwa 75 °C, bis das Ceralan vollständig geschmolzen ist. Halte die Mischung nur so lange warm, wie dafür erforderlich.

Achte darauf, dass kein Wasser aus dem Wasserbad in das Becherglas gelangt.

3. Emulgator einarbeiten

Nimm das Becherglas aus dem Wasserbad. Rühre beim Abkühlen auf ungefähr 50 °C das PGMO sorgfältig ein. Ein Aufschlagen ist nicht erforderlich. Wir möchten eine gleichmäßige Mischung mit möglichst wenig eingeschlossener Luft.

4. Abkühlphase ergänzen

Rühre bei höchstens 40 °C das Vitamin E ein. Bei den entsprechenden Varianten kommen jetzt auch Bisabolol oder das zurückbehaltene Hagebuttenkernöl hinzu.

Rühre weiter, während die Mischung langsam an Konsistenz gewinnt.

5. Abfüllen und ruhen lassen

Fülle den noch gut verarbeitbaren Balm in den trockenen Tiegel. Lasse ihn geschützt vor Verunreinigungen vollständig abkühlen und verschließe ihn anschließend.

Beurteile die Konsistenz nach 24–48 Stunden. Prüfe an einer separat entnommenen kleinen Portion auch, wie sich der Balm mit Wasser vermischt und abspülen lässt. Gib die Probe nicht zurück in den Tiegel.

Vier Cleansingbalm-Varianten für Deinen Hauttyp

Bei einem Reinigungsprodukt bleiben wir mit zusätzlichen Wirkstoffen zurückhaltend: Der Balm wird wieder abgespült. Die Varianten verändern vor allem die Ölzusammensetzung und das Anwendungserlebnis.

Die folgenden Mengen ergeben jeweils vollständige 100-g-Rezepturen. Die Zusätze ersetzen einen Teil des Sonnenblumenöls.

RohstoffTrockene HautEmpfindliche HautFettige Haut / MischhautReife, eher trockene Haut
Sonnenblumenöl, raffiniert56,00 g75,80 g56,00 g66,00 g
Mandelöl, raffiniert20,00 g–––
Distelöl, linolsäurereich––20,00 g–
Hagebuttenkernöl–––10,00 g
Ceralan8,00 g8,00 g8,00 g8,00 g
PGMO für Duschöl15,00 g15,00 g15,00 g15,00 g
Vitamin E wie im Grundrezept1,00 g1,00 g1,00 g1,00 g
Bisabolol, alpha, ca. 95 %–0,20 g––
Gesamt100,00 g100,00 g100,00 g100,00 g

Mandelöl, Distelöl und Wildrosenöl werden vom Anbieter als grundsätzlich geeignete Ölpartner für PGMO genannt. Die Stabilität der vollständigen Balmvarianten muss trotzdem jeweils separat geprüft werden.

Für trockene Haut: eine Variante mit Mandelöl

Hier ersetzen wir 20 g Sonnenblumenöl durch raffiniertes Mandelöl. Es wird bereits zusammen mit dem Sonnenblumenöl und dem Ceralan erwärmt.

Diese Variante ist eine alternative Ölkomposition für Haut, die sich nach der Reinigung schnell unangenehm trocken anfühlt. Ob sie Dir besser bekommt als die Basis, entscheidet die tatsächliche Anwendung. Bei einer bekannten Mandelallergie solltest Du eine andere Variante wählen.

Für empfindliche Haut: optional mit Bisabolol

Die Ölgrundlage bleibt weitgehend unverändert. Als Ergänzung verwenden wir 0,20 g alpha-Bisabolol.

Bisabolol ist ein öllöslicher Rohstoff, der für empfindliche Hautkonzepte angeboten wird. Dragonspice empfiehlt 0,1–1 % und die Verarbeitung in der handwarmen Phase.

Wenn Deine Haut auf neue Zutaten häufig reagiert, kann die schlichte Basis die passendere erste Wahl sein. Zusätze sind auch bei empfindlicher Haut kein Muss.

Für fettige Haut und Mischhaut: eine Cleansingbalm-Variante mit Distelöl

Für diese Version ersetzen wir 20 g Sonnenblumenöl durch linolsäurereiches Distelöl. Achte auf die Rohstoffbeschreibung: High-Oleic-Distelöl hat eine andere Fettsäurezusammensetzung.

Wir verändern damit die Ölgrundlage, ohne zusätzliche Butter oder Duftstoffe einzubauen. Die Rezeptur ist kein Akneprodukt und besitzt keine geprüfte talgregulierende Wirkung.

Ob sie sich angenehm abspülen lässt oder Dir zu viel Rückstand hinterlässt, solltest Du besonders bei fettiger Haut am kleinen Probeansatz beurteilen. Im Zweifel kannst Du danach noch mit einem Waschgel arbeiten.

Für reife, eher trockene Haut: eine Variante mit Hagebuttenkernöl

Hier ersetzen wir 10 g Sonnenblumenöl durch Hagebuttenkernöl. Wiege es separat ab und rühre es erst bei höchstens 40 °C ein.

Bei einem abwaschbaren Produkt wie unserem Cleansingbalm dient diese Ergänzung vor allem als alternative Ölkomponente. Ein Anti-Falten-Versprechen wäre daraus nicht abzuleiten. Wenn Du ein hochwertiges Pflanzenöl gezielt für die anschließende Pflege einsetzen möchtest, kann es im Serum oder in der Creme sinnvoller aufgehoben sein (die Rezepte dafür folgenden in den kommenden Beiträgen).

Auch reife Haut kann fettig oder empfindlich sein. Wähle deshalb nach Deinem aktuellen Hautgefühl.

So verwendest Du Deinen Cleansingbalm

Entnimm mit einem sauberen, trockenen Spatel eine kleine Menge. Verteile sie zwischen trockenen Händen und massiere den Balm sanft auf das trockene Gesicht.

Feuchte anschließend die Hände an und massiere etwas Wasser ein. Die Mischung soll dabei milchig werden. Spüle sie gründlich mit lauwarmem Wasser ab und tupfe das Gesicht vorsichtig trocken.

Wenn Deine Haut brennt, juckt oder sich rötet, spüle den Balm ab und verwende ihn nicht weiter.

Brauchst Du nach dem Cleansingbalm noch ein Waschgel?

Das ist keine Pflicht. Entscheidend ist, ob die Reinigung für Dich ausreicht und sich Deine Haut anschließend angenehm anfühlt.

Bei einer zweistufigen Reinigung folgt auf den Balm ein wasserbasiertes Reinigungsprodukt. Ob Deine Haut diese zusätzliche Reinigung braucht und verträgt, ist individuell. Ein ausgeprägtes Spannungsgefühl ist kein erwünschtes Ergebnis.

Morgen stellen wir Dir im zweiten Teil unserer Rührwoche ein Waschgel vor, das Du als eigenständige Reinigung oder bei Bedarf als zweiten Reinigungsschritt einsetzen kannst.

Wasserfrei bedeutet nicht unbegrenzt haltbar

Unsere Rezeptur enthält keine zugesetzte Wasserphase. Ein pH-Wert wird bei diesem wasserfreien Balm nicht wie bei einem Waschgel eingestellt.

Für die Haltbarkeit ist entscheidend, dass beim Rühren und während der Verwendung kein Wasser in den Tiegel gelangt. Bewahre ihn gut verschlossen, lichtgeschützt und außerhalb direkter Wärme auf. Entnimm den Inhalt vor dem Duschen mit einem trockenen Spatel.

Vitamin E schützt die Öle vor Oxidation, übernimmt aber keine mikrobiologische Konservierung. Stelle zunächst kleine Mengen her. Entsorge den Balm bei ranzigem Geruch oder anderen auffälligen Veränderungen; ein unauffälliges Aussehen allein beweist keine mikrobiologische Sicherheit. Ansonsten gilt wie immer: der Balm ist i.d.R. so lange haltbar wie das kürzeste MHD der verwendeten Rohstoffe.

Unsere Zutaten für die Rührwoche

Wir beziehen unsere Naturkosmetik-Rohstoffe seit vielen Jahren bei unserem Partner Dragonspice und empfehlen ihn gern weiter. Achte beim Einkauf besonders auf die genaue Bezeichnung des Emulgators und die angegebenen INCI: Ähnlich benannte Rohstoffe können sich in der Verarbeitung deutlich unterscheiden.

Cleansingbalm selber machen: sanfte Gesichtsreinigung mit Öl

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